{"id":4975,"date":"2025-09-26T20:45:19","date_gmt":"2025-09-26T18:45:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4975"},"modified":"2025-09-26T20:45:19","modified_gmt":"2025-09-26T18:45:19","slug":"wegbeschreibung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4975","title":{"rendered":"Wegbeschreibung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wegbeschreibung<\/strong><\/p>\n<p>DIE VIA REGIA<br \/>\nf\u00fchrt durch ganz Europa. Startet man in Santiago de Compostela, f\u00fchrt er geradezu in die jetzigen Kriegsgebiete. Wessen man auf dem Jakobsweg begegnet, den man gew\u00f6hnlich im Frankenland auf sich nimmt, um zu der heiligen St\u00e4tte in Spanien zu gelangen, ist hinreichend beschrieben. Doch was erwartet einen, wenn man den R\u00fcckweg einschl\u00e4gt und die VIA REGIA weiter und weiter geht? Am Ende wohl, zwei Reiche durchschritten, die bisher friedlich widerstritten, aber man den Bogen spannte und spannte, bis es unertr\u00e4glich ward. Und es ist Krieg.<br \/>\nWenn sich nun einer auf den Weg machte, der nicht nur von Zw\u00f6lfen begleitet ist, auch nicht von 1500, wie Napol\u00e9on, als dieser am 1. M\u00e4rz 1815 von Elba kommend in Golfe Juan nahe Antibes seinen Weg Richtung Paris nahm, um noch einmal 100 jours zu regieren, dann w\u00e4re der eine der geistliche und der andere der zeitliche. Seinen Weg also n\u00e4hme auf der VIA REGIA, die mit der VIA IMPERIA ein verschlungenes Kreuz bildet, dessen eindeutiger Kreuzungspunkt Leipzig ist, das 1813 und im Zweiten selbst Kriegsschauplatz war und 1989 zur Heldenstadt wurde.<br \/>\nSicher war der Imperator auch ein Held, als er mit einer stetig wachsenden Armee am 7. M\u00e4rz auf dem Weg nach Paris bei Laffrey, kurz vor Grenoble, auf die k\u00f6niglichen Truppen stie\u00df, seinen grauen Feldmantel vor den schussbereiten Truppen \u00f6ffnete, sich darbot \u2013 und keiner schoss, sondern sie liefen zu ihm \u00fcber. Als es dann im Eiltempo auf Paris ging, war Louis XVIII. schon geflohen, sodass alles friedlich vonstatten ging.<br \/>\nDer andere ging seinen Leidensweg ganz f\u00fcr sich, von einem verraten, von allen verlassen und verleugnet. Als diese G\u00e4nge, auch zum Imperator, dann sp\u00e4ter an den einsichtigen Aposteln waren, waren sie ebenfalls auf sich gestellt und Jahrhunderte sollte dieser Leidensweg der Christen dauern.<br \/>\nWenn nun diese einzelnen oder locker gruppierten Menschen, Untertanen m\u00f6gen sie sein oder sich m\u00fcndige B\u00fcrger nennen, endlich in LIPSIA ankommen, haben sie die Wahl zwischen drei Wegen, wenn man der R\u00fcckweg mal au\u00dferacht l\u00e4sst. Man k\u00f6nnte die VIA IMPERIA nach Stettin einschlagen und ein bisschen im Oderhaff angeln, man k\u00f6nnte die VIA IMPERIA in Richtung Rom w\u00e4hlen, um die vielen  Touristenattraktionen, wie die gr\u00f6\u00dftenteils umgest\u00fcrzten S\u00e4ulen des Forum Romanum zu besichtigen und unterwegs, bei einem Abstecher nach Venedig, dort noch ein teures Eis essen, oder man geht die VIA REGIA weiter. Wir wollen mal vom dritten ausgehen, da Imperium immer ein bisschen abst\u00f6\u00dft, auch wenn dann noch mal in Polen eine schwere Entscheidung zu f\u00e4llen sein wird: Ob man n\u00e4mlich die VIA REGIA LUSATIAE SUPERIORIS nimmt, die nach Kiew f\u00fchrt, und ein bisschen mit russischen Panzern auf beiden Seiten des Bruderkrieges Bekanntschaft macht, oder auf der VIA REGIA bleibt und dieser bis Moskau folgt. Dort k\u00f6nnte man vielleicht ein bisschen mit Kerzen und H\u00e4ndehalten operieren oder etwas skandieren.