{"id":5257,"date":"2026-06-28T18:16:05","date_gmt":"2026-06-28T16:16:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=5257"},"modified":"2026-06-28T19:15:26","modified_gmt":"2026-06-28T17:15:26","slug":"epikur-demokrit-und-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5257","title":{"rendered":"Epikur, Demokrit und Marx"},"content":{"rendered":"<p><strong>Epikur, Demokrit und Marx<\/strong><\/p>\n<p>Karl Marx \u00fcber die Deklination der Atome:<\/p>\n<p>\u201eWenn das Atom im freien Fall von der geraden Linie abweicht, so muss man sagen, dass es von sich aus abweicht. Diese Deklination ist also Selbstbeziehung, Seele des Atoms. [\u2026] Das Atom ist also vom Zwang befreit, es ist selbstbewusst.\u201c<\/p>\n<p>Kap 2 Paragraph 2 Diss 1841<\/p>\n<p>Epikur \u2013 der gr\u00f6\u00dfte griechische Aufkl\u00e4rer<\/p>\n<p>Diese \u00dcberschrift stammt von Karl Marx (1818-1883), also wird sie wohl richtig sein. Er hatte als Zweiundzwanzigj\u00e4hriger seine Dissertation also nicht der Philosophie oder der \u00d6konomie gewidmet, sondern der Physik, n\u00e4mlich der Atomtheorie und der Kosmologie des Epikur (341-270 v.u.Z.), eines griechischen Philosophen und, wie ich meine, Metaphysikers. Das war 1840 in Jena. <\/p>\n<p>Was zog Marx an diesem Griechen so an, dass er jahrelang Quellen w\u00e4lzte, verglich und sogar versuchte, diesen seltsamen Epikur gegen dessen Vorl\u00e4ufer Demokrit (460-371 v.u.Z.) abzugrenzen und zu verteidigen? Das war doch sicher nicht die Genussideologie, die nach Epikurs Tod, den jener mit einem warmen Bade und mit unverd\u00fcnntem Wein feierte, bei den R\u00f6mern noch 700 Jahre verbreitet gewesen war. Epikurs Gleichmut kommt in den Worten zum Ausdruck: \u201eDenn nichts ist im Leben f\u00fcr den Menschen furchtbar, der wahrhaft begriffen hat, dass im Nichtleben nichts Furchtbares liegt.\u201c Nachdem dann das Christentum in Rom gesiegt hatte und Askese und Bu\u00dfe auf der Tagesordnung standen, wurde Epikur mit dem Antichristen gleichgesetzt, also der Verk\u00f6rperung des B\u00f6sen, dessen Erscheinen das Ende der Welt ank\u00fcndigen sollte. Dankt Marx doch in seinem Geleitwort zun\u00e4chst einem v\u00e4terlichen Freunde f\u00fcr dessen \u201esonnenhellen Idealismus\u201c, so bleibt er in der Folge auch den eigenen nicht schuldig. Demokrit h\u00e4tte nur die materielle Seite der Atomtheorie geliefert, w\u00e4hrend Epikur daraus eine Wissenschaft gemacht h\u00e4tte. Zu jener Zeit war die Religion f\u00fcr Marx noch nicht das \u201eOpium f\u00fcr`s Volk\u201c, aber er lie\u00df bereits an den Mythen nichts mystisches mehr, genau wie Epikur, der sehr gegen Mythen war, was sicher damit zu tun hatte, dass man in der damalige Schule \u00fcber Geb\u00fchr mit solchen Dingen traktiert wurde, w\u00e4hrend doch viel wichtigere Probleme im Leben anstanden, die mit der blo\u00dfen materiellen Existenz zu tun hatten. <\/p>\n<p>Schwer nur kann er Epikur vom eigentlichen Erfinder der Atomtheorie Demokrit, oder war es Leukip?, abgrenzen, denn noch Leibnitz hatte gemeint, Epikur sei kaum in der Lage gewesen Demokrit auch nur geschickt zu exzerpieren. Cicero (106-43 v.u.Z.), der ber\u00fchmte r\u00f6mische Redner, Politiker und Schriftsteller, meinte sogar von ihm: \u201eIn der Physik, in der Epikur am meisten prahlt, ist er ein vollkommener Fremdling. Das meiste geh\u00f6rt dem Demokrit; wo er von ihm abweicht, wo er verbessern will, da verdirbt und verschlechtert er.