{"id":4794,"date":"2024-11-02T22:36:33","date_gmt":"2024-11-02T20:36:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4794"},"modified":"2024-11-02T22:36:33","modified_gmt":"2024-11-02T20:36:33","slug":"retrospektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4794","title":{"rendered":"Retrospektive"},"content":{"rendered":"<p><strong>Retrospektive: Tagung der Sch\u00fclerforschungszentren (SFZ) Hamburg 25.\/26.4.22 \u2013 ein Reisebereicht<\/strong><\/p>\n<p>Endlich wieder treffen, zwar mit Masken und t\u00e4glichen Tests, aber mal wieder Gesichter sehen und anregende Gespr\u00e4che f\u00fchren. Der Ort der Tagung, M\u00fcmmelmannsberg, geh\u00f6rt wohl eher zu den problematischen Stadtteilen Hamburgs, wo man sich f\u00fchlt wie ein Tourist in einem fernen Land. Dem versucht man mit einem milliardenschweren Bildungszentrum (Mintarium) abzuhelfen, das erst vor zwei Jahren, zum Pandemiebeginn, fertig wurde. Gro\u00dfz\u00fcgige Laborraumfluchten mit einer Grundausstattung stehen zur Verf\u00fcgung und oben auf dem Dach thront eine Bel\u00fcftungsanlage von der Gr\u00f6\u00dfe eines mittleren Kriegsschiffes. Die zum Bildungszentrum geh\u00f6rige Gesamtschule entsendet sog. &#8222;Abgeordnete&#8220;, Lehrer, die ein oder zwei Arbeitstage pro Woche im Mintarium zubringen und Projekte betreuen. Die meisten Tagungsteilnehmer berichten von einem Weggebrochensein der 13 bis 15J\u00e4hrigen. Diese Sch\u00fcler seien schwer zu gewinnen, da Aufholung des Schulstoffs und das Erreichen passabler Zensuren im Vordergrund st\u00fcnden. Fast ungenannt bleibt das Problem, dass man durch das lange Zuhausebleiben auch mehr Gaming betrieb, was nicht viel mehr als die pure Unterhaltung zu sein scheint. Wir in Zeuthen erreichen diese Altersgruppe noch, weil wir ein Wahlpflichtfach Junior Ingenieur Akademie, kurz JIA haben. Das ist eine einmalige Kombination bundesweit: ein SFZ und einen JIA Kurs, die wir beide vor allem Herrn Sawal und Herrn Stahl zu verdanken haben. Dennoch sind wir mit unserem SFZ wohl einigerma\u00dfen abgeschlagen, auch weil wir kaum Unterst\u00fctzung durch h\u00f6here Stellen haben erwirken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Andere Sch\u00fclerforschungszentren (allein Th\u00fcringen hat 10 und Brandenburg nur unseres) haben einen hohen Grad an Selbst\u00e4ndigkeit, was wir auch f\u00fcr richtig halten. Die SFZ Arbeit soll sich vom Unterricht unterscheiden und Freude machen. Manche SFZ sind als Vereine und manche als GmbHs organisiert. Als Anregung habe ich auch mitgenommen, dass andere SFZ mehr f\u00fcr die Lehrerbildung tun, woran man sich ein Beispiel nehmen kann. Das Zauberwort, das Lehrer bewegen k\u00f6nnte, auch eine Gegenleistung zu sehen, hei\u00dft: INDIVIDUALF\u00d6RDERUNG. Man kennt es ja noch von den zwischenzeitlich fast eingeschlafenen AGs, dass da mindestens 15 Sch\u00fcler durch einen AG Leiter betreut werden sollten. Das Leben hat das anders entschieden und im SFZ Hamburg verzeichnen wir jetzt einen Schl\u00fcssel von 1:5. 150 Sch\u00fcler werden von 32 Mitarbeitern betreut. Es ist als gGmbH organisiert und wird von f\u00fcnf Finanziers getragen, wobei den Hauptteil die Stadt Hamburg tr\u00e4gt. Die benachbarte Universit\u00e4t Hamburg bewerkstelligte die Sanierung und Einrichtung der R\u00e4umlichkeiten. Und noch etwas sei angemerkt. Der Star des SFZ Hamburg, eine jetzt 20 Jahre junge Frau, die seit der 8. Klasse forscht und voriges Jahr den zweiten Platz im Bundeswettbewerb belegte und jetzt Physik studiert, h\u00e4tte beinahe kein Gymnasium besucht, weil sie LRS hatte. Sie hat sich regelrecht durchgek\u00e4mpft zu dem, was sie jetzt ist, und hat ein nichtgiftiges Kontrastmittel f\u00fcr MRT Aufnahmen