<br \/>\nNun bringt es eine Wanderschaft mit sich, die sehr gem\u00e4chlich vonstatten geht, wie wir es von den Jakobswegbeschreibungen kennen, dass man nachdenkt, weder gr\u00fcbelt noch Bef\u00fcrchtungen hegt, sondern im besten Sinne kontempliert. Und man trifft mal diesen mal jenen.<br \/>\nDann kommt man an einem Ort vorbei, der hei\u00dft Jahnishausen. Der Park, einem verblichenen K\u00f6nig geweiht, der seit fast 150 Jahre in den ewigen Jagdgr\u00fcnden weilt, ist frisch und sinnig neugestaltet. Das Schloss, nicht gerade ein Kleinod, von einer Gesellschaft betrieben und aus dem Dornr\u00f6schenschlaf erweckt, namens Lebenstraum. Man wird auch eine Bibliothek finden und eine weitere Gesellschaft, die sich Accademia Dantesca Jahnishausen nennt. Man wird sich vielleicht der g\u00f6ttlichen Kom\u00f6die erinnern, die Dante Alighieri verfasste und der dieser verblichene K\u00f6nig Johann so zugeneigt war als er sie in Italien entdeckte, dass er, gerade mal so des Italienischen m\u00e4chtig, eine beachtliche \u00dcbersetzung davon verfertigte. Eines der anderen Werke Dantes kann er nicht gelesen haben, denn es stand bis 1881 auf dem Index. Es ist dies die Monarchia.<br \/>\nGEHORSAM<br \/>\nDer Wanderer, mit noch nicht ganz bestimmtem Ziel, aber eben auch nicht auf langes Verweilen eingestellt, l\u00e4sst sich rasch drei S\u00e4tze sagen, die den Inhalt der Monarchia anbelangen:<br \/>\n1.\tDie Monarchie, am besten Weltmonarchie, ist die vorz\u00fcglichste Variante<br \/>\n2.\tDas r\u00f6mische Imperium ist von Rechts wegen Beherrscher der Welt<br \/>\n3.\tDer Imperator ist nicht dem Papst, sondern Gott direkt unterstellt<br \/>\nNun begab es sich aber, dass es bereits Herbst geworden war und der rechte Arm des Kreuzes der VIAS noch l\u00e4nger schien als die anderen, dass es angezeigt schien, den Winter \u00fcber zu verweilen und seinen und der anderen Lebenstraum noch etwas aufzuschieben, wie doch auch der oben erw\u00e4hnte Imperator f\u00fcr seine R\u00fcckkunft den Fr\u00fchling gew\u00e4hlt und er doch ebenfalls missliche Erfahrungen mit dem russischen Winter hinter sich hatte.<br \/>\nEine Monarchie schien unserem Wanderer, selbst in Anbetracht der wiederhergestellten Anmut des Schlossparks nicht besonders erstrebenswert und es war auch gerade eine Zeit, wo die britische K\u00f6nigin von uns gegangen war und man drauf und dran war, deren Nachfolger die Ohren abzuschneiden, nicht nur, weil sie recht abstehend waren, sondern weil er sich unter anderem dadurch unm\u00f6glich gemacht hatte, indem er seiner Buhlerin zufl\u00fcsterte: \u201eVOLO AUTEM VOS TAMPON.\u201c Die G\u00fcter der K\u00f6nigin der Herzen, die dessen rechtm\u00e4\u00dfige Gattin war und an ihm verzweifelte und ums Leben kam, wurden auf jene \u00fcbertragen und nicht wenige Briten meinten, dass nun der Antichrist die Herrschaft \u00fcber das K\u00f6nigreich eingenommen hat.<br \/>\nVom r\u00f6mischen Reich konnte man nur noch in Geschichtsb\u00fcchern lesen, sich an den PAX AUGUSTA gerade noch erinnern, aber das Recht schien von den R\u00f6mern eigens dazu erfunden worden zu sein, um sich geschickt rechtfertigen zu k\u00f6nnen vor der Welt.<br \/>\nDer Papst, nun besch\u00e4ftigt mit Kindesmissbrauch und der misslichen Frage, ob Frauen auch PriesterInnen sein k\u00f6nnen, scheint als Befehlshaber der Regierenden nicht mehr so recht in Frage zu kommen.<br \/>\nAlso lohne es kaum, sich mit diesem Kunstwerk zu besch\u00e4ftigen.