{"id":5231,"date":"2026-04-12T18:01:56","date_gmt":"2026-04-12T16:01:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=5231"},"modified":"2026-04-12T18:01:56","modified_gmt":"2026-04-12T16:01:56","slug":"fuehmanns-prometheus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5231","title":{"rendered":"F\u00fchmanns Prometheus"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fchmanns Prometheus<\/strong><\/p>\n<p>Was m\u00fcssen das f\u00fcr Kinder gewesen sein, die aus dem sozialistischen Bildungssystem hervorzugehen gedacht waren, dem wie allem damals Franz F\u00fchmann wohl auch kritisch gegen\u00fcberstand, aber er sich immer wieder diesen Kindern auch zuwandte, ihnen Poetisches nahebringen wollte, was vielleicht die einzige Waffe des Widerstands hatte sein k\u00f6nnen in einem System, das wohl eher einer Monarchie \u00e4hnlich wurde als es es je hatte sein wollen, denn das Kaiserreich hatten ja sogar die Sozialdemokraten ad acta gelegt und wie nun erst die Kommunisten, die sich mit ihnen aus Einsicht in die fatale Spaltung und ein wenig zwangsvereinigt hatten und doch dominierten. Das Buch F\u00fchmanns war als geeignet f\u00fcr Kinder ab 11 Jahren deklariert, die dann vielleicht die Eigenschaft der G\u00f6tterkinder gehabt haben m\u00fcssen, dass sie von Geburt an denken und sprechen konnten, ganz wie Erwachsene.<\/p>\n<p>Es ist ganz unm\u00f6glich, alle Aspekte von F\u00fchmanns Buch Prometheus, die Titanenschlacht darzulegen, aber einiges sei hier herausgegriffen. Die Urmutter Gaia, die aus dem Chaos entstanden war, hatte mit ihrem Mann Uranos noch weitere drei Generationen hervorgebracht, S\u00f6hne, T\u00f6chter, Enkel und Urenkel, die bei F\u00fchmann eine echte Entwicklung durchlaufen. Sie liebt alle ihre Nachfahren, ohne Unterschied, auch wenn sich diese noch solcher Verbrechen schuldig gemacht haben. Dabei stehen am Ende jeder dieser Fruchtbarkeitsketten meistens auch Missgeburten, wie die Hundertarmigen in der zweiten Generation oder Hephaistos der Schmied in der vierten. Nur Kronos, der j\u00fcngste geratene Sohn der Gaia, bleibt es in der dritten Generation erspart, denn sein j\u00fcngster Sohn ist eben Zeus \u2013 eine der psychologisch interessantesten Figuren in dem Roman. Prometheus bleibt in dem Buch eigentlich nur interessant bis zu dieser Titanenschlacht, die der Sturz des Kronos ist. Dann beginnt er zum Guttinanen zu verblassen, von denen es als Gutmenschen auch heute noch wimmelt auf der Erde.<\/p>\n<p>Das st\u00e4rkste Kunstprodukt in diesem Buch bezieht sich nun auch tats\u00e4chlich auf Zeus, dem ja nicht gerade sympathische Z\u00fcge nachgesagt werden. Als Zeus charakterisiert war, als auch schon tyrannischer Herrscher und er dann noch mit Prometheus abrechnen will, den er von seinen Schergen gefesselt vor sich bringen l\u00e4sst und es noch zur Rede zwischen den beiden kommt, gelingt F\u00fchmann der eigentliche H\u00f6hepunkt des Buches. Er stellt dar, wie Zeus, der eigentlich ein Strafgericht halten wollte, von der eigenen Rede getragen, sich eines Besseren besinnt. Er bringt nach und nach sehr einsichtige Argumente hervor, die die Notwendigkeit seiner Machtsicherung f\u00fcr jeden einsichtig belegen. Ein Beispiel daf\u00fcr, wie man redend denken kann, und das musste man Zeus auf jeden Fall lassen, dass er bei aller Willk\u00fcr und allem Frevel der Sinnenfreudigkeit auch scharf zu denken verstand. Klug l\u00e4sst er dann Prometheus wieder losbinden und verlangt zun\u00e4chst dessen Schwur, dass Prometheus seine Herrschaft nicht antaste, was ja immer noch als etwas zu zwingen versuchen anzusehen war. Prometheus z\u00f6gert immer noch und ist ja inzwischen eben nur noch Guttitan. Das erkennt Zeus blitzschnell und bietet Prometheus an, sich ein beliebiges Reich aussuchen zu k\u00f6nnen und schw\u00f6rt selbst als erster, weder ihn noch sein Reich anzutasten. Das verbl\u00fcfft dann Prometheus auf der Stelle und auch er leistet einen entsprechenden Eid.