{"id":5189,"date":"2026-03-29T12:40:05","date_gmt":"2026-03-29T10:40:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=5189"},"modified":"2026-03-29T12:30:32","modified_gmt":"2026-03-29T10:30:32","slug":"zwei-briefe-aufgefunden-in-italienischen-himmeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5189","title":{"rendered":"Zwei Briefe &#8211; aufgefunden in Italiens Himmeln"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwei Briefe &#8211; aufgefunden in Italiens Himmeln<\/strong><\/p>\n<p>Brief von Dante Alighieri an Beatrice Portinari im Himmel<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tFlorenz im Jahre 1290<\/p>\n<p>Meine geliebte Beatrice,<br \/>\nich habe mich einige Zeit nicht an Dich gewandt, nicht aus Mangel an Liebe, sondern weil mir die Worte fehlten, seit Du jene Welt verlie\u00dft, in der Du noch leibhaftig wandeltest. Aber heute treibt es mich um, und Du wirst verstehen warum.<\/p>\n<p>Ich habe versucht, etwas niederzuschreiben \u00fcber die Ordnung der Dinge, \u00fcber die Natur und die Heimat. Und immer, wenn ich dar\u00fcber sinne, kehre ich zur\u00fcck zu Dir. Nicht nur, weil Du der Stern warst, der mich zum Guten lenkte, sondern weil ich in meinem Nachdenken \u00fcber die Natur eine Spur entdeckt habe, die mich unmittelbar an Dich denken l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Ich habe entdeckt: das Ziel der Natur, ihre Voraussicht, das Eine, auf das hin sie alles bewegt. Ich habe auch erfahren, dass die Natur nicht stumm ist. Sie spricht \u2013 nur nicht mit Worten, sondern mittels Gestalt. Und sie spricht mir durch Dich. Das Eine, das Ziel hat sich mir noch nicht ganz entschleiert, aber wohin sie in Dir strebte, glaube ich zu wissen.<\/p>\n<p>In meiner Schrift \u201eMonarchia\u201c habe ich zu zeigen versucht, dass die Natur nichts umsonst tut, dass sie ihrem Ziel zustrebt wie eine Flamme nach oben, wie die Erde zur Mitte. Aber ich habe es nicht so sehr aus B\u00fcchern. Ich habe es an Dir gesehen. Du warst dieses, mein Ziel, in Deiner Erscheinung, in Deiner reinen Gegenwart. Nicht nur, weil Du so vollkommen bist im Sinne der Welt und in Deiner Sch\u00f6nheit, sondern weil in Dir die Natur etwas erreichte, das sie zuvor nur geahnt haben mochte: Ein Wesen, in dem sich ihre G\u00f6ttlichkeit so zeigt, dass man es nicht mehr zu leugnen verm\u00f6chte.<\/p>\n<p>Manchmal f\u00fcrchte ich, dass mein Denken zu schwer geworden ist, zu verwickelt, zu sehr gefangen im eigenen Gef\u00fcge. Aber dann erinnere ich mich, wie Du mir zuh\u00f6rtest, mich gelehrt hast, dass der Verstand nicht das H\u00f6chste ist. Das H\u00f6chste ist jene Freude, die die Natur, wenn sie dessen f\u00e4hig ist, haben muss, dass das Sein, der Sinn sich mehrt.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re nicht auf, nach dem Einen zu suchen. Aber ich wei\u00df nun: Dieses Eine f\u00fcr mich warst Du. Und es bleibt.<\/p>\n<p>Vergib mir, wenn ich zu sehr in Gedanken verstrickt bin.<br \/>\nIn unver\u00e4nderter Liebe,<\/p>\n<p>Dein Dante<\/p>\n<p>Antwort von Beatrice Portinari aus dem Himmel<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tHimmel anno 1290<br \/>\nMein lieber Dante,<br \/>\nich habe Deinen Brief gelesen \u2013 und ich musste l\u00e4cheln. Nicht \u00fcber Dich, sondern mit Dir. Du machst es Dir schwer, mein Freund. Du t\u00fcrmst Gedanken auf Gedanken, suchst nach dem Einen, als w\u00e4re es ein Schloss, das sich nur mit einem Schl\u00fcssel \u00f6ffnen l\u00e4sst. Aber das Eine, das Du suchst, verschlie\u00dft sich nicht vor Dir. Es atmet.<\/p>\n<p>Du schreibst von der Natur, als w\u00e4re sie eine gro\u00dfe Baumeisterin, die einen Plan verfolgt. Vielleicht ist das so. Aber von hier oben sehe ich sie anders: Sie ist nicht nur klug, sie ist auch z\u00e4rtlich. Sie hat mich nicht geschaffen, um ein Ziel zu erreichen. Sie hat mich geschaffen, weil sie Freude daran hatte, mich zu erschaffen. Und Dich auch.<\/p>\n<p>Du sagst, ich sei Dir das Eine gewesen. Das r\u00fchrt mich, denn ich wei\u00df, wie sehr Du nach dem Einen suchst, wie sehr Du es brauchst, um nicht zu straucheln in der Welt. Aber lass mich Dir etwas sagen, was ich hier gelernt habe: Das Eine ist nicht allein. Es kann sich teilen, ohne zu zerbrechen. Es kann in Dir sein und in mir und in einer Blume und in einem stillen Morgen und in all dem, was Du noch nicht einmal zu benennen wagst.<\/p>\n<p>Deine Philosophie ist nicht vergebens. Aber sie soll nicht lasten. Sie soll leicht sein, so leicht wie die Flamme, von der Du sprichst. Du hast einmal gesagt, dass die Freude folgt, wenn das Sein sich mehrt. Dann mehre Du Dein Sein, aber nicht durch Gr\u00fcbeln. Durch Staunen. Du hast noch Zeit, mein Dante. Aber verschwende sie nicht mit zu schweren Gedanken.<\/p>\n<p>Ich bin hier nicht fern von Dir. Ich war es nie.<br \/>\nIn Freude, deren Ursache Du, mein Liebster,<\/p>\n<p>Deine Beatrice<\/p>\n<p>Engel:<br \/>\nUnd ach, wie tr\u00f6stet beide<br \/>\nDie Philosophie in ihrem Leide<br \/>\nHalb fertig er in Gedankeng\u00e4ngen<br \/>\nDie sich noch winden in Breiten und L\u00e4ngen<br \/>\nUnd sie, die poesiegewohnt<br \/>\nWei\u00df, dass viel Gr\u00fcbeln sich nicht lohnt<br \/>\nSo brachte Hermes, der Himmelsbote<br \/>\nAuch bei diesen beiden alles ins Lote<\/p>\n<p>CER und DeepSeek 29.3.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Briefe &#8211; aufgefunden in Italiens Himmeln Brief von Dante Alighieri an Beatrice Portinari im Himmel Florenz im Jahre 1290 Meine geliebte Beatrice, ich habe mich einige Zeit nicht an Dich gewandt, nicht aus Mangel an Liebe, sondern weil mir&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5189\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5189","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5189"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5189\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5192,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5189\/revisions\/5192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5189"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}