{"id":5155,"date":"2026-03-04T10:17:11","date_gmt":"2026-03-04T08:17:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=5155"},"modified":"2026-03-04T10:17:30","modified_gmt":"2026-03-04T08:17:30","slug":"niccolo-machiavelli-der-fuerst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5155","title":{"rendered":"Niccolo Machiavelli &#8211; Der F\u00fcrst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Niccolo Machiavelli &#8211; Der F\u00fcrst<\/strong><\/p>\n<p>Ich muss vorausschicken, dass ich nicht alle Umst\u00e4nde dieses im fr\u00fchen sechzehnten Jahrhundert entstandenen Werkes dieses Dieners der Florentiner Republik kenne, aber es scheint gesichert, dass er zu Zeiten dieser Republik sehr aktiv war und es schwer ertragen konnte, unter den Medici aufs Abstellgleis geschoben worden zu sein, nachdem er viel Leid erfahren hatte, als es mit der Demokratie zu Ende gegangen war. So eignet er dieses einzigartige und weithin umstrittenes Werk dem Lorenzo de Medici zu. Den Medici also, die eine Weltmacht werden sollten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend andere Autoren mehrere Herrschaftsformen unterscheiden, sagt Machiavelli, er kenne nur zwei. Es handle sich entweder um eine Demokratie oder eine Monarchie. Heute w\u00fcrde man sagen, dass die Grenzen dazwischen schon flie\u00dfend sind, denn manche Pr\u00e4sidenten oder Kanzler verstehen sich schon weniger als Diener des Volkes, sondern mehr als Alleinherrscher. Denen mag mancher der Ratschl\u00e4ge auch heute noch ans Herz gelegt sein, die einigen als diabolisch gelten. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, den Schein zu wahren, um keinen Hass im Volk zu erregen. Oder sich nicht von Ratgebern blenden oder sich schmeicheln zu lassen.<\/p>\n<p>Die Beispiele, die er aus der \u00e4lteren Geschichte auff\u00fchrt, lassen an Perfidie nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Wenn ein F\u00fcrst die M\u00e4chtigen seines Landes zu einem Gelage einl\u00e4dt und dann die Erw\u00e4hlten unter dem Vorwand einer geheimen Besprechung in ein separates Kabinett bittet und sie dann allesamt von Soldaten meucheln l\u00e4sst. Ja das Milit\u00e4rische spielt \u00fcber weite Teile des B\u00fcchleins eine zentrale Rolle und war ja auch zu Zeiten der R\u00f6mer ein ernstzunehmenderer Machtfaktor als das Volk. Nicht selten wandten sich die ausgesandten Legionen dann selbst gegen Rom. Gleichzeitig beklagt der Autor, dass ein Heer allein aus Italienern zu seinen Zeiten  nicht mehr bestehen k\u00f6nnte, aber da er gl\u00fchender Patriot ist, hofft er, dass die Italiener bald wieder zu ihrem Heroismus zur\u00fcckf\u00e4nden und sieht seine Zeit als geeignet an, sich gegen die Fremdherrschaft in Italien zu erheben, die durch Spanien, Frankreich und ja, auch die Schweiz zu seiner Zeit ausge\u00fcbt wird. Insgesamt ist die Er\u00f6rterung der Herbeif\u00fchrung des Kriegsgl\u00fccks aber etwas erm\u00fcdend.<\/p>\n<p>Die Crux des Buches ist aber, dass er wie selbstverst\u00e4ndlich einen Monarchen voraussetzt und der Demokratie in Bezug auf Lebensf\u00e4higkeit keine Tr\u00e4ne nachweint. Da hat er seinen Dante und Petrarca gut gelesen. \u00dcber Dantes Monarchia hatten wir ja in einigem nachgedacht, aber was man vielleicht diabolisch nennt, ist nichts weiter als lebensecht und dialektisch. Er stellt die fifty fifty Hypothese auf, dass nur 50 % des Verlaufs der Geschehnisse auf das Schicksal, oder wenn es einem lieber ist: auf Gott, zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die andere H\u00e4lfte ist menschliches Geschick und Anpassungsf\u00e4higkeit, das nach seiner Lesart zuf\u00f6rderst von dem jeweiligen F\u00fcrsten bestimmt ist. &#8222;&#8220;Gott tut nicht alles, weil er der Freiheit des menschlichen Willens keinen Eintrag tun und uns den Teil des Ruhmes lassen will, der unsere Handlungen angeht.