<\/p>\n<p>Als vorletztes Beispiel will ich das des Hephaistos anf\u00fchren, der in der Tradition der sp\u00e4ten Missgeburten als Sohn der Hera, Zeus Schwester und Gemahlin, behaart und missgestaltet auf die Welt kommt und ihn Zeus ungehalten gleich nach der Geburt davonschleudert, wodurch Hephaistos in den Machtbereich der Gaia ger\u00e4t, die ihn auch zun\u00e4chst nur scheinbar herzlos antreibt, mit seinem gebrochenen Bein noch zu einem Feuer zu hinken und dort noch seine Kr\u00fccke aus dem Feuer zu fischen hei\u00dft. Er sollte der Gott sein, der am l\u00e4ngsten bei seiner Urgro\u00dfmutter zubringt und sie sollte ihn die Geheimnisse der Erde lehren. So wurde er zum einzigen Gott, der best\u00e4ndig arbeitete und wahre Wunderdinge hervorbrachte. Menschenkenntnis, oder besser G\u00f6tterkenntnis, schien sie ihm allerdings nicht nahegebracht zu haben, denn eines Tages erscheint er mit reichen Geschenken vor seines Vaters, Zeus\u2018 Sitz und wird nun von diesem ob seiner einmaligen F\u00e4higkeiten so gesch\u00e4tzt, dass Zeus ihm sogar die sch\u00f6ne und als ansonsten ziemlich als faul dargestellte Aphrodite zur Frau gibt und Hephaistos sich ein Loch in den Bauch dar\u00fcber freut. Dem vorausgegangen war eine chirurgische Operation an Zeus mit nicht weniger feinen Instrumenten als einem scharfen Beil. Zeus hatte sich n\u00e4mlich vor Zeiten an einer der Okeaniden vergangen und als diese ihm dann auf den Geist ging, verschlungen, und diese, die nicht wieder erw\u00e4hnt wird, hatte in seinem Kopf Athene entbunden, die in ihrem Wachstum Zeus heftigen Kopfschmerz bereitet hatte. Hephaistos hatte mit einem gezielten Schlag dann Zeusens Kopf gespalten und Athene befreit, die wohl die erste sch\u00f6ne Frau gewesen ist, die er je nackt gesehen hat. Sp\u00e4ter versieht dieser einst so verhasste Sohn seinen Vater noch mit der Wunderwaffe des Blitzes, der die unangreifbare Macht des nicht gerade beliebten Zeus dann f\u00fcr alle Zeit besiegelt.<\/p>\n<p>Als letztes Beispiel sei das des Hermes angef\u00fchrt, der dem Prometheus in der durch Zeusens Wunderwaffe erzeugten Sahara erscheint. Dieser wundersame Knabe, der ja bei Aischylos nicht besonders gut weggekommen war, erscheint hier in der totalen Einsamkeit, wie der kleine Prinz von Saint-Exup\u00e9ry dem Piloten in n\u00e4mlicher W\u00fcste. Auch Hermes, naseweis und selbstbewusst, gibt die entscheidenden Ratschl\u00e4ge zur Erschaffung der Menschen, was dann ein bisschen in Kitsch ausartet. Da ist dann schon Prometheus der ansonsten versto\u00dfene Titan aus dem Kreise der G\u00f6tter, selbst derer, die die Herrschaft des Zeus sehr kritisch sehen. So ist die Erschaffung der Menschheit in der griechischen Sage das Werk eines Versto\u00dfenen, eines Einsamen. Was Apollon gegen\u00fcber Zeus vage ge\u00e4u\u00dfert hatte, dass den G\u00f6ttern etwas fehle, was wohl das Angebetetsein von Millionen ihnen \u00e4hnlicher Wesen sein mochte, das ist wohl, was dann die Griechen f\u00fcr sich in Anspruch nehmen konnten, dass sie dem versuchten gerecht zu werden. Eben nicht nur einem Herrn ein Wohlgefallen zu sein, sondern sich je nach Lage der Dinge ausgew\u00e4hlter Gottheiten in ihren Taten zu bedienen und sie anzubeten.<\/p>\n<p>CER 12.4.26<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fchmanns Prometheus Was m\u00fcssen das f\u00fcr Kinder gewesen sein, die aus dem sozialistischen Bildungssystem hervorzugehen gedacht waren, dem wie allem damals Franz F\u00fchmann wohl auch kritisch gegen\u00fcberstand, aber er sich immer wieder diesen Kindern auch zuwandte, ihnen Poetisches nahebringen wollte,&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5231\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5231","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5231"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5232,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5231\/revisions\/5232"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}