Der Gedichtladen

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Das Wunder von Riesa

Die Wunder von Riesa

Eigentlich eine Hüttenstadt birgt Riesa manch Wunder. Wir kommen zunächst mit schweren Koffern auf dem sauberen Bahnhof an und begeben uns zum Busbahnhof – es ist Mittwoch Mittag und es fährt kein Bus in das verwunschene Schloss Jahnishausen, das dem Sächsischen König Johann II. mal sommerliches Labsal und Inspirationsort gewesen und auch unser Reiseziel ist.

Ich brauche noch Briefmarken und wir werden des ersten Wunders gleich auf dem Bahnhofsvorplatz gewahr: Ein freistehendes, einer Hauptstadt würdiges Postamt, im einzelnen aus der Nähe verbarrikadiert, aber durch einen etwas illegalen Eingang, wenn man dem Summen der Faxe (eine deutsche Erfindung) und dem Ticken der Fernschreiber, die auf Carl Friedrich Gauß zurückgehen, folgt, betritt man einen Saal mit vielen Schaltern und seitlich angeordneten Telefonapparaten, die sämtlich besetzt sind von Menschen verschiedenster Provenienz, gestikulierend, sich gegenseitig überschreiend und mich, der ich eigentlich nur um Briefmarken kam, ignorierend.

Aber wenn Sie denken, es ginge recht altertümlich in dem Riesaer Postamt zu, dann waren sie entweder noch nie drin oder es ist schon zu lange her. Mich nahm jedenfalls ein glänzender, wohl aus Riesaer Stahl bestehender Roboter an die Hand und rollte mit mir an einen der etwa ein Dutzend Schalter, wo mich eine sachlich sächselnde und stark geschminkte Postbeamtin nach meinem Begehr fragte:

„KONVENTIONELLER LEICHT ZU ÖFFNENDER Brief oder Rohrpost: letztere mit Hyperloop (Vorvakuum) und persönlicher Abgabe oder doch eher unpersönliche Druckluft direkt nach Berlin zu den Bouletten?“

„Ja, Druckluft zu Hernn Steinmeyer, denn der Inhalt kann einen Stein erweichen, wie einst den Kruppstahl hier, wenn mal ein heißer Sommer ist. Es handelt sich nämlich um eine Rentenreform – eine Anregung eines junggebliebenen Rentnerforschers.“

Riesafragment 1. CER 25.8.2026