{"id":5250,"date":"2026-06-14T21:25:55","date_gmt":"2026-06-14T19:25:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=5250"},"modified":"2026-06-14T21:10:47","modified_gmt":"2026-06-14T19:10:47","slug":"der-koenig-selig-ein-fragment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5250","title":{"rendered":"Der K\u00f6nig selig &#8211; ein Fragment"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der K\u00f6nig selig &#8211; ein Fragment<\/strong><\/p>\n<p>Es war einmal ein alter K\u00f6nig, der hatte sechs S\u00f6hne, eigentlich sieben, aber den siebten konnte keiner in Erfahrung bringen. Also seine sechs S\u00f6hne hatten je schon ihre eigenen K\u00f6nigreiche, die zwar noch nicht alle bezahlt waren, und auch schon Nachkommen. Jeder dieser S\u00f6hne hatte drei T\u00f6chter, die je nicht nur ihren Vater, sondern auch den alten K\u00f6nig sehr liebten. Als nun der alte K\u00f6nig zu sterben kam, wollte er noch einmal einen Wunsch loswerden und rief nach seinen S\u00f6hnen. Diese wohnten ja nun fern und nur einer war zur Hand, wurde zum Adressaten und h\u00f6rte seines Vaters Willen.<\/p>\n<p>&#8222;Dieses, mein Schloss hier soll bleiben. Keine Touristen sollen in Bio Filzclogs durch meine Gem\u00e4cher schlurfen. Ihr alle habt euer Auskommen, aber diejenige meiner achtzehn Enkelt\u00f6chter, die sich um ein winziges und doch so wichtiges auszeichnet, soll die Gesch\u00e4fte von hier aus weiterf\u00fchren. Sie m\u00f6ge die neue Herrin hier sein.&#8220; Sprachs und verschied.<\/p>\n<p>Das war also eines Verblichenen Wille. Doch wie die Kunde verbreiten? Es war ja nur einer, der das geh\u00f6rt hatte, der Adressat, und zu allem Ungl\u00fcck eben einer der Geschwister, der nicht mal seine eigene Frau \u00fcberzeugen konnte, vom \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Handyspielen zu lassen. Wie dann aber mit den Br\u00fcdern, die diese Worte allesamt f\u00fcr Fake hielten oder jedenfalls zu halten f\u00fcr gut hielten.<\/p>\n<p>Nun hat so ein K\u00f6nig einiges an Hab und Gut, au\u00dfer eben seinem Schloss, und da man sich immer etwas uneins befand, was Werte und Zust\u00e4ndigkeiten betraf, kam es zu einigen Spannungen, an denen das Fatalste war, dass nun die Mehrheit das v\u00e4terliche Schloss als erstes ver\u00e4u\u00dfert sehen wollte. Dem einen Sohn, der das Verm\u00e4chtnis seines Vaters life vernommen hatte, wurde das so leid, dass er s e i  n e drei T\u00f6chter bat, seinen Erbteil zu \u00fcbernehmen, in der Hoffnung, dass diese Charmeoffensive verfangen k\u00f6nnte. Aber sie verfing nicht.<\/p>\n<p>So geschah es dann, dass das Bl\u00e4tterdach auf einem der Balkone, unter dem der alte K\u00f6nig immer zu lesen gepflegt hatte, weggehackt wurde, die Farbe von den Fensterl\u00e4den abbl\u00e4tterte und die Natur ohne h\u00fctende Hand wucherte. Das Schloss schien verwunschen und die Preise f\u00fcr verfallene Schl\u00f6sser schwanden dahin. Der Adressat des v\u00e4terlichen Verm\u00e4chtnisses hatte dennoch einiges darangesetzt, um es zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Eines Tages kam es dann doch zur Versteigerung des Schlosses auf Betreiben des \u00e4ltesten der S\u00f6hne und es trat einer auf, es zu kaufen, f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Zwecke, wie er sagte, aber der Preis, den er bot war so d\u00fcrftig, dass es schlie\u00dflich doch der Adressat aus dem gemeinsamen Erbe erstand. Danach wurden noch andere Dinge verhandelt und der Eine und der Adressat kamen ins Gespr\u00e4ch:<\/p>\n<p>Der Eine: &#8222;Ja, Du vermutest richtig, ich bin der siebte Sohn des alten K\u00f6nigs, aber ich bin nur ein einfacher Angestellter und mit meinem Leben so zufrieden, ich mache keinen Terz. Wir h\u00e4tten allerdings einiges daraus machen k\u00f6nnen f\u00fcr Bed\u00fcrftige.