{"id":959,"date":"2012-06-24T21:37:50","date_gmt":"2012-06-24T19:37:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=959"},"modified":"2024-09-29T15:29:27","modified_gmt":"2024-09-29T13:29:27","slug":"welchen-gewinn-habe-ich-von-meiner-krankheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/959","title":{"rendered":"Welchen Gewinn habe ich von meiner Krankheit?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Farben<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Leben hat so viele Farben<br \/>\nes ist so reich und auch so bunt<br \/>\ndie Menschen sind oft sehr am argen<br \/>\nund denken sich die K\u00f6pfe wund<\/p>\n<p>\nDas Gelb steht da wohl f\u00fcr den Neid<br \/>\nund Hoffnung tr\u00e4gt in sich das Gr\u00fcn<br \/>\nsie alle tragen so ihr Kleid<br \/>\nman muss sich nicht mal m\u00fch`n<\/p>\n<p>\nDas Rot, oh seht nur welche Pracht<br \/>\nes steht f\u00fcr wahre Liebe<br \/>\nob nun bei Tage oder Nacht<br \/>\ntr\u00e4gt immer neue Triebe<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nUnd viele Farben hat in sich<br \/>\nder Regenbogen dort am Himmel<br \/>\ndenn wenn die Wolken legen sich<br \/>\nvon ihrem Sturmgewimmel<\/p>\n<p>\nErscheint er dir, so freu Dich sehr<br \/>\ner schenkt dir alle Farben<br \/>\nnimm doch nicht eine Dir daher<br \/>\nsollst alle in Dir tragen<\/p>\n<p>\nDenn keiner kann f\u00fcr sich allein<br \/>\nder Himmel sein auf Erden<br \/>\nich w\u00fcnsche mir, du bleibst stets mein<br \/>\nso kann ich gl\u00fccklich werden<\/p>\n<p>\n<em>Andrea Rempel 15.06.2012<\/em><\/p>\n<p>\nMan k\u00f6nnte die Frage leichter beantworten, wenn man w\u00fcsste, um welche Krankheit es sich eigentlich handelt. Leute, die Wert darauf legen, dass sie nicht psychotisch und nicht schizo\u00adphren sind, sprechen von manischen und depressiven Phasen in ihrem Leben.<\/p>\n<p>\nUnd das habe ich eben davon, dass ich wieder einmal so eine manische Phase hatte, dass ich jetzt mehr oder weniger depressiv bin. Dieser Zustand ist per Lehrmeinung nicht behebbar, man kann sich einfach nicht \u00fcberwinden und so bin ich uns\u00e4glich faul, was als Gewinn zu empfinden wohl erfordern w\u00fcrde, dass man eigentlich nicht faul ist und sich eben nur gehen l\u00e4sst. Da zeigt man sich ungern einem fremden Menschen und fremd sind ja fast alle und man wird vergessen, was ich ohne Vorwurf oder Sehnsucht nach Abhilfe sage, denn ich habe zu einzelnen Menschen durchaus noch Kontakt. Wenn ich mich in einem solchen Zustand an meine T\u00f6chter wende, dann kommt: &#8222;Du ziehst mich runter&#8220;, denn da verstand ich fr\u00fcher ein Klagelied zu singen, Das kann man aber auch ganz gut bleiben lassen und einfach warten, was dann an Ermutigendem kommt und ich sehe an unserem verwaisten Telefon oder an meinem emailaccount, dass man da gut und gerne bis in die Ewigkeit warten kann. Naheliegend w\u00e4re da zu schlussfolgern, dass man den anderen egal ist, aber ich habe inzwischen festgestellt, dass in den meisten Leben ein\u00adfach nichts Mitteilenswertes passiert oder man es eben lieber mit sich ausmacht. Wenn ich das auf das Beispiel Djamila beziehe, da ist es sogar so, dass sie meiner Hellsichtigkeit in den ma\u00adnischen Phasen lieber gar keine Nahrung mehr