{"id":762,"date":"2012-01-02T00:10:30","date_gmt":"2012-01-01T22:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=762"},"modified":"2023-12-08T23:01:04","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:04","slug":"ratselspas-mit-deutschen-dichtern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/762","title":{"rendered":"R\u00e4tselspa\u00df mit deutschen Dichtern"},"content":{"rendered":"<p>Hansen, Walter (Herausgeber)<br \/>\nDez. 2011<br \/>\nISBN10: 3423140615<br \/>\nVerlag: dtv<\/p>\n<p><Strong>Rezension<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ratlos vor dem Scharfsinn einer vergangenen Epoche<\/strong><br \/>\n\u00a0<br \/>\n<em>ein Vogel federlos<\/em><\/p>\n<p>Wer zum Teufel denkt bei einem Vogel federlos an eine Schneeflocke, die einer Jungfer mundlos zum Opfer fallen soll, die dann wohl unser Zentralgestirn ist. Ohne die letzten vier Seiten, die die L\u00f6sungsworte enthalten, w\u00e4re man rettungslos verloren, man bek\u00e4me h\u00f6chstens eine Handvoll der R\u00e4tsel heraus. Zu Goethes und Schillers Zeiten muss das eine Manie gewesen sein, die da schon einige J\u00e4hrchen auf dem Buckel hatte, dann aber abflaute. Dem Herausgeber zufolge lag das an einer Verflachung der R\u00e4tsel. Heute l\u00e4ge das daran, dass man gar nicht mehr so vertraut ist mit den Wortbedeutungen und schon gar nicht mit deren Umschreibungen.<!--more--><br \/>\n\u00a0<br \/>\n<em>das Arsenal<\/em><br \/>\n\u00a0<br \/>\nEine ganze Kultur hatte sich da entwickelt, die fast schon eine Wissenschaft war. Dass eine <em>Scharade<\/em> ein Silbenr\u00e4tsel ist, wo man als die eine zum Beispiel &#8222;viel&#8220; err\u00e4t und als zweite &#8222;leicht&#8220; und das Ganze dann &#8222;vielleicht&#8220; ist, das wird man eventuell noch wissen, auch das Vor-R\u00fcckw\u00e4rts-Buchstabieren hat man schon mal geh\u00f6rt, dass dies ein <em>Palindrom<\/em> sei, aber sp\u00e4testens beim <em>Logogriph<\/em>, dem Ersetzen einzelner Buchstaben und beim <em>Anagramm<\/em>, dem Umstellen der Reihenfolge der Buchstaben, muss man passen. Dabei enth\u00e4lt das Buch auch einige der Volksr\u00e4tsel, wie das mit den sieben H\u00e4uten, aber die meisten sind Kunstprodukte und eben viel weniger eing\u00e4ngig.<\/p>\n<p><em>ein Beispiel<\/em><br \/>\n\u00a0<br \/>\nEs stellt als Frucht das erste Paar,<br \/>\nals Pflanze sich das andre dar.<br \/>\nDoch wenn ihr beide wollt verbinden,<br \/>\nso wird alsbald ein Tier sich finden.<\/p>\n<p>Entweder kennt man`s oder man ist verloren. Bei Frucht denkt man an Ananas, bei Pflanze an Begonie, aber welches Tier sich in der Ananasbegonie finden soll, will einem nicht einfallen. So wird die Sache wohl vor sich gegangen sein: Man erfuhr die L\u00f6sung und hat das Gedicht unter diesem Aspekt noch einmal gelesen und dann endlich verstanden, was es meinte. Versuchen Sie das mal mit <em>Apfelschimmel<\/em>, dann geht einem der Seifensieder auf.<\/p>\n<p><em>das gro\u00dfe Thema Turandot<\/em><\/p>\n<p>Schiller hatte nicht nur die blanken L\u00f6sungsworte parat, sondern dichtete die Antwort mit zus\u00e4tzlichem Spannungsbogen. Turandot, die Tochter eines sagenhaften chinesischen Kaisers, soll jeden enthaupten lassen haben, der die Absicht hatte, sie zu freien und ihre R\u00e4tsel nicht l\u00f6sen konnte. Als es dann doch einer schaffte, wurde es erst so richtig dramatisch. Dass das Leben an der eigenen Geistesgegenwart h\u00e4ngen k\u00f6nnte, ist f\u00fcr Intellektuelle ein unsagbarer Reiz. F\u00fcr uns Sterbliche reicht es schon, sich an den L\u00f6sungen zu freuen und an der kunstvollen Wortwahl. Von Schillers Turandot-R\u00e4tseln sind ein paar L\u00f6sungen verlorengegangen. Daran k\u00f6nnte man sich dann wirklich \u00fcben (Antwort in Versform, versteht sich).<\/p>\n<p>\u00a0<br \/>\n<em>Fazit<\/em><br \/>\n\u00a0<br \/>\nWer wissen m\u00f6chte, wie unterbelichtet er ist, ignoriere die letzten vier Seiten. Ansonsten ist es echte Arbeit und br\u00e4uchte wohl ein halbes Leben verzweifelten Nachgr\u00fcbelns, aber die Lesefreude, wie man fr\u00fcher die Sachen verpackt hat, \u00fcberwiegt.<\/p>\n<p><em> Christian Rempel 25.12.2011<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hansen, Walter (Herausgeber) Dez. 2011 ISBN10: 3423140615 Verlag: dtv Rezension Ratlos vor dem Scharfsinn einer vergangenen Epoche \u00a0 ein Vogel federlos Wer zum Teufel denkt bei einem Vogel federlos an eine Schneeflocke, die einer Jungfer mundlos zum Opfer fallen soll,&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/762\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-762","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=762"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4455,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762\/revisions\/4455"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}