Der Gedichtladen

Gedanken aus dem Leben, für das Leben

Palmsonntag

Palmsonntag

Als Jesus, auf einem Esel reitend, in Jerusalem einzog und wie ein König begrüßt wurde, mit Palmenwedeln, sollte er nur noch fünf Tage zu leben haben, denn bald wendete sich das Glück und er wurde verurteilt, weil er gegen das Gebot der Hebräer verstoßen hatte, dass der Sabbat zu heiligen sei, indem man da absolut nichts tut, nicht mal ein herabgefallenes Taschentuch tätig aufhebt. Damit war sein Schicksal noch nicht besiegelt, denn das Volk der Hebräer, dem er angehörte, hatte ja die Möglichkeit, einen der als Verbrecher verurteilten zu begnadigen und das Volk entschied sich für Barabbas anstelle von Jesus, den sie am Palmsonntag noch so gefeiert hatten.

Jesus hatte ja auch proklamiert, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei und wurde so zu einem Religionsstifter, von denen Machiavelli sagte, dass sie an erster Stelle in der Rangfolge der Menschheit stehen. Das Volk war der eigentliche Richter und hatte vielleicht kurzsichtig entschieden.

Aber wie sollte man sich den weiteren Fortgang der Geschichte vorstellen, wenn Jesus diese Schwäche des Volkes geahnt hätte und sich nicht hätte als König feiern lassen. Wäre er vor den Toren Jerusalems, das sich auf das Passahfest vorbereitete, von seinem Esel gestiegen, hätte diesen flüchtigen Ruhm gemieden und mit seinen Jüngern weitgehend unbekannt weiter durch die Lande gezogen, wie viel an Leid hätte er sich erspart. Sich dem Hosianna des Volkes auszusetzen, sich derart feiern zu lassen, war das nicht ein Fehler?

Man kann dem entgegenhalten, dass Jesus da wohl wusste, was er tat und dem Volk vor Augen führen wollte, wie sehr es irren kann, aber wäre das nicht zu verstiegen? Welcher Mensch mit Selbsterhaltungstrieb macht solche Experimente an sich selbst, die einem das Leben kosten. Und wusste er denn, dass er auffahren würde zum Himmel zu Himmelfahrt und vorher noch einige Wochen auf der Erde zu wandeln hätte, um die Jünger im Glauben zu festigen, dass er überhaupt auferstehen würde?

Das alles kann das Mitgefühl mit seinen unendlich schweren Leiden nicht schmälern und sollte uns wohl eher Fingerzeig sein, wie sehr sich ein Volk irren kann, nicht nur das der damaligen Hebräer, sondern sicher jedes Volk.

Sollte das Volk einen König wünschen, und diese Sehnsucht nach dem Goldenen Zeitalter ist immer noch lebendig, so ist dessen Prunk, ja auch Machtentfaltung eine unabdingbare Voraussetzung, wie auch dessen Weisheit, Langmut und Liebe zu seinem Reich und den Untertanen. So ein König käme auf einem stolzen Ross sitzend oder einer reichen Kutsche, die von der höchsten Kunst und dem Geschmack seiner vorzüglichsten Künstler zeugte, daher, nicht gottgleich, aber ein vom Höchsten und dem Volk Erwählter.

CER 29.3.2026