geben m\u00f6chte und sich schon daher zur\u00fcckh\u00e4lt. In diesen depressiven Phasen hat man also den Ge\u00adwinn, dass man vollkommen ungest\u00f6rt ist, von keinen Wehwehchen behelligt ist und zum Beispiel ein Buch \u00fcber eine manische Phase oder Psychose schreiben kann. Das habe ich nun getan und muss nun wieder sehen, dass in diesem meinem Leben auch mal wieder etwas passiert, denn ich habe eigent\u00adlich immer ganz gern eine Platte drauf so wie in den Tagen kurz nach meiner Wanderung. Wenn man mal auf einer Fete ist, wie jetzt bei Eberhards 60., da merkt man ganz deutlich, dass in den meisten Leben nichts mehr passiert, dass sich das ganze Leben auf unerkl\u00e4rliche Weise zur Ruhe gesetzt hat und die Leute herzlich langweilig sind. Diese Langeweile empfinde ich auch, wenn ich mal unter den T\u00f6chtern bin und bei Lichte besehen hatte ich das schon immer, wenn eben nicht kommuniziert wird.<\/p>\n<p>\nVielleicht ist aber auch meine Depression eben keine und es ist nur ein vorgeschobenes Argu\u00adment, um die Faulheit zu kaschieren. F\u00fcr drei Wochen \u00e0 5000 Euro kann man sich nat\u00fcrlich auch in Verh\u00e4ltnisse begeben, in denen einem dieses Gef\u00fchl der Inferiorit\u00e4t genommen wird und man sich notgedrungener Weise wirklich auch mehr zusammennimmt. Das ist eben die Klinik oder auch eine Kur, zu der mir ja auch schon gelegentlich geraten wurde. Da wird einem dann gesagt, wann man was zu machen hat, man kann es sich in einem gewissen Grade sogar aussuchen, aber dass etwas gemacht wird, steht au\u00dfer Diskussion, weil sonst die Entlassung auf Sanktnimmerlein verschoben wird.<\/p>\n<p>\nDie Rolle der nach au\u00dfen verlegten Motivation und Disziplin k\u00f6nnte man meiner Kindheit zu\u00adschrei\u00adben, wo Mutter der Motivator war. Aber dass das zu kurz greift, beweisen die vielen Jah\u00adre, die ich auch ganz ohne diesen \u00e4u\u00dferen Antrieb durchgezogen habe, sondern nahezu selbst Motor war. Das waren die Zeiten, wo wir hier am Haus geschindert haben und ich immer voller Pl\u00e4ne war, obwohl Mutter doch lieber gesehen h\u00e4tte, dass wir in ihr Haus einziehen und sie sich etwas Neues bauen. Auch das mit der Firma habe ich aus eigenem Antrieb gemacht, auch wenn sich die Eltern immer interessiert haben, wie es dort weitergeht. Selbst das Schrei\u00adben habe ich aus freien St\u00fccken begonnen und es hat eine ganze Zeit gedauert, bis Mutter dann auf einen Aufsatz (Friedrich der Staufer) hin gesagt hat, dass sie mich doch f\u00fcr einen Schriftsteller h\u00e4lt.<\/p>\n<p>\nNun muss ich wohl auch ein bisschen Deinem Bed\u00fcrfnis entsprechen mir etwas anzukreiden und \u00fcber die psychotische Phase sprechen, die andere gern als manisch bezeichnen und weitestgehendst zu vermeiden suchen. Diese bietet nun wirklich eine Scheinwelt, die der von mir gesuchten irgendwie nahe ist.<\/p>\n<p>\nAls ich mich auf die Wanderung begab, musste ich nat\u00fcrlich auch die Frage beantworten, warum ich das \u00fcberhaupt machen wollte. Da ist nat\u00fcrlich die k\u00f6rperliche Bet\u00e4tigung, die ja auch eine Voraussetzung f\u00fcr die geistige ist. Aber daf\u00fcr kann man ebenso gut in ein Fitness\u00adstudio gehen, wobei mir allerdings schon beim Anblick eines Hometrainers der Gedanke kommt, dass man Fahrradfahren auch so haben kann und dabei irgendetwas N\u00fctzliches erledigt, man also sein Leben so einrichten kann, dass damit ein bisschen k\u00f6rperliche Bet\u00e4\u00adtigung verbunden ist.