{"id":4857,"date":"2025-02-19T14:53:19","date_gmt":"2025-02-19T12:53:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4857"},"modified":"2025-02-23T01:12:06","modified_gmt":"2025-02-22T23:12:06","slug":"was-da-zu-bedenken-ist-eine-gastkolumne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4857","title":{"rendered":"Was da zu bedenken ist &#8211; eine Gastkolumne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was da zu bedenken ist<\/strong><\/p>\n<p><em>Eine Gastkolumne von TS<\/em><\/p>\n<p>Es stimmt sehr nachdenklich, wenn man zunehmend Leuten begegnet, denen ein gew\u00fcnschtes selbst erschaffenes und starres, irgendwie introvertiertes Geschichtsbild lieber ist als eine lebendige Wahrheitsfindung. Die Kolumne, betitelt mit dem Zitat von Rosa Luxemburg \u201cFreiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden\u201c, vermittelt ein solches Geschichtsbild.<br \/>\nAuf den ersten Blick interessant und bildungstr\u00e4chtig formuliert, sollte man einen zweiten Blick wagen, um auf zahlreiche fragw\u00fcrdige Behauptungen und die Herstellung vermeintlicher Zusammenh\u00e4nge zu sto\u00dfen.<br \/>\nIm Grunde handelt es sich in dem Beitrag um das Bekenntnis antidemokratischer Vorstellungswelt und die Auffassung, dass, gelinde gesagt, starke entscheidungs- und durchsetzungsf\u00e4hige F\u00fchrer die bessere Wahl f\u00fcr gemeinschaftliches Zusammenleben sind. Hier ist schon das zun\u00e4chst eher oberfl\u00e4chliche Spannungsfeld interessant: J. D. Vance argumentiert bislang von der Rettung der Demokratie im ausschlie\u00dflichen Sinne einer umf\u00e4nglichen \u201eMeinungsfreiheit\u201c, nicht aber bez\u00fcglich eines wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruchs der Demokratien Europas, wie es der Autor anklingen l\u00e4sst. Auch nur nebenbei, die Sehnsucht nach einem K\u00f6nig von Deutschland ist erf\u00fcllt. Er hat sich selbst dazu ernannt und hei\u00dft Peter Fitzek aus Wittenberg. Auf einer Wahlliste steht er aber wohl nicht. Vermutlich wird deshalb die Sinnhaftigkeit von Wahlen angezweifelt.<br \/>\nBemerkenswert ist die Darstellung, statt von \u201elinks\u201c und \u201erechts\u201c von \u201erealistisch\u201c und \u201eschw\u00e4rmerisch\u201c zu sprechen. Es mag eine historische Momentaufnahme sein, wo gerade checks &#038; balances &#8211; man kann das auch auf das derzeitig sich herausbildende Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis in der Welt beziehen &#8211; aus den Fugen ger\u00e4t, dies f\u00fcr aktuellen Realismus zu halten. F\u00fcr weite historische Zeitr\u00e4ume darf das klar bezweifelt werden. Das gilt sicher auch f\u00fcr Utopie und Fortschritt deutlich in Zusammenhang gestellt und Diktaturen zugesprochen. <\/p>\n<p>Der Feind in Vance\u00b4schem Duktus steht im eigenen Land? Die Medien jagen die Menschen in Angst? Und in dem Stile &#8211; hier aber Gottseidank nicht behauptet &#8211; Hitler war Kommunist. Das ist Realismus? Man m\u00fcsste etwas dazu sagen, aber es macht vorerst nur sprachlos. <\/p>\n<p>In schw\u00e4rmerischer, unrealistischer Manier weiter:<\/p>\n<p>J. D. Vance hat neben der Meinungsfreiheit h\u00f6chstens noch am Rande das Thema der Migration kritisch vermerkt.  Was ist mit der Kritik an der Meinungsfreiheit in Europa gemeint?  Was ist beabsichtigt mit dieser Kritik? Und was geschieht wirklich? <\/p>\n<p>Man sollte Namen, Begriffe und deren aktuell gedeutete Beinhaltung auseinander halten. Auch jenseits wertender Medien gibt es gen\u00fcgend originale Belege in den USA derzeit daf\u00fcr, dass die beworbene Meinungsfreiheit sich auf die eigene bezieht und der Eindruck kaum zu entkr\u00e4ften ist, dass die \u201eMeinungsfreiheit des anderen\u201c eingeschr\u00e4nkt und bek\u00e4mpft wird. Es geht hier nicht um Meinungsfreiheit, es geht hier um Erringung von Machtfreiheit eines Teils der Gesellschaft gegen\u00fcber dem anderen. Es geht nicht darum, ob etwa die AfD mundtot gemacht w\u00fcrde, was sie ja sehr lautstark und unabl\u00e4ssig behauptet. Eine wirklich absurde Behauptung. Es geht, von Vance u.a., ganz unumwunden zum Ausdruck gebracht, um die Machtbeteiligung der AfD im Parlament etwa. Nicht die Meinungsfreiheit in seiner herk\u00f6mmlichen Definition ist das Ziel, sondern die Machtergreifung \u00fcber die Mittel demokratischer Verfassungen. Ein eindr\u00fccklich bekannter Weg. <\/p>\n<p>Nun