\u201c Demokrit freilich hatte einen grausamen Tod, verzweifelte an seinem ins Enzyklop\u00e4dische gesteigerten Wissen und blendete sich selbst. Doch ein so junger Mann wie Marx wird wohl kaum schon an den Tod denken, auch wenn er diese Fakten immerhin selbst erw\u00e4hnt. W\u00e4hrend Demokrit durch die halbe Welt gereist war, um sein Wissen zu vervollkommnen, verbrachte Epikur seine Zeit in einem Garten im Kreise von Freunden, ohne sich um die Welt der Gesellschaft zu scheren. <\/p>\n<p>\u00dcbrigens lebte er gar nicht in Saus und Braus, sondern eher wie in einer kl\u00f6sterlichen Gemeinschaft, wo fast aller Besitz aufgegeben wurde und man von den Ertr\u00e4gnissen des Gartens zehrte.<br \/>\nEpikur war also popul\u00e4r in der geschichtlichen Auswirkung, auch heute gibt es noch Epikureer, was allerdings zumeist auf einem gr\u00fcndlichen Missverst\u00e4ndnis beruht, denn dieser hatte entdeckt, \u201edass einfache Speisen die gleiche Lust erzeugen wie ein kostspieliges Mahl, wenn das schmerzende Gef\u00fchl der Entbehrung beseitigt ist.\u201c Daran konnte Marx sich nicht h\u00e4ngen, wohl auch nicht an dessen Ausspruch: \u201eAuf die Lust gehen wir zur\u00fcck, indem wir jedes Gut nach der Empfindung als Ma\u00dfstab beurteilen.\u201c  Aber es handelte sich doch um eine Dissertation von Marx. Er schreibt nicht, wie er hingelangte, und wir k\u00f6nnen auch gerade keinen Biographen fragen. So bleibt nichts weiter, als unseren eigenen Zugang ebenfalls zu verschweigen, der dann allerdings zu einer anderen \u00dcberschrift f\u00fchrte:<\/p>\n<p>Epikur \u2013 der gr\u00f6\u00dfte griechische Metaphysiker<\/p>\n<p>Wir wollen auch Marx noch rasch einen Orden verleihen, den Orden f\u00fcr Metaphysik. Er ist aus Pappe mit Schokoladenpapier umh\u00fcllt und wird von M\u00e4nnern verliehen, die noch ein bisschen Kind geblieben sind. Diesen hat er sich immerhin mit seiner Dissertation verdient, denn f\u00fcr die Atomtheorie gab es zu jener Zeit kaum Beweise, au\u00dfer vielleicht in der Chemie, wo man schon bestimmte Massenverh\u00e4ltnisse bei Reaktionen festgestellt hatte. In der Physik waren sie noch jenseits des Erfahrbaren, also noch im Reich der Metaphysik. Von der Richtigkeit solcher metaphysischer Aussagen kann man f\u00fcr den Fall, dass sich der Erkenntnishorizont ausdehnt, immerhin postum sagen, wie zutreffend sie waren. Heute wissen wir \u2013 \u201eMarx hat immer recht\u201c ist abgewandelt in: \u201eDas war halt nur so eine Idee von mir.\u201c <\/p>\n<p>Aber es geht ja um die Griechen, im Laufe der Geschichte gab es dann noch viele gute Metaphysiker, aber bei den Griechen, wo das Wissen noch gering war und man viel mehr spekulieren musste, geh\u00f6rte schon ein sch\u00f6nes St\u00fcck Gl\u00fcck dazu, sp\u00e4ter auch noch richtig zu liegen. Zun\u00e4chst sollte man als Metaphysiker die richtige innere Einstellung haben, einiges wissen, und dann kann es schon losgehen: \u201eIch behaupte, dass das, &#8230; was Frohsinn, begleitet von heiterer Ausgeglichenheit der Seele schafft, nicht die Theater sind und die B\u00e4der &#8230; und Salben, sondern das Studium der Natur.