&#8220; Seltsamerweise ist Italien dann aber meines Wissens nach nie K\u00f6nigreich geworden, aber Machiavelli r\u00e4umt eben auch mit den romantischen Vorstellungen eines solchen, wie wir es aus M\u00e4rchen kennen auf und sagte, dass ein Monarch ebenso Mensch, Fuchs wie L\u00f6we sein muss &#8211; eben mit allen Wassern gewaschen.<\/p>\n<p>Man muss sich das alles nicht anlesen, wenn man selbst nicht die Absicht hat, F\u00fcrst zu werden, aber um ein Bild von T\u00e4lern und Bergen vom Autor zu entlehnen, kann man aus den Niederungen des Gedichtladens bewaffnet mit dieser Geistesgr\u00f6\u00dfe, dem Berge Alt BRD Establishment noch auf den Weg geben: &#8222;Da der Gegenstand es erfordert, darf ich nicht mehr verabs\u00e4umen, die F\u00fcrsten, die ein Land durch die Hilfe ihrer Anh\u00e4nger unter den Anwohnern erobern, zu erinnern, dass sie wohl erw\u00e4gen, welche Ursachen jene bewogen haben, es mit ihnen zu halten. Ist dies nicht aus Zuneigung, sondern blo\u00df aus Missvergn\u00fcgen mit dem vorherigen Zustande der Dinge geschehen, so wird man sie mit aller M\u00fche schwerlich zu Freunden behalten, weil es beinahe unm\u00f6glich ist sie zufriedenzustellen.&#8220;<\/p>\n<p>Und noch ein Zitat, dass in der DDR Monarchie vielleicht eher Beachtung fand als heute: &#8222;Kein Staat glaube jemals mit Sicherheit auf etwas z\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, sondern rechne best\u00e4ndig mit der Ungewissheit aller Dinge: denn die Welt ist so beschaffen, dass man jedes Mal, wenn man einer Verwicklung entgeht, in eine andere hineinger\u00e4t. Die Klugheit besteht darin, unter ihnen zu w\u00e4hlen und die geringste auszusuchen. Ferner muss ein F\u00fcrst Sinn f\u00fcr t\u00fcchtige Leistungen bekunden und t\u00fcchtige M\u00e4nner (und Frauen, die Red.) in jedem Fache ehren. Er muss den B\u00fcrgern Stimmung machen, dass sie sich friedlich in ihrem Berufe bet\u00e4tigen, sei es im Handel oder im Ackerbau oder anderm Gewerbe, dass sie nicht Sorge hegen, das, was sie erworben, genie\u00dfen zu k\u00f6nnen, ihre Besitzungen, aus Furcht sie zu verlieren, vernachl\u00e4ssigen, aus Furcht vor neuen Steuern den Handel liegen lassen. Vielmehr muss er jeden dazu aufmuntern, und denjenigen, der der Stadt oder dem Staate auf irgendeine Weise f\u00f6rderlich ist, belohnen. Sein Volk muss er zu den geh\u00f6rigen Zeiten im Jahre mit Festlichkeiten und Schauspielen besch\u00e4ftigen, und da jede Stadt aus Z\u00fcnften besteht, diese ehren, ihren Zusammenk\u00fcnften zu schicklichen Zeiten beiwohnen, sich menschenfreundlich und freigebig beweisen, dabei aber seine W\u00fcrde in allen Dingen behaupten, sie darf niemals vernachl\u00e4ssigt werden.&#8220;<\/p>\n<p>So h\u00e4tten wir im Tale es gern, so wollen wir vom Berge ge(nas)f\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>CER  4.3.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niccolo Machiavelli &#8211; Der F\u00fcrst Ich muss vorausschicken, dass ich nicht alle Umst\u00e4nde dieses im fr\u00fchen sechzehnten Jahrhundert entstandenen Werkes dieses Dieners der Florentiner Republik kenne, aber es scheint gesichert, dass er zu Zeiten dieser Republik sehr aktiv war und&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/5155\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5155","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5155"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5157,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5155\/revisions\/5157"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}