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Kolumne KW09 „Teilerfolg“

Teilerfolg

 

Wie ich aus berufenem Munde erfahren habe, steht die Gravitationskonstante, das sog. Great G nicht auf der Messliste der Physikalisch Technischen Bundes­anstalt, kurz PTB. D.h., dass sich in Deutschland nur die Schüler mit der Messung dieser wichtigen und durch keine theoretischen Vorhersagen berechenbaren Konstante beschäfti­gen.


Wahrscheinlich ist es auch uninter­essant, neue Verfahren für eine Messung zu entwickeln, bei der es keine neuen Ideen zur Versuchs­durchführung gibt. Angeb­lich wurde es schon dreihundert Mal versucht, die Bestimmung der Konstante durch Experimente zu verbessern, aber noch immer geht der Streit schon bei der dritten Nachkommastelle los.

Da ist es schon eine tolle Leistung, dass unser Jugend forscht Projekt zur Gravitationswaage in der ersten Stufe erfolgreich war und Tilman einen Regionalsieg erstritten hat. Die Jury tendiert ja dazu, vor allem energiewirtschaftliche Themen zu qualifizieren, aber bei der Gravitationskonstante geht es fast um mehr, nämlich herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält, wie unser Kosmos funktioniert.

Jetzt scheint sich aber doch ein neues Verfahren gegenüber dem 1798 von Cavendish entwickelten abzuzeichnen. Es soll irgendwie mit Atomstrahlen arbeiten und wurde von italienischen Physikern entwickelt. Mehr wissen wir noch nicht und müssen in der Bibliothek erst einmal das entsprechende Exemplar der Zeitschrift Nature einsehen. Diese Zeitschrift ist ja bekannt dafür, dass sie besonders fundamentale Forschungen publiziert und vielleicht wird ja daraus für unseren hoffnungsvollen Jugendforscher ein Thema, das ihn einige Zeit seines Lebens beschäftigen könnte. Auf jeden Fall ist das mal ein völlig neuer Ansatz und es wird nicht mehr nur an einer bekannten Apparatur gebastelt und verbessert, sondern ein völlig neues Verfahren angewendet, bei dem die Fehlerquellen völlig neu zu überdenken sind.

Wenn das so reiches physikalisches Futter bietet, vielleicht kann sich die PTB dann doch mal für das Thema erwärmen.

Auf jeden Fall kann man erst einmal feststellen, dass sich auch auf den eingefahrenen Geleisen der Physik noch etwas tut. Wie viele Jugendliche sind heute einigermaßen ratlos, wo sie ihren Platz in der Gesellschaft finden sollen, streben wie die Alten schon in jungen Jahren vor allem nach Geld und Sicherheit. Wenn man sieht, dass da noch kleine Abenteuer warten, auch wenn sie sich in der dritten Nachkommastelle abspielen, dann kann man doch hoffen, dass da für unsere kommende Generation noch etwas zu tun ist.

Also dann, fröhlich weitergeforscht, ganz im Sinne unseres derzeitigen Mottogedichtes auf der Startseite.

Christian Rempel im Waltersdorfe, den 3.3.2015