\u201c Jeder, der mindestens einen Blumentopf oder sogar ein Haustier hat, wird das beurteilen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Also dann endlich los mit der Metaphysik:<br \/>\nDer heute beliebteste Zweig der Physik ist die Kosmologie mit den r\u00e4tselhaften schwarzen L\u00f6chern, der dunklen Energie und der dunklen Materie. Auch die Suche nach dem Schluckauf, dem Higgs Boson, zieht immer viele Leser in den Bann. Der Erfinder und gemeinhin als gr\u00f6\u00dfter Metaphysiker jener Zeit angesehene, ist wohl Aristoteles (384-322 v.u.Z.), der sp\u00e4ter durch die Kirche zum absoluten Ma\u00dfstab stilisiert wurde, dass es zu der Erscheinung des 1200 Jahre w\u00e4hrenden Zustands des kollektiven Wahnsinns der Menschheit kommen konnte, wie Haeckel vor etwa hundert Jahren festgestellt hat. Der Takt verbietet, alle physikalischen B\u00f6cke aufzuz\u00e4hlen, die Aristoteles geschossen hat, denn seine Leistung war zweifellos einmalig. Immerhin hatte er schon die Auffassung angeprangert, dass das Himmelsgew\u00f6lbe der St\u00fctze des Atlas bedarf. Epikur, nun aber sch\u00e4rfer, tadelt die, die glauben, der Mensch bed\u00fcrfe des Himmels \u2013 und den Atlas, der den Himmel st\u00fctzt, findet er in der menschlichen Dummheit und Aberglauben. Auch Dummheit und Aberglauben sind Titanen. Aber der Himmel steht mit seiner Ewigkeit und G\u00f6ttlichkeit dem verg\u00e4nglichen Leben auf der Erde entgegen. Da wagt Epikur die phantastische Behauptung, der Himmel sei gar nicht ewig, die zweifellos metaphysisch ist, denn fast nichts wies darauf hin. Als Beweis hatte er nur Meteore, die offenbar als Sternschnuppen zuweilen vergl\u00fchen (Meteorite) und die Astrologen in \u201eeitle Erkl\u00e4rerei und sklavische Kunstst\u00fccke\u201c der Deutungskunst verstrickten. Vielleicht wollte er damit nur den Aberglauben vernichten, aber heute wissen wir, dass Sterne sterben k\u00f6nnen, wenn das auch Milliarden Jahre dauert, und dass unsere liebe Sonne sicher schon einmal, vielleicht sogar zweimal, explodierte. Dass sie auch jetzt nur noch ca. 5 Milliarden Jahre zu leben hat, soll, wenn es nach den modernen Sensationskosmologen geht, uns recht einen Schauer \u00fcber den R\u00fccken treiben. Umso erstaunlicher ist, wie Epikur seine gewagte Hypothese begr\u00fcndet: \u201eWeil die Ewigkeit der Himmelsk\u00f6rper den Gleichmut des Selbstbewusstseins st\u00f6ren w\u00fcrde, ist es eine notwendige, stringente Konsequenz, dass sie nicht ewig sind.\u201c <\/p>\n<p>Ist das nicht ein tolles Argument? Vor allem, wenn man recht hat, nat\u00fcrlich. Es geht darum, dass wir uns auf der Welt wohlf\u00fchlen sollen, und derart sollten unsere Hypothesen von dem sein, was wir nicht wissen oder sogar nicht wissen k\u00f6nnen. Danke f\u00fcr diese Nachricht. Die Frage allerdings, warum das den Gleichmut unserer Seele st\u00f6ren w\u00fcrde, muss man selbst beantworten, wenn man Marx` Dissertation partout nicht lesen will. Ich m\u00f6chte nur meine Gedanken dazu andeuten: <\/p>\n<p>Die Annahme von etwas Ewigem steht in einem idealisierenden Gegensatz zum Lebendigen, das uns umgibt, entsteht und vergeht, was zun\u00e4chst nicht weiter schlimm ist, denn jeder Mensch braucht geradezu Ideale. So beeindruckend das Himmelsgew\u00f6lbe ist, das in sternklarer Nacht jeder \u00fcberschauen kann, der Augen hat zu sehen, legt es etwas nahe, diesem Idealen zuzuordnen, das so gewaltig und \u00fcberm\u00e4chtig ist, dass es schon Unruhe erzeugen kann. Der Irrtum ist so gewaltig wie dieses riesige Spielwerk selbst, denn die Crux k\u00f6nnte genauso gut im ganz Kleinen liegen. Und ein Irrtum dieser Dimension nimmt uns die Seelenruhe. Auch wissen wir heute, der Sternenhimmel taugte nicht zum Pr\u00fcfstein der Metaphysik. Er wurde und ist noch heute der Pr\u00fcfstein von Teilgebieten der Physik. Aber die Physik besch\u00e4ftigt sich auch mit den ganz kleinen Dingen, und so ging auch Epikur vor, der nicht zweifelte, dass die Welt aus Atomen sich einmal zusammengesetzt haben m\u00fcsse. Er griff die Hypothese von Demokrit \u00fcber die Atome auf, von denen damals gar nichts zu erfahren war, aber man konnte sich die Entstehung der Welt denken, eine Genesis denken.