Der Gedichtladen

Gedanken aus dem Leben, für das Leben

Sehr geehrter Herr Boehringer

Sehr geehrter Herr Boehringer,

ich habe Ihr Interview für die Weltwoche gesehen und dies hat mich trotz der Länge gefesselt. Sie bezeichnen sich selber als Informationsjunky und geben Einblick in die Zerreißproben, vor der eine junge Partei wie die Ihre dabei steht. Ich muss sagen, dass man diese Eigenschaft vielleicht auch braucht, bei dem Informationstsunami, der die letzten Tage über uns hereingebrochen ist.
Da kann man sich als mitdenkender und -fühlender Bürger nur in die Lektüre oder das frühlingshafte Wetter retten. Sie aber scheinen über die Fähigkeit zu verfügen, die Fakten nicht nur aufzusaugen, sondern auch einzuordnen.
Sie sprechen auch von Lernkurven, die Sie in Ihrem Leben epochal durchlaufen und die hoffentlich nicht bedeuten, dass vorherige Einblicke von Fall zu Fall wieder ad acta gelegt werden.
Sie machten auch eine Andeutung, die sehr meinen bescheidenen Erkenntnissen entspricht und betrifft Ihre liberale Einstellung. Darf man denn schon denken, dass die Zeit der Parteien nicht eigentlich in naher Zukunft vorüber sei? Sie selbst verschieben eine nationale Einigung, und bestünde sie nur in einer tragfähigen Koalition mit Ihrer Partei, die ich immer noch für die beste halte, aber eben auch nur ein Auslaufmodell, auf einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Darf man unter Berücksichtigung des Nichtaneckens am Grundgesetz eine Zeit herbeisehnen, wo die Deutschen nicht zerstritten unter einer Parteienherrschaft leben, sondern in Eintracht und in einem schlanken Staat, der von Sachverständigen wie Sie getragen ist?
Sie erkennen darin vielleicht wieder ein kollektives Modell, das Sie bei Björn Höcke monieren und wovon ich Sie werde nur schwerlich abbringen können, aber wir Ossis haben mit dem Gut der Kollektivität nicht die schlechtesten Erfahrungen gemacht und der Aufbruch, der notwendig scheint, um das Schicksal Deutschlands zu wenden, könnte eher von unten kommen als aus einem jahrzehntelangen Parteienstreit.
Gesetzt den Fall, Ihre Partei würde eines Tages allein regieren, würde sich da das Volk nicht wieder von e i n e r Partei regiert vorkommen und sich nicht wohl befinden? Wie viele kämen sich ausgeschlossen oder übertölpelt vor?
Bewegung statt Partei – das würde einen unangreifbar machen, auch gegen eventuelle Verbotsverfahren. Dazu müsste man sich die Eigenschaft aneignen zu integrieren.
Erlauben Sie mir noch abschließend auf einen Artikel zu verweisen, der diesen Gedanken aufgreift:
Den guten Glauben gestehe ich allen zu.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christian Rempel
Randberlin