{"id":423,"date":"2011-11-20T16:46:31","date_gmt":"2011-11-20T14:46:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=423"},"modified":"2023-12-08T23:01:05","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:05","slug":"kolumne-kw47","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/423","title":{"rendered":"Kolumne KW47"},"content":{"rendered":"<p>Erratum \u2013 ein M\u00e4rchen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEs war nicht unsere Absicht, ein unwohles Gef\u00fchl bei Ihnen zu hinterlassen\u201c, so die kul\u00adtivierte Antwort eines Gesch\u00e4ftsmanns, den wir angesprochen hatten und der leider nicht anders konnte, als seinen Beitrag zum Fest der Stille zu versagen.<\/p>\n<p>Die zweite Richtigstellung, die hier n\u00f6tig ist, w\u00e4re die, dass der besagte Markt gar nicht den Slogan hat: \u201eGeist ist geil\u201c, sondern ir\u00adgend\u00adwas mit pfiffig oder so. Ob wir das in unserem d\u00f6rflichen Milieu auch sagen k\u00f6n\u00adnen, ist nat\u00fcrlich die Frage. Wir haben es ja bei unseren M\u00e4rkten haupts\u00e4chlich mit Ber\u00adlinern zu tun, die zu unserem Fest der Stille wohl eher daheim auf dem Sofa ihrer gro\u00df\u00adst\u00e4d\u00adtischen Wohnungen sitzen werden.<!--more--><\/p>\n<p>Was uns auch noch nicht ganz klar ist, ist, wie man mit der Diskretion umgeht. Es sei bes\u00adser, gar keine Namen zu nennen, sagte meine Frau, sonst k\u00f6nnte eines Tages die Po\u00adlizei vor der T\u00fcr stehen. <\/p>\n<p>Kleiden wir unsere Erlebnisse, die nach den anf\u00e4nglichen R\u00fcckschl\u00e4gen dann viel positi\u00adver waren, in die Form eines M\u00e4rchens:<\/p>\n<p>Es war einmal eine Frau, die wollte das M\u00e4rchen \u201eDer Schneemann\u201c erz\u00e4hlen, das von Hans Christian Andersen ist. Zun\u00e4chst muss sie sich im Rechtsstaat versichern, dass der d\u00e4nische Autor auch schon sicher siebzig Jahre tot ist, weil sonst irgendwelche Instan\u00adzen daran verdienen wollen, auch wenn die Frau daran gar nichts verdient.<\/p>\n<p>Sie wollte, um das M\u00e4rchen zu erz\u00e4hlen, gern in einem Ohrensessel sitzen, doch wo diesen hernehmen, denn die Frau war nicht gerade reich. Da ging sie zu einer Gesch\u00e4fts\u00adfrau, deren Laden einen Namen f\u00fchrte, den ihr Herr Vater vor Jahren einmal gekauft hatte. Der Laden war sehr eintr\u00e4glich und auch viele Ohrensessel standen darin. Geld wollte die Gesch\u00e4ftsfrau der Frau, die das M\u00e4rchen erz\u00e4hlen wollte, nicht geben, aber einen Ohrensessel zu leihen, war ihr ein Leichtes.<\/p>\n<p>Die Frau bastelte sich verschiedene Figuren, die in dem M\u00e4rchen vorkamen. Dazu brauch\u00adte sie nur ein paar Luftballons, alte Zeitun\u00adgen, Wolle und Farbe, und nat\u00fcrlich kohlenschwar\u00adze Kn\u00f6pfe f\u00fcr den Schnee\u00admann.<\/p>\n<p>Aber wo sollte sie die Landschaft herneh\u00admen, wo das alles spielen sollte? Vor dem Sessel musste doch eine richtige Schnee\u00adlandschaft sein! In ihren Sorgen ging die Frau, die das M\u00e4rchen erz\u00e4hlen wollte, noch einmal dorthin, wo die Gesch\u00e4fte gemacht werden, und besah sich die Dinge, die als Landschaften gedacht waren.<\/p>\n<p>Diesmal kam der Gesch\u00e4ftsmann des Hauses pers\u00f6nlich und h\u00f6rte sich an, was die Frau vorhatte. Dieser Gesch\u00e4ftsmann war keiner, der nur in seinem B\u00fcro sitzt und das Geld z\u00e4hlt, sondern er war in seinem Hause immer unterwegs, ordnete mal dies und das, und alle Bediensteten hatten gro\u00dfe Achtung vor ihm.<\/p>\n<p>\u201eWie w\u00e4re es, wenn ich Ihnen diese Land\u00adschaft hier schenke\u201c, sagte der Gesch\u00e4fts\u00admann und stapelte und stapelte seine Land\u00adschaften um, bis die winterliche zum Vor\u00adschein kam, rollte sie selbst ein und geleitete die Frau, die das M\u00e4rchen erz\u00e4hlen wollte, freundlich zum Ausgang.<\/p>\n<p>Die Bediensteten, die das Haus zu bewachen haben, staunten da nicht schlecht und \u00fcberlegten, was wohl der Grund sein konn\u00adte, dass die Frau, die das M\u00e4rchen erz\u00e4hlen wollte, so einfach mit einer Landschaft da\u00advon\u00adgehen konnte, denn von dem M\u00e4rchen wussten sie nichts.<\/p>\n<p>Dann, dachte die Frau bei sich, brauche ich auch noch Licht auf den Ohrensessel, meine Figuren und die herrliche Schneelandschaft und besuchte noch einen Gesch\u00e4ftsmann, der allerdings nur selten anzutreffen ist, weil er im ganzen Lande unterwegs und mal hier mal dort f\u00fcr Strom und Licht sorgte.<\/p>\n<p>Diesmal war er aber gerade in seinen hyper\u00admodernen R\u00e4umlichkeiten, war auch sehr freund\u00adlich und bot der Frau, die das M\u00e4rchen er\u00adz\u00e4hlen wollte, sogar einen Kaffee an.<\/p>\n<p>Und was soll ich euch sagen, wie es dann wer\u00adden sollte mit dem M\u00e4rchen. Die Kinder konnten alles sehen, was im M\u00e4rchen erz\u00e4hlt wird, und wussten doch aber gar nichts von den freund\u00adlichen Gesch\u00e4ftsleuten.<\/p>\n<p>Im Waltersdorfe 20.11.2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erratum \u2013 ein M\u00e4rchen &nbsp; \u201eEs war nicht unsere Absicht, ein unwohles Gef\u00fchl bei Ihnen zu hinterlassen\u201c, so die kul\u00adtivierte Antwort eines Gesch\u00e4ftsmanns, den wir angesprochen hatten und der leider nicht anders konnte, als seinen Beitrag zum Fest der Stille&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/423\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-423","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=423"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4462,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423\/revisions\/4462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}