entwickelt. Es sind immer die W (W\u00fchler beiderlei Geschlechts, Lehrer sprechen von SuS), die die Sachen voranbringen und von denen wir an unserer Schule nicht mal in jedem Jahrgang einen haben. Was die Projekte anbelangt, so geht es auch am SFZ Hamburg recht irdisch zu. Von einer warnenden T\u00fcrklinke bis zu verschiedenen Autorennbahnen ist alles vertreten, was potenziell Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>An dieser Stelle sei noch mal erw\u00e4hnt, dass wir schon beide Konstellationen hatten: auf allen Gebieten ausgezeichnete Sch\u00fcler wie Niklas Rosin und eben ausgesprochene W\u00fchler, denen technisch kaum jemand das Wasser reichen kann, wie Max K\u00fchn. Vor allem ist es ja der Traum jedes Betreuers dass Jugendforscher aus eigenem Antrieb handeln und selbst Themen vorschlagen. Da haben wir das aktuelle Ereignis, dass Jakob Zophel aus der 10. Klassenstufe einen zweiten Platz beim Landeswettbewerb Jugend forscht belegte und alles auf dem Gebiet der k\u00fcnstlichen Intelligenz sehr eigenst\u00e4ndig erarbeitet hat. Dazu sei ihm hier noch einmal gratuliert. Dar\u00fcber hinaus ein Team um Florian Wentzel, die sich um O Busse bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Die Workshops auf der Tagung drehen sich immer ein bisschen sehr um die \u201eRolle der Bedeutung\u201c, was schwer zu verkraften ist, wenn man praktische Arbeit gewohnt ist, da entsinne ich mich der Versuchsbecken in der Schiffbauerwerkstatt und schreibe auf gut Gl\u00fcck einen kleinen Brief an einen der Akteure, der ihn binnnen weniger Minuten erreicht und schon sind wir mitten in einer Werkstatt, in der es wirklich mal nach Arbeit aussieht. Christoph B\u00fcchler ist auch so ein junger, f\u00fcr einen Wochenarbeitstag abgeordneter Lehrer und zeigt mir die verschiedenen Technologien der Schiffsrumpfherstellung f\u00fcr die Modelle. Wir hatten just for fun im Vorjahr auch einen Katamaran gebaut mit Bluetooth Steuerung, den wir allerdings nur in der Badewanne haben erproben k\u00f6nnen. Das Versuchsbecken auf dem M\u00fcmmelmannsberg ist etwa sechs mal drei Meter und es entsteht gleich so etwas, was man hochtrabend Synergieeffekt nennt, denn wir erfahren von einem freien Programm, das das Design von Schiffsr\u00fcmpfen erlaubt (DELFTSHIP). So sch\u00f6n der 3D Druck auch ist, erfordert er als Voraussetzung sog. stl-files, die man mit Konstruktionsprogrammen erstellen muss, worauf dann ein Knopfdruck gen\u00fcgt, um das Modell zu drucken. Wir haben von unserer Gemeinde auch so einen 3D Drucker (Renkforce 2000) und k\u00f6nnen damit arbeiten.<\/p>\n<p>Als Res\u00fcmee kann man feststellen, dass wir durchaus Voraussetzungen haben, Sch\u00fcler an die Forschung heranzuf\u00fchren, aber es fehlt uns nicht nur an einer ausreichenden Finanzierung, sondern vor allem an personellen Voraussetzungen, um einen Betreuungsschl\u00fcssel von 1:5 zu erreichen. Eine Anfrage an das Kultusministerium Brandenburg blieb bisher unbeantwortet, denn die Abordnung interessierter Lehrer w\u00e4re dessen Obliegenheit. Wir versuchen jetzt auch durch eine Sch\u00fclerfirma (www.beerlecada.com) das Interesse der WuW zu steigern. Es liegt auch viel Verantwortung bei den Eltern und wir werden auch versuchen, auf diesem Wege mehr zu erreichen.<\/p>\n<p>Dr. Christian Rempel<br \/>\nLeiter des Sch\u00fclerforschungszentrums Zeuthen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Retrospektive: Tagung der Sch\u00fclerforschungszentren (SFZ) Hamburg 25.\/26.4.22 \u2013 ein Reisebereicht Endlich wieder treffen, zwar mit Masken und t\u00e4glichen Tests, aber mal wieder Gesichter sehen und anregende Gespr\u00e4che f\u00fchren. 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