<br \/>\nAber es liegt ein verborgener Schatz in diesem Werk. Es besagt n\u00e4mlich auch, dass die Natur die Menschheit hervorbrachte, in ihrer ganzen Vielheit, um ihr Ziel erreichen zu k\u00f6nnen. Jeder Mensch tut eben gut daran, sich als Diener der Natur zu verstehen und seinen Beitrag, sei er auch noch so unbedeutend, zu leisten. Den Willen und das Ziel der Natur zu erraten, wird die Menschheit alle Kr\u00e4fte aufbieten m\u00fcssen.<br \/>\nNun war der Herbst aber lang und der Winter sollte noch viel l\u00e4nger dauern. Schon diesen letzten Sommertag fror der Wanderer und noch mehr zitterte er bei der Aussicht, dass der russische Monarch den Gashahn abgedreht hat, und das auf ausdr\u00fccklichen Wunsch der \u043e\u0445\u043b\u043e\u043a\u0440\u0430\u0442\u0438\u044f selbst, in der unser Wanderer lebte.<br \/>\nVielleicht also doch die VIA REGIA bis zuende gehen und beim russischen Monarchen in Moskau F\u00fcrbitte leisten? \u201eBei so vielen Fragen, vielleicht versuchen Sie es doch mal mit Dante Alighieri?\u201c, fl\u00fcstert es da neben ihm auf dem kalten Bibliotheksstuhl. \u201eIm \u00dcbrigen, wenn Sie sich dem \u0426\u0430\u0440\u0435\u0432\u0438\u0447 unterwerfen wollen, so k\u00f6nnte das nach unserem verehrten Dante genau das Richtige sein, wenn dies Ihnen \u00fcberhaupt geziemt. Jetzt sitzen Sie vor diesem B\u00fcchlein, fein in Latein gesetzt, kommentiert und f\u00fcr Sie ins Deutsche \u00fcbertragen. Meinen Sie nicht, dass es an diesem Ort, immerhin einer Accademia Dantesca vor allem anst\u00fcnde, die Wartezeit nicht mit Barmen zu verbringen, sondern dies von Anfang bis Ende durchzulesen? Vielleicht die Kommentare nicht gerade, Sie sollen Ihren eigenen Kopf behalten.\u201c \u201eGehorsamster Diener\u201c, sagte da der Wanderer und studierte, und je l\u00e4nger er studierte, desto heimischer wurde ihm. Was dabei herauskam, steht auf einem anderen Blatt.<br \/>\nSo weit, so gut. Es nahte der Fr\u00fchling und die Entscheidung f\u00fcr den im Weiteren einzuschlagenden Weg stand an. Er hatte auch ein paar Brocken Latein aufgefasst und sah sich das ITINERAR noch mal an. VIA REGIA ist ja der K\u00f6nigsweg, den er und einige andere bis hierher gegangen waren, aber was zum Teufel war die VIA REGIA LUSATIAE SUPERIORIS ?<br \/>\nIst damit vielleicht Lusitanien in Portugal gemeint?<br \/>\nDa fl\u00fcstert es wieder neben ihm: \u201eWenn Sie diesen Weg gehen, nehmen Sie bis nach Kiew immer ein St\u00fcck Heimat mit, hier aus unserem REGNUM GERMANICUM.\u201c \u201eDas h\u00f6rt sich ein bisschen an, wie Deutschland steht im Regen.\u201c \u201eWenn dem mal so w\u00e4re, die Region, die Sie auf diesem Weg mitnehmen werden, leidet eher am Mangel desselben.\u201c \u201eAber die Panzer?\u201c \u201eMit denen werden Sie schon fertig, denken Sie an die Aufnahme von der Berliner Mauer, dem NVA Soldaten und dem amerikanischen Panzer.\u201c \u201eJa, der stoppte, aber das sind Russen.\u201c \u201eMeinen Sie denn, dass ein Imperium schlechter ist als das andere?\u201c \u201eNa ja, man kann es ja mal versuchen. Aber was ist denn nun das St\u00fcck Heimat, das ich mit dorthinnehme?\u201c \u201eDies ist, mein Herr, der K\u00f6nigsweg der Oberlausitz.\u201c \u2026<br \/>\nC.R. 20.9.2022\t\t\t\t\t\t\twww.gedichtladen.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wegbeschreibung DIE VIA REGIA f\u00fchrt durch ganz Europa. Startet man in Santiago de Compostela, f\u00fchrt er geradezu in die jetzigen Kriegsgebiete. 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