{"id":4697,"date":"2024-05-12T09:11:52","date_gmt":"2024-05-12T07:11:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4697"},"modified":"2024-05-12T10:53:35","modified_gmt":"2024-05-12T08:53:35","slug":"traum-im-traumhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4697","title":{"rendered":"Traum im Traumhaus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Traum im Traumhaus<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob es schon wieder ein Anflug von Euphorie ist, aber eben tr\u00e4umte mir von den Familienfronten der im Krieg befindlichen Rempelei. Gr\u00f6\u00dfenwahn war dabei, dass ich auch noch meiner Mutters Koppel erworben hatte, aber keiner recht dar\u00fcber im Bilde war. Das ist ein dreieckiges gro\u00dfes Grundst\u00fcck, das jetzt schon lange bebaut ist, aber in meinem Traum noch die Schafweide, Auslauf f\u00fcr das Federvieh und Hobbyfu\u00dfballplatz war.<\/p>\n<p>Eines Tages begann dort und auf dem Grundst\u00fcck, das inzwischen meine \u00e4lteren Br\u00fcder ja auch wirklich erworben hatten, ein f\u00fcr heutige Verh\u00e4ltnisse unwahrscheinliches Baugeschehen, das sicher von meinem j\u00fcngeren Bruder initiiert war und alle meine verkrachten Geschwister waren beteiligt, lie\u00dfen in nur zwei Tagen einen Betonbau entstehen und noch einen kleineren auf dem eigenen Grundst\u00fcck meiner beiden \u00e4lteren Br\u00fcder. Die Stra\u00dfenfront war sozusagen zugebaut.<\/p>\n<p>Ich meinerseits wohnte mit ein paar Getreuen in der 38, eben dem malerischen Schweizerhaus. Eine Frau als Bedenkentr\u00e4ger und immer an allem Zweifelnde und zwei M\u00e4nner in den besten Jahren, Oleg und Achmed. Letzterer sprach kein Deutsch, aber war wie Oleg, dem einzigen Gespr\u00e4chigen, an meinen Erwerbungen beteiligt. In welchem Prozentsatz wussten beide selber nicht. Sie ritten f\u00fcr gew\u00f6hnlich auf Pferden und packten \u00fcberall zu, wo etwas zu tun war. L38 hatte auch beachtliche Dimensionen angenommen und man konnte hier und da auf dem Grundst\u00fcck einen Reisebus parken, den wir auch schon unser eigen nannten in Erwartung weiteren Zulaufs f\u00fcr unser Lebenskonzept. Das bestand allerdings erst mal darin, das Dinge geschahen, von denen ich selbst keine Ahnubg hatte, ich eines Tages zur\u00fcck zum Haus kam und erwas fehlte. Es stellte sich nach einiger \u00dcberlegung und einigen Nachfragen heraus, dass es die beiden Balkontreppen waren, die zur Reparatur demontiert waren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war ich auch ein bisschen neugierig, was die Bestimmung des Komplexes auf der anderen Stra\u00dfenseite war und schlenderte ein bisschen dort durch die Reste der verbliebenen Natur.<br \/>\nDie vordere Front in der zweiten Etage des breiten Geb\u00e4udes mit drei Geschossen war eine durchgehende Fensterzeile, hinter der sich sicher ein Gro\u00dfraumb\u00fcro verbarg. Ich konnte wahrnehmen wie mein \u00e4ltester Bruder einen Chefsessel probeweise in Besitz nahm. Alle waren zufrieden mit diesem naturverdr\u00e4ngenden Bauwerk und ich blieb bei meiner Inspektion unbemerkt, wurde sogar Zeuge einer Bemerkung meines j\u00fcngeren Bruders, dass sie wohl keine Baugenehmigung h\u00e4tten, weil der Besitzer des Grundst\u00fccks noch nicht zugestimmt h\u00e4tte. Doch das war ja ich und mein Rechtsverst\u00e4ndnis regte sich, dass ja dann Ver\u00e4nderungen an dem Grundst\u00fcck, und seien es s\u00fcndhaft teure Bauten, in mein Eigentum \u00fcbergingen. <\/p>\n<p>Mit dieser Auffassung kehrte ich \u00fcber die Stra\u00dfe in L38 zur\u00fcck, wo ich es mit der Bedenkentr\u00e4gerIn zu tun bekam, die einen Zeitungsartikel herauszog, in dem Brandenburger Recht erl\u00e4utert war, nach dem nur eine Entsch\u00e4digung von 25 000 Euro anst\u00fcnde. Das war doch bei meinen finanziellen Kalamit\u00e4ten immerhin auch schon was.<\/p>\n<p>Wir machten uns, Oleg, Achmed und ich auf den Weg zu meiner verkrachten Schwester, die, da sie wieder die Verwaltungsdinge \u00fcbernommen hatte, auch in dem Komplex wohnte. Sie lie\u00df aber nur meine beiden Teilhaber ein und mich nicht. Es lohnte sich nicht zu fragen, was sie mit ihnen besprochen hatte. Sie knisterten mit ein paar Scheinen, die sicher auch nicht der Rede wert waren.<br \/>\nIch wei\u00df bis heute nicht, wie viel Prozent Oleg und Achmed haben und ging weiter meinen Familiendingen nach. Denn in diesem niegelnagelneuen Komplex wohnte auch meine verlorene Tochter. Dort wurde ich freundlich hereingebeten und, obwohl ich auf Dankbarkeit gestimmt war, hatte ich den Schneid, die braunen Blumentapeten zu monieren und alles war wie weggeblasen, als auch noch ihr Freund auftauchte, dem ich \u00fcberschw\u00e4nglich zu seinen gelungenen Kindern gratulierte und mit einem Augenzwinkern den Witz machte, dass ja das Kindererzeugen auch eine recht vergn\u00fcgliche Sache sei und einen der Ernst des Lebens als Vater dann erst mit den Sp\u00e4tfolgen ereilt. In Wirklichkeit ist meine verlorene Tochter naturverbunden und hat einen guten Geschmack.<\/p>\n<p>Nun wieder im L38 machte sich eine andere dringende Stimme bemerkbar, die meiner Lebensgef\u00e4hrtin, die stante pede an die Ostsee fahren wollte. Ich hatte gerade noch Zeit f\u00fcr drei Dinge: Festzustellen, dass doch gar keine Ferien waren, mit dem reitendenden Oleg zu vereinbaren, dass er endg\u00fcltig zu mir z\u00f6ge und meiner Elfe zuzusehen, wie sie &#8211; einer Kinderdrohne gleich &#8211; und unter Abs\u00e4belung trockener Zweige durch das Ge\u00e4st zu mir schwebte und sagte: &#8222;Vertrau auf Orpheus. Leg Dich in seine starken Arme und tr\u00e4ume einen Traum, den Du sogleich, und sei es mitten in der Nacht, aufschreiben sollst. Schere Dich nicht um die Ratschl\u00e4ge, dass das alles irrelevant sei und nicht in die \u00d6ffentlichkeit geh\u00f6re, denn diese gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Du hast nur wenige, heimliche Leser, die darauf warten, wie Du Dich wohl aus den Verstrickungen l\u00f6sen wirst. Sei guten Mutes.&#8220; Darauf flog sie wieder davon und ich tat wie immer wie mir gehei\u00dfen.<\/p>\n<p>CER 12.5.24<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Traum im Traumhaus Ich wei\u00df nicht, ob es schon wieder ein Anflug von Euphorie ist, aber eben tr\u00e4umte mir von den Familienfronten der im Krieg befindlichen Rempelei. 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