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Kolumne KW 42 2017 „Sturmhöhe“

Sturmhöhe 

Am Freitag, den 13. Oktober, gab es eine gemeinsame Veran­staltung der Bibliothek Zeuthen und der Volkshochschule. Es wurde der Kultroman Jane Eyre besprochen und anschließend der Film gezeigt, den es schon in mehreren Fassungen gibt und diese Verfilmung war von 2013. Die Veranstaltung war leider schlecht besucht, denn es gibt doch noch viele, die den Roman offenbar noch gar nicht kennen.

Es war also die Rede von drei Schwestern, die in ärmlichen Verhältnissen in Nordengland aufgewachsen waren, die berühmten Brontë Schwestern, die alle drei schrieben und alle drei nicht mal das Alter von vierzig Jahren erreichten. Der Vater hatte alle seine insgesamt sechs Kinder überlebt. Charlotte lebte noch am längsten und hatte es auf vier Romane gebracht, während Emely, die jüngste, schon Anfang dreißig gestorben ist, kurz nach dem einzigen Bruder, der zu einer Maler­laufbahn bestimmt schien, aber an übermäßigem Alkoholkonsum und Opiumgenuss starb.

Jane Eyre von Charlotte zählt zu den berühmtesten Frauenroma­nen der englischen Literatur, aber die Referentin hatte angedeutet, dass Sturmhöhe von Emely Brontë als ein Geheimtipp gilt, weshalb ich es mir auch gleich mal auslieh. Es befand sich im Regal der Weltliteratur, was ich nach den ersten gelesenen Seiten gar nicht glauben wollte, denn entweder war die Übersetzung sehr schlecht, oder aber die ungelenke Ausdrucksweise ge­hör­te schon dem Original an und wurde getreu übertragen.

Da entspinnt sich nun eine Handlung über vier Gene­rationen, ebenfalls in Nordeng­land zwischen zwei Gutshäusern, in denen es nicht an Nach­kommenschaft mangelte. Da gibt es denn einen wahren Bösewicht, der seine enttäuschte Liebe in Menschenhass gewandelt hatte und seinen Mitmenschen und Nachkommen das Leben zur Hölle macht. Es gibt da viel Ab- und Zuneigung, und wenn man vom ungelenken Stil absieht, ist wohl das Erstaunlichste, wie sich abgrundtiefe Abneigung dann immer wieder in Zuneigung, je Liebe verwandelt, sodass es am Ende wiederum zu einer großen, aber diesmal erfüllten Liebe kommt. Obwohl die Brontë Töchter alle nicht verheiratet waren, hatten sie wohl eine Idee davon, wie das hätte sein können. Es wird also viel geliebt, jedenfalls in Bezeigungen, und auch gestorben, wobei es keine Seltenheit ist, dass das an gebrochenem Herzen erfolgt. Das kann man schon mal gelesen haben und insofern sei eine vorsichtige Empfehlung ausge­spro­chen.

Christian Rempel in Zeuthen, den 22.10.2017

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