{"id":946,"date":"2012-06-17T19:10:14","date_gmt":"2012-06-17T17:10:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=946"},"modified":"2024-09-29T15:29:42","modified_gmt":"2024-09-29T13:29:42","slug":"kolumne-kw25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/946","title":{"rendered":"Kolumne KW25"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wir werden 60<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unl\u00e4ngst haben wir den siebzigsten Geburts\u00adtag meiner Schwiegermutter bei uns im Ge\u00addichtladen gefeiert, jetzt ist der erste Klassen\u00adkamerad mit der Sechzig dran. Wenn man ihn fragt, beteuert er immer noch, dass er zu diesem Fest nicht da ist, aber ein Organisa\u00adtions\u00adkomitee arbeitet unverdrossen und ge\u00adstaltet einen kulturellen H\u00f6hepunkt.<br \/>\nJetzt stehen wir vor dem R\u00e4tsel, was da wohl auf die Torte zu schreiben ist, die wir im Auf\u00adtrag haben (alles geplant bis ins Detail). Man k\u00f6nnte es r\u00f6misch halten und LX schreiben. Das w\u00fcrde dann an die DDR Gl\u00fcckwunsch\u00adtele\u00adgramme erinnern, bei denen LX 28 im\u00admer besonders beliebt war, aber wir nie vor\u00adr\u00e4tig hatten. Sechzig Kerzen w\u00e4ren total ver\u00adr\u00e4terisch abz\u00e4hlbar, bliebe also noch eine Re\u00adchenaufgabe (5&#215;12), die heute keiner mehr oh\u00adne Taschenrechner herauskriegt.<!--more--><br \/>\nDa das Organisationskomitee blutjung ist, wird in den Sonntag hineingefeiert, dabei w\u00fcr\u00adden wir Greise uns auch ein Kaffee\u00adkr\u00e4nz\u00adchen auf den Sonntag ganz gut vorstellen k\u00f6nnen, so von 14 bis 18 Uhr und gut. Da h\u00e4tte man auch Mu\u00dfe, die diversen Kultur\u00adbeitr\u00e4ge, die auch minuti\u00f6s geplant sind, mitzukriegen.<br \/>\nImmerhin spielt das Wetter mit und es ist eine spanische  Nacht zu erwarten (die Gl\u00fcck\u00adlichen, die im Juni geboren sind). Dass man sich mit Sechzig unausweichlich im Greisenalter befindet, best\u00e4tigte uns ein erfahrener Altenpfleger, zu dessen Klientel man alsbald geh\u00f6ren k\u00f6nnte. So viel Pfeffer muss in die Wunde gestreut werden.<br \/>\nAndererseits scheint es nicht lange her, dass man noch die Schulbank dr\u00fcckte, woher unsere Freundschaft noch stammt, zu der auch gelegentliche Ausfl\u00fcge in die Hohe Tatra geh\u00f6rten, die nun nicht mehr gewagt, aber besungen werden sollen. Dazu ging ein Auftrag im Gedichtladen ein und es f\u00e4llt nat\u00fcrlich nicht schwer, \u00fcber gemeinsame Erlebnisse zu dichten.<br \/>\nEbenso frisch sind die Erinnerungen an die verschulte Hochschule in Karlshorst, an der man zu Ostzeiten den Au\u00dfenhandel lernen konnte. Dieser war ja zentralisiert und das Verscherbeln der Traktoren und M\u00e4hdrescher war den Betrieben abgenommen.<br \/>\nDann machte die Wende eigenes Unterneh\u00admertum notwendig, wobei sich mein Schul\u00adfreund erst einmal an ein britisches Unter\u00adnehmen hielt und dann auf eigenen F\u00fc\u00dfen stand. Dann gab es einen Bruch, der manch anderen zum M\u00fc\u00dfiggang verurteilt h\u00e4tte, aber er schinderte weiter und ist noch heute mehr in Gesch\u00e4ften unterwegs, als dass er Zeit h\u00e4tte, sich um die anderen Gestrau\u00adchel\u00adten zu k\u00fcmmern und Wunden zu lecken.<\/p>\n<p>\nBig Party ist wohl angesagt<br \/>\ndie Angegrauten staunen<br \/>\nmanch Steak wird da wohl angenagt<br \/>\nund Torten gibt&#8217;s, Kapaunen<br \/>\nDas Herze wird gewiss beschwingt<br \/>\nwenn der Schwager greift zur Klampfe<br \/>\nund wenn die Tochter lieblich singt<br \/>\ndann schweigt selbst das Gemampfe<br \/>\nUnd wer auf Dauer dann verga\u00df<br \/>\nwas Anlass war f\u00fcr das Gewese<br \/>\nwarum er hier die Nacht lang sa\u00df<br \/>\ndem ist man darob auch nicht b\u00f6se<br \/>\nMein Freund, mir bleibst Du immer<br \/>\njung bis ins Blut und teuer<br \/>\ndas feiert sich nicht weg, mein Freund<br \/>\nwie auch bombastisch ward die Feier<br \/>\nWenn alle reden und Du schweigst<br \/>\nwenn Toast auf Toasts sind ausgebracht<br \/>\nund ganz im Stillen mir nur zeigst<br \/>\ndie Sechzig ist nur hausgemacht<br \/>\nLeg auf die Schulter meine Hand<br \/>\ndie Wintersport Dir einst zerst\u00f6rt<br \/>\nblick mit mir ins Poetenland<br \/>\nund sag, blieb da was ungeh\u00f6rt?<\/p>\n<p>\n<em>Im Waltersdorfe 15.6.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir werden 60 &nbsp; Unl\u00e4ngst haben wir den siebzigsten Geburts\u00adtag meiner Schwiegermutter bei uns im Ge\u00addichtladen gefeiert, jetzt ist der erste Klassen\u00adkamerad mit der Sechzig dran. 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