haben Gesellschaften, ob Demokratien oder Diktaturen sowie Mischformen alle ihre begrenzte Lebenszeit gehabt. Vielleicht ist das alte Europa ein bisschen zu m\u00fcde und bequem geworden und nun \u00fcberrascht, wie schnell sich Existenzbedingungen brachial \u00e4ndern k\u00f6nnen. Vielleicht hat man sich auf der jahrhundertealten Vorherrschaft Europas ausgeruht und zu selbstsicher und unantastbar gef\u00fchlt. Vielleicht hat man sich bis heute auf die Gemeinschaft \u00e4ltester Demokratien gem\u00e4\u00df deren Verfassungen allzu sehr verlassen. Das ist es, was den Menschen hierzulande Angst bereitet, neben anderen Krisenherden, ja auch das Migrationsproblem, das \u00fcbrigens nicht geleugnet werden soll, nicht die Medien, die offenbar krisenhafte Ereignisse etwa im Aartal wie jegliche andere Katastrophen einfach nur verschweigen sollten. Ja, die zu bew\u00e4ltigenden Herausforderungen machen Sorge. Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Und man kann und muss sich dem sicher stellen. Mit der Staatsform selbst hat das zun\u00e4chst wenig zu tun. Vielmehr scheint es so, als seien langfristig Demokratien sehr viel dauerhafter und erfolgreicher als Diktaturen. Das gilt f\u00fcr die Prosperit\u00e4t diverser Gesellschaften, f\u00fcr den Wohlstand der Bev\u00f6lkerung, f\u00fcr Entdeckungen und wissenschaftlichen Fortschritt, Kultur und Bildung usw. Zumindest gilt dies f\u00fcr den \u00fcberschaubaren Bereich der Geschichte und eben gerade auch der europ\u00e4ischen: Ca. 270 Jahre attische Demokratie, ca. 500 Jahre r\u00f6mische Republik gegen\u00fcber  Kaiserzeit etwa 350 Jahre ausgenommen Ostrom bzw. das Byzantinische Reich. Wobei in der Kaiserzeit republikanische Errungenschaften streckenweise beibehalten oder wie das uns noch pr\u00e4gende r\u00f6mische Recht entwickelt wurden. Gleich ob repr\u00e4sentative Monarchie oder Republik seit 1688 Gro\u00dfbritannien, 1776 USA, 1789 Frankreich, polnische Verfassung 1793, 1795 durch Preu\u00dfen, Habsburg, Russland zunichte gemacht und Polen nur durch den Katholizismus zusammengehalten erst 1918 unabh\u00e4ngig mit einer eher traurigen Geschichte usw.  Demgegen\u00fcber in Europa die eindrucksvollsten Diktaturen: Italien 23 Jahre, Franco-Spanien 41 Jahre, wenn man 1936 zugrunde legt, Deutschland 12 Jahre, Sowjetunion um die 70 Jahre, DDR u.a. um die 45 Jahre. Demgegen\u00fcber die USA, die bis heute in der Moderne doch eigentlich einen sehr erfolgreichen und andauernden Weg zur\u00fcckgelegt haben mit ihren bisherigen demokratischen Institutionen. <\/p>\n<p>Aber selbst, wenn man der Gesinnung ist, dass diktatorische oder diktatorisch angehauchte Staatsformen effektiver seien als demokratische, da sie der \u201eDemokratieumst\u00e4ndlichkeiten\u201c nicht bed\u00fcrfen, muss man schon ein Narr oder gef\u00fchllos sein, sie sich herbeizuw\u00fcnschen unter den aktuell gegebenen Bedingungen, so es die absehbaren Lebensbedingungen im eigenen Umfeld des Selbst, der Familie, dem Land aller Aussicht nach zu verschlechtern droht.<\/p>\n<p>tr\u00fcbe gedanken<br \/>\njuchheissassa<\/p>\n<p>tr\u00dcBE Gedanken<br \/>\nJuchheissassa<\/p>\n<p>tr\u00dcbe geDANKen<br \/>\nPotz Blitz<\/p>\n<p>das Leben ist<br \/>\nein Witz<br \/>\nvoll bitt\u00b4rem Ernst.<\/p>\n<p>ts<\/p>\n<p>Also genug der schw\u00e4rmerischen Realismus-Verweigerung. Hoffen wir und beteiligen wir uns nach Verm\u00f6gen, die bestehenden Herausforderungen \u201eutopisch\u201c und \u201efortschrittlich\u201c und vor allem gemeinsam zu bew\u00e4ltigen, statt sie zu leugnen. Wer ist das eigentlich tats\u00e4chlich, wer den Untergang beschw\u00f6rt?<\/p>\n<p>TS \u2013 ein Historiker aus Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was da zu bedenken ist Eine Gastkolumne von TS Es stimmt sehr nachdenklich, wenn man zunehmend Leuten begegnet, denen ein gew\u00fcnschtes selbst erschaffenes und starres, irgendwie introvertiertes Geschichtsbild lieber ist als eine lebendige Wahrheitsfindung. Die Kolumne, betitelt mit dem Zitat&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4857\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-4857","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4857"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4864,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4857\/revisions\/4864"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}