{"id":779,"date":"2012-01-22T15:15:08","date_gmt":"2012-01-22T13:15:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=779"},"modified":"2023-12-08T23:01:04","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:04","slug":"kolumne-kw03-kw04","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/779","title":{"rendered":"Kolumne KW03 \/ KW04"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Weltraumfahrstuhl \u2013 ein freundliches Band umschlingt die Erde <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Der Plan klingt verr\u00fcckt, aber die NASA meint es ernst: Sie plant einen Weltraum-Lift. Fehlt nur noch das Seil.&#8220; So titelte die Welt noch vor zwei Jahren und wenn man heute fernsieht, dann kann man schon die ersten Funktionsmuster bewundern.<br \/>\nIch h\u00e4tte das gar nicht bemerkt, aber am Mittwoch kam ein Student zu mir und meinte, ob denn das \u00fcberhaupt geht. Es g\u00e4be doch die Corioliskraft. Dabei macht man sich weniger Gedanken, ob man sich auf ein ca. 100 000 km langes Band verlas\u00adsen sollte, das eigentlich schon unter dem Eigengewicht rei\u00dfen k\u00f6nnte, sondern eben, ob man einer typischen Ente, wie sie t\u00e4glich unsere Feuilletongesellschaft hervorbringt, aufsitzt oder nicht.<!--more--><br \/>\nAndere scheint das gleich gar nicht zu interessieren und eine als seri\u00f6s voraus\u00adzusetzende Quelle, <a href=\"http:\/\/www.drg-gss.org\/typo3\/html\/index.php?id=51\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die deutsche Raum\u00adfahrt\u00adgesellschaft<\/a> witzelt vorsichtshalber ein bisschen herum, weil es doch Humbug sein k\u00f6nnte. Immerhin gibt es das Szenario, dass das Band von einem Werk auf der geostation\u00e4ren Bahn (ungef\u00e4hr 36 000 km \u00fcber Meeresspiegel) herabgelassen werden soll. Man stelle sich vor, dass 1 kg in den Weltraum zu bef\u00f6rdern ungef\u00e4hr 15 000 Dollar kostet, das Seil allein aber ca. 200 000 Tonnen wiegt. Allein daf\u00fcr m\u00fcsste man doch dann schon 3 Billionen Dollar berappen.  Da k\u00f6nnte man dann freilich 10 Jahre lang keine Kriege mehr f\u00fchren, wollte man das Geld zusammensparen. Immerhin eine erfreuliche Aussicht.<br \/>\nKostenm\u00e4\u00dfig winkt man aber mit schlappen 25 Mrd. Dollar. Hat man nat\u00fcrlich einmal einen Fahrstuhl gebaut, k\u00f6nnte man unent\u00adwegt neues Bandmaterial herauf\u00adschaffen, wenn denn der Fahrstuhl nur funktionieren w\u00fcrde.<br \/>\nAber die Kosten sollen es gar nicht unbe\u00addingt sein, denn jeder wei\u00df, dass die gew\u00f6hnlichen Kriege schon teurer sind<br \/>\nViel deprimierender ist, dass in einem Land, in dem Kepler einmal geboren wur\u00adde, man ihn auch schon fast vergessen hat. Physikboards, die sich vorsichtig \u00fcber das Projekt austauschen, orakeln zwar noch ein bisschen: &#8222;Denk an Keppler&#8220;, wo\u00adbei man schon nicht mehr so genau wei\u00df, wie sich der denn schrieb, aber Anfassba\u00adres kann man in der Feuilletongesellschaft auch von ihnen nicht mehr erwarten.<br \/>\nDabei kann man schon mit dem verschrienen Hausfrauenprogram Excel  mal die Probe aufs Exempel machen. Man positioniere eine Han\u00adtel, deren Massenabstand die Schwerpunkte der beiden Seilenden symbolisieren genau senkrecht \u00fcber der Erde mit den erforder\u00adlichen Geschwindigkeiten. Das w\u00e4re ein ein\u00adfaches Modell des Bauwerkes kurz vor der Fertigstellung und vor Verankerung auf der Erde. Nicht einen Tag \u00fcberlebt diese Konstel\u00adlation, das \u00c4u\u00dferste kehrt sich nach innen, das Ge\u00adgen\u00adgewicht schl\u00e4gt mit betr\u00e4chtlicher Ge\u00adschwindigkeit auf der Erde ein und wir h\u00e4tten mal wieder nicht mehr gekonnt, als eine kleine Umweltkatastrophe zu produzieren.<br \/>\nDieses grobe Modell besagt nat\u00fcrlich noch nicht allzu viel, aber auch ein kontinuierliches Band h\u00e4tte eben eine ung\u00fcnstige energetische Bilanz.  Im aufgerichteten Zustand hat es eine Energie, die etwa 1 Petajoule h\u00f6her ist gegen\u00fcber der wahrscheinlicheren Lage des Bandes ringf\u00f6rmig um die Erde. Nun sind wir es hier auf der Erde gewohnt, dass K\u00f6rper den Zustand niedrigster potenzieller Energie annehmen, wie ein herunterfallender Stein leicht beweist. Bei den Keplerschen K\u00f6rpern ist das allerdings nicht so. Die Energie schwankt einfach zwischen kinetischer und potenzieller und die Summe bleibt konstant. Die Himmelsk\u00f6rper fallen also nicht einfach herunter indem sie sich der Erde immer weiter ann\u00e4hern, sondern entfernen sich auch wieder. Aber das gilt eben nur so lange, wie sie als einfache Punkte zu betrach\u00adten sind.<br \/>\nWir m\u00fcssen wohl zugeben, dass wir auch we\u00adnig Erfahrung mit dieser neuen Situation ha\u00adben, dass ein K\u00f6rper, und ein elastischer dazu, kosmische Dimensionen hat. Mit unseren be\u00adscheidenen Mitteln eines Rechners, der jeder Hausfrau zur Verf\u00fcgung steht, k\u00f6nnen wir im\u00admerhin feststellen, dass eine erhebliche Span\u00adnung auf dem Himmelsseil zu verzeichnen ist (sonst k\u00f6nnte es ja auch beliebig d\u00fcnn sein). Das Seil ist nat\u00fcrlich bestrebt, einem solchen Zug auszuweichen, was einfach dadurch bewerkstelligt werden kann, wenn es zum Beispiel einfach auf der geostation\u00e4ren Bahn bleibt und dort mit unserer gedachten Fabrik im gem\u00fctlichen Zustand der Schwerelosigkeit um die Erde kreist.<\/p>\n<p>\n<strong>Statt zehn Jahre Kriege,<br \/>\nein Band um die Welt.<br \/>\nWenn ich nicht ganz schief liege,<br \/>\nhat`s die NASA genau darauf abgestellt.<br \/>\nDie Feuilletonisten hierzulande, sind bei weitem zu schlau,<br \/>\nsie preisen ein Bauwerk, den gewaltigsten Bau.<\/p>\n<p>\nDoch wir bleiben beim kleinen,<br \/>\nbescheid&#8217;nen Verstand,<br \/>\nund preisen ganz heimlich<br \/>\ndas friedliche Band.<\/strong><\/p>\n<p>\n<em> Im Waltersdorfe 20.1.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weltraumfahrstuhl \u2013 ein freundliches Band umschlingt die Erde &nbsp; &#8222;Der Plan klingt verr\u00fcckt, aber die NASA meint es ernst: Sie plant einen Weltraum-Lift. 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