{"id":4343,"date":"2023-12-01T23:31:41","date_gmt":"2023-12-01T21:31:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4343"},"modified":"2023-12-08T22:59:04","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:04","slug":"brief-an-den-bildungsminister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4343","title":{"rendered":"Brief an den Bildungsminister"},"content":{"rendered":"<p>Lieber Minister Freiberg,<\/p>\n<p>ich hatte versucht, mich mit einem grunds\u00e4tzlichen Problem anl\u00e4sslich Ihrer Sprechstunde an Sie zu wenden, was aber abschl\u00e4gig beschieden wurde, da ich kein Lehrer sei. Tats\u00e4chlich leite ich als Privatier und gewesener Physiker das einzige durch Jufo gef\u00f6rderte SFZ im Land Brandenburg in Zeuthen. In den f\u00fcnf Jahren dieser T\u00e4tigkeit bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es unsinnig ist, ca. 60 % der Sch\u00fcler zum Abitur zu f\u00fchren, das mehr ertrotzt als erworben ist. Besonders deutlich sind diese Erkenntnisse bez. der naturwiss.\/mathematischen Bildungsf\u00e4higkeit und dem Wissensstand.<\/p>\n<p>Zu meinen Zeiten bestanden 10 % der Jugendlichen das Abitur und es gab keinen Lehrlings- und auch kaum Lehrermangel. Ist es nicht klar, wenn die Mehrheit erst 12 bis 13 Jahre die Schulbank dr\u00fcckt, um dann ein m\u00f6glichst bequemes Studium an demzufolge \u00fcberf\u00fcllten Unis zu absolvieren, dass dann zu wenige mit 16 schon einen Beruf ergreifen?<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die Lernbereitschaft eher gesunken ist, man lieber mit dem Handy spielt und es geradezu als uncool gilt, wenn der eine oder andere noch etwas leisten will.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt ist, dass in Bezug auf geistige Produkte eine ungeheure Rationalisierung stattgefunden hat und gerade durch KI weiter im Gange ist. Staatsm\u00e4nnisch entschieden w\u00e4re da wohl, nicht immer mehr Masse an den Start zu bringen, sondern den Talenten, die sehr rar sind (weit weniger als 10 %) entsprechende Bedingungen durch kleinere Klassen und ausgezeichnete Lehrer zu schaffen. Das betrifft auch die materielle Sicherstellung. F\u00fcr unser SFZ sind manchmal schon Betr\u00e4ge von wenigen 10 Euro ein Problem, wogegen eine Schule, wie die unsere allein ca. 1\/2 Mio \u20ac an Personalkosten nur f\u00fcr die Lehrerschaft hat. Gerade die materielle Absicherung von Ideen und Experimenten, wof\u00fcr heute ungleich bessere M\u00f6glichkeiten bestehen, werden sehr stiefm\u00fctterlich im Schulbetrieb versehen. <\/p>\n<p>Wichtig ist auch die Disponibilit\u00e4t der Mittel. Die wenigen interessierten Sch\u00fcler, die wir noch haben, kommen heute mit Ideen, von denen wir gestern noch nichts wissen konnten &#8211; sie sind eben sch\u00f6pferische Wesen. Zudem bringt eine Planung, mal abgesehen vom Gesamtumfang, nichts.<\/p>\n<p>Dass man meine Anregungen nicht gerade h\u00f6ren mag und mir dazu einen Lehrerstatus abverlangt, bringt wohl zum Ausdruck, dass man solche eher von Lehrer- oder Sch\u00fclerseite zu erwarten gedenkt. Und wie sollten diese, in gewisser Weise an \u00dcberlastung leidenden, auf den Gedanken verfallen, dass sich die Zeiten derart ge\u00e4ndert haben, dass jeder angehalten ist, seine Rolle zu \u00fcberdenken?<\/p>\n<p>Sie sind durch die Feuer der Politik gegangen und in dieser Position angelangt, gehen sicher davon aus, dass alles immer besser wird. Dabei w\u00fcrde den Schulen mehr Autonomie und weniger Regelwerk guttun, womit es mit den Ratschl\u00e4gen nun auch sein Gen\u00fcgen haben soll.<\/p>\n<p><em>Mit vorwinterlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nDr. Christian Rempel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Minister Freiberg, ich hatte versucht, mich mit einem grunds\u00e4tzlichen Problem anl\u00e4sslich Ihrer Sprechstunde an Sie zu wenden, was aber abschl\u00e4gig beschieden wurde, da ich kein Lehrer sei. 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