<br \/>\nWie stellen wir uns also die Entstehung der Welt vor, wenn es nicht Gott war, der sie schuf?: <\/p>\n<p>\u201eRegenstrichen gleich st\u00fcrzen die Atome mit ihrem Eigengewicht durch den leeren Raum, konstant in Richtung und Bewegung &#8230;\u201c Stopp, soweit sind sich Epikur und Demokrit also noch einig, bis auf die Masse der kleinen Atome vielleicht, die Demokrit gar nicht wollte und Epikur dann evtl. nur den Aggregaten aus mehreren (Molek\u00fclen) zuschrieb. Aber es geht um die Sache, nicht um Priorit\u00e4ten, also fahren wir fort:<\/p>\n<p>\u201e&#8230; konstant in Richtung und Bewegung, denn im absolut leeren Raum st\u00fcrzen alle K\u00f6rper, gleich wie schwer, mit der selben Fallgeschwindigkeit &#8230;\u201c Stopp, hier geht Epikur sogar \u00fcber den viel ber\u00fchmteren, gemeinhin als Begr\u00fcnder der Metaphysik geltenden Aristoteles hinaus, der meinte, das schwerere K\u00f6rper schneller fallen, was man dann bis Galilei geglaubt hat. Also einen Punkt an Epikur. Wir lassen ihn fortfahren: <\/p>\n<p>\u201e&#8230; mit der selben Fallgeschwindigkeit, anders als in Luft oder Wasser, worin unterschiedlich schwere K\u00f6rper im Fallen unterschiedliche Widerst\u00e4nde zu \u00fcberwinden haben, wodurch es zu den unterschiedlichen Fallgeschwindigkeiten kommt. Und so st\u00fcrzten die Atome von Ewigkeit her auf getrennten Bahnen durch den leeren Raum, der unendlich ist; niemals hat ein schweres Atom ein leichtes einholen k\u00f6nnen, um sich mit ihm zu einem neuen zu vereinen, nie ein leichtes zu einem leichten, ein schweres sich zu einem schweren gesellt. Himmel und Erde, Menschen, Tiere und Pflanzen sind nicht geworden. Nichts ist geworden, nicht der Zufall gestalthaltiger atomarer Ber\u00fchrungen und nicht die Notwendigkeit kosmischer Materiewirbel durch Teilchenh\u00e4ufung, damit aus ewigem Stoff verg\u00e4ngliches Leben werden konnte, das in die unverg\u00e4ngliche Materie zur\u00fcckkehrt &#8230;\u201c Stopp, wir verstehen nicht mehr richtig. Materiewirbel? Was ist denn das? Das war eben so eine Idee von Demokrit, in dem man etwas annimmt wie einen Taifun, der durch dieses Kollektiv von Atomen weht. Aber wir haben ja nur die Atome und die Leere, da fragt sich dann, woraus so ein Taifun bestehen sollte. Einen weiteren Punkt f\u00fcr Epikur und leider einen Minuspunkt f\u00fcr Demokrit. <\/p>\n<p>Folgerichtig kehrte da Epikur zu den Regenstrichen zur\u00fcck und verwarf die Materiewirbel. Aber kann denn die Bildung von Molek\u00fclen nicht auch einfach Zufall sein? Wir haben unser gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zum Zufall schon an anderer Stelle dargelegt, aber um dort nicht suchen zu m\u00fcssen, greifen wir jetzt auf Demokrit zur\u00fcck, dass der Zufall in Wahrheit eine Ursache sei, die dem menschlichen Begreifen nur unzug\u00e4nglich ist, es also einen Zufall nicht gibt. Punkt f\u00fcr Demokrit. Jetzt kommt die gro\u00dfe Idee von Epikur, dass die atomaren Zusammenst\u00f6\u00dfe im All:<\/p>\n<p>\u201e&#8230;und damit das Werden von Welt und Natur auf den freien Willen der Atome zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.