&#8220; Darauf der Adressat: &#8222;Wenn ich das meinen Br\u00fcdern erz\u00e4hlen w\u00fcrde, die allerdings nichts mehr von mir h\u00f6ren wollen und noch viel weniger glauben, dass Du der vernutete siebte Bruder bist, dann w\u00e4ren sie noch verst\u00f6rter als jetzt schon. Aber wenn Du mein gro\u00dfherziger Bruder bist, dann sage mir doch eins: Was k\u00f6nnte es sein, das eine der achtzehn Enkelt\u00f6chter auszeichnet, dass sich unser Vater sie als Herrin des Schlosses gew\u00fcnscht hat? K\u00f6nnte das wenige, das aber doch so wichtig ist, die Herzensbildung sein, wie er manchmal angemerkt hatte?&#8220; Darauf der neue Bruder: &#8222;Das hie\u00dfe ja, sie allen anderen voranzustellen und k\u00f6nnte andere verletzen, das musst Du viel praktischer sehen und wirst Du zu gegebener Zeit herausfinden.&#8220; Und so schieden die Br\u00fcder, die sich sofort erkannt hatten, f\u00fcr einige Zeit.<\/p>\n<p>Der br\u00fcderliche Adressat des aus der Sicht der T\u00f6chter gro\u00dfv\u00e4terlichen alten K\u00f6nigs, die nun selbst schon wiederum Kinder hatten, die aus der Sicht des alten K\u00f6nigs, der vielleicht noch herabsah aus himmlischen H\u00f6hen, dessen Urenkel waren, konnte nat\u00fcrlich dieses schwierige R\u00e4tsel nicht l\u00f6sen und begann ein wenig an dem Schloss zu werkeln, aber auch seine Kr\u00e4fte schwanden nach und nach dahin und zudem stellte sich bei ihm eine als Altersfaulheit bekannte Krankheit ein, aber von seinen T\u00f6chtern und seinen zwei S\u00f6hnen, die sich zudem inzwischen eingestellt hatten, flossen ihm viel an Talern und moralischer Unterst\u00fctzung zu, sodass er das Gef\u00fchl hatte, doch nicht alles falsch gemacht zu haben.<\/p>\n<p>Noch einmal gedachte er den Worten seines Vaters, des alten K\u00f6nigs und zudem war das Schloss ja auch so bescheiden aufgef\u00fchrt, dass es nicht \u00fcber ganze Zimmerfluchten verf\u00fcgte, sondern genau einer Familie Heimstadt geben konnte, auch wenn alle sechs S\u00f6hne dort aufgewachsen waren, was hergebrachteren Verh\u00e4ltnissen entsprochen hatte.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte dieses M\u00e4rchen gar nicht zuende erz\u00e4hlen, denn es mag einem dann trivial vorkommen oder langweilen, sicher ahnen Sie auch, dass es kein M\u00e4rchen sein k\u00f6nnte, und auch m\u00f6chte ich, dass man in der Lage ist, diese Entscheidung, die dann von allen Beteiligten, ganz anders als unter den Br\u00fcdern, der aus der Sicht des alten K\u00f6nigs Kindergeneration, gel\u00f6st wurde, selbst nachzuvollziehen. Jedenfalls lie\u00df sich die schattenspendende gro\u00dfbl\u00e4ttrige Lesepflanze nicht regenerieren, aber die Balkone wurden repariert, die Ratten und M\u00e4use, was besonders gruselig war, vertrieben und die Fensterl\u00e4den neu gestrichen, jedenfalls von einer Seite, die man sehen kann. Eine gro\u00dfe Spielwiese l\u00e4dt zum M\u00e4hen ein, die Schaukel h\u00e4ngt wieder an der alten Eiche und Balken wurden geschliffen und die Fu\u00dfb\u00f6den lackiert und Pl\u00e4ne f\u00fcr die Zukunft geschmiedet, und wenn Sie jetzt noch nicht wissen, wie sich das R\u00e4tsel des alten K\u00f6nigs l\u00f6sen lie\u00df, so fragen Sie am besten den siebten Bruder.<\/p>\n<p>CER 14.6.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der K\u00f6nig selig &#8211; ein Fragment Es war einmal ein alter K\u00f6nig, der hatte sechs S\u00f6hne, eigentlich sieben, aber den siebten konnte keiner in Erfahrung bringen. 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