<\/p>\n<p>\nDas erkl\u00e4rte Ziel der Wanderung bestand aber nicht darin, m\u00f6glichst viele Kilometer zu machen, sondern es war der Suche nach dem G\u00f6ttlichen gewidmet und der Suche nach dem Abbau der Schwelle zu anderen Menschen. Letzteres ist allein dadurch schon ein Problem, dass ich Physi\u00adker bin und man diesen Beruf nur zu nennen braucht, dass bei 90% der Leute eine Jalousie f\u00e4llt. Das war doch das Fach, wo wir nicht so recht durchblickten, wo wir eine schlechte Zensur hat\u00adten, das Fach, das wir gern einer Handvoll von Leuten \u00fcberlassen, die sich dazu hingezogen f\u00fch\u00adlen. Vielleicht ginge die Jalousie auch schon runter, wenn der Gespr\u00e4chspartner bemerkt, dass man \u00fcberhaupt ein Intellektueller ist, der sich sicher etwas einbildet auf den Abstand, den er zwischen sich und den Rest der Welt gebracht hat. Deshalb habe ich auch eine tiefe Skepsis gegen\u00fcber der Intellektualit\u00e4t und versuche so wenig intellektuell wie m\u00f6glich zu sein. Physiker sehen sich auch gern als die Ingenieure des Weltplans Gottes und erfreuen sich daher anderer\u00adseits auch einer gro\u00dfen, wenn auch distanzierten Popularit\u00e4t. Man kann sich dieser Rolle, in die man da gedr\u00e4ngt werden soll, manchmal schwer erwehren.<\/p>\n<p>\nDas mit dem G\u00f6ttlichen halte ich auch so einfach wie m\u00f6glich, denn ich glaube nicht, dass man sich ein Sammelsurium von Religi\u00f6sem aneignen kann, sondern ich halte mich da einfach an das Christentum, konkret an den Protestantismus und noch konkreter an den Pietismus, mit dem ich mich schon vor Jahren besch\u00e4ftigt habe. Ich mache mir keine gro\u00dfen Gedanken, wie man sich Gott vorstellen soll, das mag die Natur sein oder eine Person oder einfach die Mikrowelt, die sich in einem Universum manifestiert. Schon als ich die ersten Male verr\u00fcckt wurde, hatte ich die Vorstellung einer belebten Mikrowelt und habe mir viel eingebildet auf die Entdeckung dieser M\u00f6glichkeit. Jetzt liegt mir am n\u00e4chsten, dass es drei Kategorien gibt: G\u00f6tter, die Mikro\u00adwelt und Menschen, die eben alle einen g\u00f6ttlichen Kern haben. Und ich erlebe dieses G\u00f6ttliche in meinen Psychosen und deren Umfeld, wobei das tollste Gef\u00fchl das des Auserw\u00e4hltseins ist, dass man mit al\u00adlen m\u00f6glichen Zeichen bedacht wird.<\/p>\n<p>\nIn diesen Phasen, in denen das G\u00f6ttliche mir nahe ist, funktioniert einfach alles. Es ergeben sich Situationen, die nach der Wahrscheinlichkeit gar nicht so geh\u00e4uft auftreten k\u00f6nnen. Alles, was einem begegnet, ob in der Natur oder situativ, passt zusammen und man entgeht sogar gewis\u00adsen Gefahren, denn man ist ja auserw\u00e4hlt, hat eine bestimmte Aufgabe, die Gott und die Mikro\u00adwelt durch einen bewirken wollen. Es steht also nicht mehr die Sinnfrage des Daseins, sondern die Aufgabe ist da und muss unter allen Umst\u00e4nden gel\u00f6st werden. Dazu ist man dann beru\u00adfen. Man muss nur auf