{"id":882,"date":"2012-04-23T19:00:33","date_gmt":"2012-04-23T17:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=882"},"modified":"2024-09-29T15:33:17","modified_gmt":"2024-09-29T13:33:17","slug":"kolumne-kw17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/882","title":{"rendered":"Kolumne KW17"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der Wilhelm Pieck Stadt<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1876 wurde in Guben Wilhelm Pieck, der erste Pr\u00e4sident der DDR,  geboren und das war auch ein Schicksalsjahr f\u00fcr den Ver\u00adkaufs\u00adschlager des wasserfesten Filzhutes der Firma Wilke.<\/p>\n<p>\nHeute tr\u00e4gt den nur noch der umstrittene Gunther von Hagen, der seinen Namen wohl aus der Nibelungensage zusammengeklaubt hat und dessen piet\u00e4tsloses Gewerbe man am besten ignoriert.<!--more--><\/p>\n<p>\nAls wir von der Berliner Stra\u00dfe kommend, in die Frankfurter \u00fcbergehen, sehen wir eine sch\u00f6ne Villa linkerhand mit den Initialen PS und wissen noch nicht, dass auch diese nicht zu knapp zur Stadtgeschichte geh\u00f6ren (&#8222;PS: ich liebe Dich&#8220;?). Dann blickt man auf der rechten Seite an einer kleinen Kirche vorbei auf ein Fabrik\u00adgeb\u00e4ude, das die Hut\u00adfabrik war mit den sch\u00f6n gestal\u00adteten L\u00fcf\u00adtungs\u00ad\u00adhauben der F\u00e4r\u00adberei.<\/p>\n<p>\nDann kommt von links ein Bach mit einem Weg daneben, der den romantischen Namen Poetensteig tr\u00e4gt (warum?). In der Touristinformation erhoffen wir Aufkl\u00e4rung, werden aber mit einer anderen Tochter der Stadt bekannt, die dort etwas crude als Maitresse Goethes verk\u00fcrzt wird. Es handelt sich um Corona Schr\u00f6ter, einer begnadeten Schauspielerin in Weimar, die in Guben be\u00adhei\u00admatet war und in die der Meister sicher verliebt war.<\/p>\n<p>\nIch kann mir den Vornamen nicht richtig merken und verwechsle ihn immer wieder mit Corinna, der ich einiges zu verdanken habe. Nur dass Goethe leider die Corona mehr oder weniger fallen lie\u00df, ihr aber ein wunderbares Verehrungsgedicht widmete, das einen anderen Anlass hatte und sie so selbst in die Lage kam ihr eigenes Loblied perfekt vorzutragen (suchen Sie es!).<br \/>\nCorinna dagegen war ich ein Schreibphan\u00adtom, das sie nicht in ihrem Leben brauche und es ist sehr entspannend, sich vorzu\u00adstellen, wie die Gubener j\u00e4hrlich auf dem selben B\u00e4ch\u00adlein, an dem der Poetensteig entlang\u00adf\u00fchrt j\u00e4hrlich ein Plasteentchen\u00adrennen veran\u00adstal\u00adten.<\/p>\n<p>\nWeiter geht unser Spaziergang durch die R\u00e4tselcity, denn wir betreten alsbald ein Antiquariat, an dessen Namen wir uns nicht erinnern k\u00f6nnen und werden mit dem &#8222;Stadtw\u00e4chter&#8220; Andreas Peter bekannt, der so zur\u00fcckhaltend ist, dass wir nicht einmal wissen, dass wir es soeben mit ihm zu tun haben.<\/p>\n<p>\nMeine Frau hat sofort ein B\u00fcchlein von Elsa Schuder in der Hand, das von der Hutma\u00adcher\u00addynastie handelt und man muss erst selbst nachforschen, dass man es gerade mit dem Inhaber des Niederlausitzer Ver\u00adlages zu tun hat, der es herausbrachte.<\/p>\n<p>\nWir erfahren, dass sich Guben im zweiten Weltkrieg fast so lange wie Berlin gehalten hat und dass auf ebenso r\u00e4tselhafte Weise das Theater, zu dem Hutstiftungsmittel bei\u00adgetragen hatten, alle K\u00e4mpfe \u00fcberdauerte in der ansonsten fast v\u00f6llig zerst\u00f6rten Stadt, es aber dann, schon im Frieden, einer Brand\u00ad\u00adstif\u00adtung zum Opfer fiel, selbst die Steine nach Warschau fortgeschafft wurden und die Stele davor, auf der die B\u00fcste der Coro\u00adna war, zwar heute noch steht, die B\u00fcste aber auf r\u00e4tselhafte Weise verloren\u00adging (\u00fcbrigens ein Sport, der in dieser Region sehr beliebt ist).<\/p>\n<p>\nDie Stadt, die heute nicht mal mehr 20 000 Einwohner hat, birgt sicher Dutzende sol\u00adcher R\u00e4tsel. Wir verstehen, da soll nichts ausgeplaudert werden, sondern selbst ent\u00addeckt, also machen Sie sich mal auf den Weg.<br \/>\nEin kleiner Hinweis sei noch gegeben:<\/p>\n<p>\nIhr Freunde Platz, weicht einen kleinen Schritt!<br \/>\nSeht wer da kommt und festlich n\u00e4her tritt!<br \/>\nSie ist es selbst, die Gute fehlt&#8216; uns sehr;<br \/>\nSind wir erh\u00f6rt? Das hoffen ist viel mehr.<br \/>\nIhr kennt sie wohl; sie ist&#8217;s, die stet gef\u00e4llt;<br \/>\nAls eine Blume zeigt sie sich der Welt:<br \/>\nZum Muster wuchs dies sch\u00f6ne Bild empor,<br \/>\nVollendet nun,\u00a0umschmeichelnd jeden Tor.<br \/>\nEs g\u00f6nnten fast\u00a0die Musen ihr jedwede Gunst,<br \/>\nUnd die Natur erschuf in ihr so manche\u00a0Kunst.<br \/>\nSie h\u00e4ufte freudig jeden Geist auf sich,<br \/>\nUnd selbst Dein Name ziert, Corinna, Dich.<\/p>\n<p>\nSie tritt herbei. Seht sie gef\u00e4llig stehn!<br \/>\nSo\u00a0absichtslos, doch wie in Absicht sch\u00f6n.<br \/>\nUnd hoch erstaunt seht ihr in ihr vereint<br \/>\nEin Ideal, das\u00a0selten\u00a0uns\u00a0erscheint.<\/p>\n<p>\nfrei nach J. W. v. G., adaptiert von LL<\/p>\n<p>\n<em>im Waltersdorfe 22.4.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Wilhelm Pieck Stadt &nbsp; 1876 wurde in Guben Wilhelm Pieck, der erste Pr\u00e4sident der DDR, geboren und das war auch ein Schicksalsjahr f\u00fcr den Ver\u00adkaufs\u00adschlager des wasserfesten Filzhutes der Firma Wilke. 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