\u201c &#8230;uns klappt die Kinnlade herunter. Spinnt der? Ja selbst unsere eigene Willensfreiheit, die uns immer noch ein R\u00e4tsel ist, lie\u00dfe sich so erkl\u00e4ren. Aber wir wollen es lieber nicht wahrhaben, diese Deklination der Atome, d.h. die willk\u00fcrliche Abweichung vom senkrechten Fall. Cicero: \u201eEine Deklination der Atome, ohne Ursache, etwas Schm\u00e4hlicheres kann einem Physiker nicht passieren!\u201c \u201eAber wir wollen ihn doch gerade zum gr\u00f6\u00dften Metaphysiker unter den Griechen k\u00fcren, also das z\u00e4hlt erst mal nicht\u201c, geben wir mutig zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Durch eine angenommene Seele des Atoms sei eigentlich nur ein Wort gewonnen, h\u00e4lt man nun auch Marx entgegen, der sich mutig dieser These Epikurs anschloss, auch wenn er sie in einem Wust von philosophischem Gew\u00e4sch untergehen lie\u00df: \u201eSo ist das Gute die Flucht vor dem Schlechten, so die Lust das Ausbeugen vor der Pein. Endlich wo die abstrakte Einzelheit in ihrer h\u00f6chsten Freiheit und Selbst\u00e4ndigkeit, in ihrer Totalit\u00e4t erscheint &#8230;\u201c. Stopp, das ist uns zu ungenau, wenn auch etwas poetisch, wir lassen ihn noch sagen: \u201eDie epikurische Deklination des Atoms hat also die ganze innere Konstruktion des Reichs der Atome ver\u00e4ndert&#8230;\u201c <\/p>\n<p>Jetzt drehen wir den Hahn ab, denn es ist dann pl\u00f6tzlich die Rede von Repulsion, also Absto\u00dfung, und die haben wir ja nun wirklich erst seit ein paar Jahrzehnten entdeckt. Herr Marx, halten Sie sich aus unserer Physik raus und designen Sie Revolutionen, meinetwegen. Irgendwie hat er das verstanden und schreibt nichts mehr davon. <\/p>\n<p>Wir lehnen uns zur\u00fcck und freuen uns unserer Freiheit. Dass auch die Seelenatome diese indeterministische Freiheit besitzen k\u00f6nnten, legen wir zu unserer Sammlung von absurden Hypothesen. Das soll eine naturphilosophische Begr\u00fcndung sein, pah &#8230;!<\/p>\n<p>Aber das ist noch nicht alles. Die Rede ist auch von den Formen, von der Gestalt der Atome. An dieser Frage wird der Metaphysiker zum Prophet. Hatte Demokrit noch unendlich viele Formen angenommen, so schlie\u00dft Epikur philosophisch, also f\u00fcr uns nicht ganz nachvollziehbar, dass es nicht so viele verschiedene Figuren der Atome gibt, und er hatte auch damit recht, denn es gibt nicht so viele unterschiedliche Elemente. Punkt f\u00fcr Epikur. Damit steht es 3:1 f\u00fcr ihn. Dass er die Unterschiede in der Gestalt der Atome f\u00fcr unbestimmbar h\u00e4lt, m\u00fcssen wir bei der eigenen Unsicherheit in dieser Frage wohl oder \u00fcbel hinnehmen. <\/p>\n<p>Diese letzten S\u00e4tze wurden nur nachgestellt, um Sie die vorigen Gedanken wieder vergessen zu lassen, denn es ist uns in jedem Fall an Ihrer Seelenruhe gelegen. St\u00f6ren wird diese auch nicht, wenn man wei\u00df, dass Epikur das Atom aus weiteren Bestandteilen zusammengesetzt dachte, wir brauchen das nicht mehr zu denken, denn wir wissen es.<\/p>\n<p>CER 2005<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epikur, Demokrit und Marx Karl Marx \u00fcber die Deklination der Atome: \u201eWenn das Atom im freien Fall von der geraden Linie abweicht, so muss man sagen, dass es von sich aus abweicht. Diese Deklination ist also Selbstbeziehung, Seele des Atoms&#8230;.<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5257\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5257","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5257"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5262,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5257\/revisions\/5262"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}