Der Gedichtladen

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Kolumne KW49 „Wer wagt gewinnt“

Wer wagt gewinnt

 

Jetzt, nach unserem schönen Fest der Stille in Waltersdorf, darf vielleicht verraten werden, dass wir ganz schön nervös geworden waren in unserem 16 köpfigen Festkomitee, als wir die Ausgaben und Einnahmen hochrech­neten. Jeder Posten wurde unter die Lupe genommen, obwohl wir doch als unkommerzielles Fest vor allem Freude auf die Festzeit verbreiten wollen. Trotzdem können wir uns natürlich keine Verluste leisten.

Unser Hauptsponsor, der Flughafen BER, hatte pünktlich seinen Beitrag geleistet, aber das ist ja nur ein Sechstel der benötigten Mittel. Dazu kam immer noch einmal der doppelte Betrag unserer anderen Sponsoren, die uns auch zum größten Teil die Treue hielten und es waren sogar der eine oder andere dazugekommen. Manche aber hielten sich unerklär­licher Weise zurück und wir versuchten uns unseren Reim darauf zu machen. Waren das unsere Freunde vom Lichterfest, die inzwischen auch bei uns sammeln kommen? Ist es das, dass man vom Ortsteil Waltersdorf nicht mehr so viel erwartet und auf die Großgemeinde schielt? Ist es eine unerfreuliche Wirtschaftslage? Denkt man vielleicht, wir verdienen am Ende etwas mit dem Fest der Stille?

Da fängt man normalerweise an zu sparen, bis es bei uns so zugeht, wie auf den anderen Märkten: Keine Kultur mehr, falsche thüringer Bratwürste, Markt­stände, auf denen teuer angeboten wird, was dann doch keiner will.

Es war nicht gerade mehrheitsfähig, als ich dann in Anbetracht einiger kleiner Reserven auf die Kultur setzte, so dass wir in diesem Jahr fast doppelt so viel für die Kultur ausgaben wie für Essen und Trinken, auf das sich doch meistens solche Feste immer mehr reduzieren. Das war dann schon die eine oder andere Pressenotiz wert oder einen Beitrag bei Antenne Brandenburg. Auch der Tombola sollte man nicht anmerken, dass einige Häuser nicht mal einen Preis für 30 Euro stiften können, während andere gleich mit einem Drittel attraktiver Preise dabei sind. Also mussten wir auch hier investieren, weil wir die Liebhaber dieses kleinen Glücks­bringers nicht enttäuschen mochten und ihnen irgendwelchen Ramsch anbieten.

Das ist natürlich alles keine reine Geldfrage, sondern viel lässt sich auch durch entsprechenden Einsatz ausgleichen, was mit dem Ersingen von Tischdecken anfängt und die Marktstände vorm Sturm zu schützen aufhört. Auch das Girlandedrehen, Kuchenbacken, Dekorieren, Stände­be­treu­en, Babajaga­haus­mon­tieren und hinterher wieder alles aufräumen, das alles war zu leisten.

Da ist es verständlich, dass die meisten dann ein bisschen erschöpft waren und die Krönung des Festes der Stille (es war ja auch „nur“ eine Geberalprobe unseres neuesten Stücks „Die verlorene Schlacht“, die ein großer Erfolg war) noch gar nicht erleben konnten, aber das soll ja auch keine Eintagsfliege sein, sondern sich wie ein Taubenschwarm über unser kleines Dorf erheben, der ja bekanntlich erst mal ein paar Runden zieht, um dann den Heimflug anzutreten. Und wie schön unsere Natur bei Waltersdorf sein kann, sieht man schon ein bisschen an dem Kalender, für den Holger Löde ein paar Impressionen eingefangen hat und schöne Verse von der Dichterin Christina Margret zu finden sind. Mit diesem und unseren kulturellen Ambitionen wollen wir ein bisschen dafür werben, sich hier weiterhin heimisch zu fühlen, auch wenn unsere Gemeinde ein bisschen unüber­schaubar geworden ist.

Und es hat sich gelohnt, wir haben uns weder verrechnet noch unser oder eines Sponsors Budget über­strapaziert. Es ist schon eine Idee ent­standen, wie wir an einem Unternehmerabend unser kulturelles Niveau, das wir erreicht haben, auch vor unseren Geldgebern ins rechte Licht rücken und sie auch mal ein bisschen verwöhnen können, ohne dass es viel kosten muss.

So also unsere Pläne für 2016.

Christian Rempel im Waltersdorfe, den 8.12.2015