{"id":773,"date":"2012-01-08T23:02:09","date_gmt":"2012-01-08T21:02:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=773"},"modified":"2023-12-08T23:01:04","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:04","slug":"kolumne-kw02","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/773","title":{"rendered":"Kolumne KW02"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwischen den Jahren<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man bildet sich immer ein, dass man in einer freien Zeit als freies Wesen so richtig viel schaffen kann. Eine solche Zeit ist sicher die eine Woche zwischen den Jahren. Da k\u00f6nnte ich doch wieder ein paar Physikvorlesungen schreiben, denkt das freie Wesen, das nun mal nicht verpflichtet ist, sie auch gleich am n\u00e4chsten Tag zu halten, sondern erst eine Woche sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>\nDa ich gerne denke, bin ich eher f\u00fcr wenige Experimente und die dann eben richtig bis zum Ende durchdacht. Andere sch\u00fctten ein ganzes F\u00fcllhorn von Aufgaben \u00fcber die Studenten aus. Es ist ja klar, dass in den vielen Jahrzehnten, seitdem es modernen Unterricht gibt, sich auch eine Vielzahl von Beispielen angesammelt hat. Ein gelungener Dressurakt ist wohl, wenn der Student dieses Potpourri dann willig zwischen die Z\u00e4hne nimmt, alles fachgerecht zerkaut und die L\u00f6sungen wieder ausspuckt. <\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWenn Du ein Schiff bauen willst, sagt Antoine de Saint Exupery, so trommle nicht M\u00e4nner zusammen um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer. Das ist auch das Ideal, das einem bei den Studenten vorschwebt. Wie viele wirken nicht daran mit, dass es zu gar keinen anderen Tr\u00e4umen mehr kommt, als zu Angsttr\u00e4umen, dass man nicht bestehen k\u00f6nnte. Wozu aber will man bestehen? Um keiner minderwertigen und schlechtbezahlten Arbeit nachgehen zu m\u00fcssen. <\/p>\n<p>\nW\u00fcrde nun jede Arbeit gleich bezahlt, w\u00fcrde viel an Fehlmotivation verschwinden, aber Leute, die auf wilde Triebkr\u00e4fte setzen und an ein unsichtbares H\u00e4ndchen glauben, w\u00fcrden den Untergang f\u00fcr programmiert halten. <\/p>\n<p>\nDer Charme der Sache, in diesem Fall der Physik, ist es sicher auch nicht, der fasziniert. Ingenieure, die an der HTW in Berlin ausgebildet werden, sollen Formeln kennen, Zahlen einsetzen k\u00f6nnen und sich \u00fcber das Wesen der Dinge keine unn\u00f6tigen Gedanken machen. Aber gibt es denn nicht auch Ingenieure, die sch\u00f6ngeistige B\u00fccher lesen, die in Konzerte gehen und durchaus zwischen Unwesentlichem und Wesentlichen unterscheiden k\u00f6nnen? <\/p>\n<p>\nMeine fast sechzigj\u00e4hrige Lebenserfahrung sagt mir, dass man auf das Wecken von Tr\u00e4umen wenig hoffen kann und es doch keine andere Hoffnung gibt. Das Tr\u00e4umen steht auch nicht hoch im Kurs  und wer noch tr\u00e4umt, wird sich h\u00fcten, das mitzuteilen. <\/p>\n<p>Das Meer sei endlos, sagen Sie?<br \/>\nda scheint es besser, man bleibt hie.<br \/>\nBekanntschaft mit den Ungeheuern,<br \/>\nzuletzt zerrissen von den Geiern,<br \/>\ndas k\u00f6nnen Sie gern praktizieren,<br \/>\nich will mein Leben nicht verlieren.<\/p>\n<p>Sie fragen, was der Welt ich will,<br \/>\nim Trocknen sitzen in der Still,<br \/>\ndurch Geld und Gut durch alle Sorgen!<br \/>\nIhr Schiff, mein Herr, das baun wir morgen.<\/p>\n<p>So liegt es lange schon auf Kiel,<br \/>\nder Meister hofft, er hofft zu viel.<br \/>\nNun meint er gar, der Sch\u00fcler f\u00e4nde<br \/>\nzu lesen besser und f\u00fcllt B\u00e4nde.<\/p>\n<p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie schafft man es, dass Studenten ihre Hausaufgaben machen? Vielleicht hilft diese Glosse? <\/p>\n<p><p>&nbsp;<\/p>\n<p><em> Im Waltersdorfe 8.1.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen den Jahren &nbsp; Man bildet sich immer ein, dass man in einer freien Zeit als freies Wesen so richtig viel schaffen kann. Eine solche Zeit ist sicher die eine Woche zwischen den Jahren. 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