Der Gedichtladen

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Statistisches und Politisches zum Fußball

Statistisches und Politisches zum Fußball

Fußball ist vor allem Leistungswille, den wir uns immer noch als Deutsche zugute halten, aber wenn vor zehn Jahren nur 20 % des Kaders einen Migrationshintergrund hatte, so waren es in der diesjährigen WM 57 %, die sogar bis auf eine Ausnahme alle in Deutschland geboren sind und in den Genuss einer Talentförderung kamen. Zu siebzig Prozent stammen sie aus NRW, BW und Bayern. Inzwischen haben 40 % der unter Fünfjährigen in Deutschland einen Migrationshintergrund, bei den 18 bis 35Jährigen, die für den Profisport relevant sind, sind es ca 37 %.

Es klafft da also eine Lücke von immerhin schon 20 %, die Spieler aus Migrationshaushalten offenbar überlegen sind. In der Nachwuchsförderung gibt es Programme (Funino – mehr Ballkontakte, weniger Ergebnisdruck), die den harten Wettbewerb „mildern“ wollen, weil das ja die zarten Gemüter demotivieren könnte, so die Intention. Dass diese, sagen wir einer anderen Kultur verhafteten Spieler denen, die sogar deutsche Eltern und Großeltern hatten, jetzt derart überlegen sind, auch wenn ein Nationalgefühl, das doch die Fans irgendwie noch pflegen, da nicht so rasch vorausgesetzt werden kann, lässt mich den zu Tode getriebenen Begriff des Rassismus neu verstehen.

Wenn es nämlich erlaubt sein sollte, Menschen an ihrer Hautfarbe oder einer weitgefassteren Herkunft zu unterscheiden und diese angestammte Bevölkerung mal als Weiße zu bezeichnen, so kann man nicht umhin, diese Gruppe als unterlegen anzusehen. Die durchaus etwas anderen lassen sich nämlich weniger von unseren Bedenken gegenüber jeglicher Unterscheidung und psychologisierender Befindlichkeitsideologie infizieren, sondern machen ihr Glück im Fußball, zumindest als Individualtalente, aus dem eigenen Antrieb heraus, es zu etwas zu bringen.

Nun war die WM für Deutschland ja eher ein Debakel und man kann sich fragen, wie das trotz hervorragender Kaderschmieden (wie es damals im Osten hieß) passieren konnte und es wäre vielleicht aus dem Kaffeesatz gelesen, wenn man dafür einen mangelhaften Zusammenhalt, wie es ein Nationalgefühl bieten könnte, verantwortlich machte.

Sucht man da nach kulturellen Hintergründen, so könnte man an den Oktober 2000 erinnern, wo Friedrich Merz als damaliger Fraktionsvorsitzender der CDU gegenüber der Rheinischen Post die Zuwanderer, die sich dauerhaft in Deutschland niederlassen wollen, noch aufforderte, sich einer „gewachsenen freiheitlichen deutschen Leitkultur“ anzupassen, was sich schon damals als Fettnäpfchen erwies und Angela Merkel, die schon damals diese aus ihrer Sicht Verengung und Polarisierung nicht für zielführend hielt, ihn wenig später eliminierte.

Jetzt, wo ähnlich den letzten Jahren der DDR, zum Beispiel der Schlendrian bei der Bahn und eine allgemeine Forderungsideologie wieder auferstehen und wir nicht nur wirtschaftlich, sondern auch fußballtechnisch kranken, hat er auch noch nicht das rechte Gespür dafür entwickelt, dass es Otto Normalverbraucher wenig interessiert, wie schwer der Kanzler es heute hat und dessen durchaus berechtigte Kritik am Fleiß und der Disziplin der Deutschen eher als Beleidigung aufnimmt.

Gemeckert wird immer und manch einer wird sich freuen, dass das Nationale Hochgefühl durch den Fußball, das aber für viele auch ein wichtiges Lebenselixier ist, diesmal ausblieb.

CER 3.7.2026