Eine sehr persönliche Atmosphäre
Erst durch den Reisebericht meines Freundes TS habe ich erfahren, dass, als wir uns in der O Busstadt Salzburg befunden hatten, wir auch nahe einer Volkssage uns befunden hatten, die in den Zeiten einiges an Wandlung durchgemacht hatte.
Wir waren nämlich in Salzburg, nahe des Obersberges, in dem der aktuellen Sage nach in der Eishöhle Karl der Große seinen Bart um den marmornen Tisch wachsen lässt, nur aller Hundert Jahre mit der Frage an sein Gefolge erwacht, ob denn die Raben noch fliegen. Ja, sie fliegen noch, lautet die gewöhnliche Antwort, und so sieht er die Zeit der Menschen noch nicht gekommen und schläft weiter, wiederum hundert Jahre..
Ursprünglich saß auf diesem unterirdischen Throne Friedrich II., der Staufer. Der Stupor Mundi, wie man ihn auch nannte, der es im 13. Jahrhundert mit dem Papst aufgenommen hatte, statt blutigen Kriegszügen, diplomatischen Wundern den Vorzug gab, als er die Christen mit den Sarazenen versöhnte, die arabische Rechenkunst in seinem Reich einführte und ein Naturfreund war. Nach Deutschland war er als König mit einem beachtlichen Gefolge eingezogen, zu dem neben Affen auch ein weißer Elefant gehörte.
Sein Tod um 1250 wollte vom Volk einfach nicht geglaubt werden, weshalb es sich diese Legende zusammenspann.
Doch lange sollte sein Nachruhm nicht währen, denn die deutschen Romantiker, wie die Brüder Grimm ersetzten ihn durch den bekannteren Kaiser Barbarossa, den Großvater Friedrich II. und verpflanzten ihn in den Kyffhäuser, wo heute das monströse Denkmal steht.
Den Salzburgern nun, blieb nichts weiter übrig, als sich einen anderen Kaiser auszusuchen und setzten ihrerseits Karl den Großen in den Obersberg.
Da wachsen nun die Bärte nicht nur um die Tischplatte, sondern sogar durch diese, und unserem Barbarossa traut man zu, dass er wieder aufwachen würde und hervorkäme, wenn das deutsche Volk in Not sei. Ob das nun nicht langsam so weit ist?
Um noch einmal auf Friedrich II. zurückzukommen, so hatte er von einem Bettelmönch namens Franz von Assisi gehört. Nicht nur er war auf diesen aufmerksam geworden, sondern auch der Papst. Es soll auch zu einer persönlichen Begegnung zwischen dem Stupor Mundi und dem auch einiges Aufsehen erregenden Mönch gekommen sein. Letzteren als Bettelmönch zu bezeichnen, wäre falsch, denn das Prinzip der Franziskaner besteht darin, durch Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Der Kaiser soll ihn in ein prunkvolles Gemach eingeladen und ihm eine unwiderstehliche Kurtisane beigegeben haben, aber Franz lud diese ein, sich mit ihr zur Prüfung der göttlichen Gnade auf glühende Kohlen zu legen, worauf sie bekehrt ward und sich der Kaiser den Rest der Nacht angelegentlich mit dem Bettelmönch unterhielt.
Wie wäre es, wenn ein Kanzler einen der Obdachlosen als moralisches Vorbild entdeckte und sich mit ihm auf ein erhellendes Gespräch einließe.
CER 23.09.2026