diese Zeichen achten, man muss geistesgegenw\u00e4rtig sein, geschickt, lis\u00adtig und alle guten m\u00e4nnlichen Eigenschaften sind eben gefragt. Dieses tolle Gef\u00fchl und diese tollen Erlebnisse kann ich nur jedem w\u00fcnschen. Man merkt in diesen Phasen auch, dass einem in die\u00adsem Punkt Menschen nahe sind, dass sie auch ein gewisses Risiko mitzutragen bereit sind. Das ist die unerkl\u00e4rliche Ausstrahlung, die man als Psychotiker hat und f\u00fcr die man im Nachhi\u00adnein bezahlt mit der eingangs erw\u00e4hnten Phase und der Abstand sich dann sogar vergr\u00f6\u00dfert, weil sich andere Menschen in einen &#8222;krankhaften&#8220; Zustand haben hineinman\u00f6vrieren lassen und man ist dem Verr\u00fcckten daraufhin gram.<\/p>\n<p>\nDer Gewinn dieser Phase ist also nur ein zeitweiliger, der nicht l\u00e4nger anh\u00e4lt als die Psychose selbst und man hat hinterher noch die Aufgabe das entzwei gegangene Geschirr bei anderen zu entschuldigen, denn nur man selber hatte den ganzen Plan in sich und tr\u00e4gt daf\u00fcr auch die al\u00adlei\u00adnige Verantwortung. Noch dazu war das alles Bl\u00f6dsinn, f\u00fcr den man da gerade mal gek\u00e4mpft hat und wer l\u00e4sst sich schon gern in Bl\u00f6dsinn verwickeln.<\/p>\n<p>\nAber es gibt noch einen weiteren &#8222;Gewinn&#8220; f\u00fcr mich, wenn ich zum Beispiel an den letzten Kli\u00adnik\u00adaufenthalt denke, dass ich n\u00e4mlich von meinen kleineren Problemen abgelenkt bin, in diesem Fall von der Eifersucht zu der ich vielleicht nur imaginativen Anlass hatte, was deren Berech\u00adti\u00adgung aber keinen Abbruch tut, denn ich habe mich ja mit der in fast jeder Beziehung Lichtge\u00adstalt von Andrea einigerma\u00dfen \u00fcbernommen, aber scheue auch in dieser Beziehung nicht vor dem Risiko, weil ich mein Leben darein setze.<\/p>\n<p>\nUnd nun bist Du, seid ihr dran. Welchen Gewinn hast Du, habt ihr von meiner oder eurer Krank\u00adheit. Sicher ist das auch ein gewisser Trainingseffekt in Sachen Mitgef\u00fchl, aber wenn man sich davon nun\u00admehr verabschieden m\u00f6chte, weil es sich doch um einen renitenten, verlodderten und therapie\u00adunwilligen Kranken handelt, der eigentlich nur Schwierigkeiten macht, dann k\u00f6nnte es sinnvol\u00adler sein, wenn man Deinem Vorschlag gem\u00e4\u00df sich in die W\u00fcste begibt und den Tod ganz un\u00adspektakul\u00e4r erwartet. Da w\u00e4re es dann etwas schwieriger mit dem Anrufen und geordertem Abtransport.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel, im Waltersdorfe, den 19.6.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Farben &nbsp; Das Leben hat so viele Farben es ist so reich und auch so bunt die Menschen sind oft sehr am argen und denken sich die K\u00f6pfe wund Das Gelb steht da wohl f\u00fcr den Neid und Hoffnung tr\u00e4gt&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/959\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-959","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=959"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/959\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4428,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/959\/revisions\/4428"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}