{"id":4219,"date":"2023-04-16T20:33:18","date_gmt":"2023-04-16T18:33:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4219"},"modified":"2023-12-08T22:59:04","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:04","slug":"einbestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4219","title":{"rendered":"Einbestellt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Einbestellt<\/strong><\/p>\n<p>Als nun Herrn Habeck oder Herrn Scholz nichts weiter einfiel, als auf ihre Worth\u00fclsen, die da sind \u201eNachhaltigkeit\u201c und neuerlichenfalls \u201eVernetzung\u201c zu starren, besann sich einer darauf diesen Herrn Goethe aus Weimar kommen zu lassen, was diesem allerdings eine beschwerliche Reise h\u00e4tte werden m\u00fcssen, da weder der ICE noch ein Aeroplan f\u00fcr diesen aus Weimar zur Verf\u00fcgung stand, und binnen kurzem von ihm ein Kassiber eintraf, auf dem stand: \u201eWer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion, wer beide Dinge nicht besitzt, der habe Religion.\u201c<\/p>\n<p>Da h\u00e4tte man auch gleich diesen Kant aus K\u00f6nigsberg kommen lassen k\u00f6nnen, so klang da der kategorische Imperativ durch, aber jene Stadt sei doch an Putin verloren.<\/p>\n<p>So im Nachdenken, was uns das Universalgenie Goethe h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen, fiel Herrn Habeck nur eines ein: \u201eMein Leipzig lob ich mir\u201c, und dachte dabei an das letzte Gelage mit seinen Parteifreunden.<\/p>\n<p>Aus Leipzig kam durch den Timetunnel nun wirklich ein Gelehrter, der sich als Gustav Theodor Fechner vorstellte, von dem die beiden Herren noch nie etwas geh\u00f6rt hatten, und Sie sicher auch nicht (alle hier angef\u00fchrten Zitate stammen aus dessen Werk Zend Avesta). Geduldig und gottesf\u00fcrchtig, wie dieser nun war, h\u00f6rte er sich erst mal die Vorstellungen an, die die beiden um die Natur anstellten. Das war es doch auch, was die Gr\u00fcnen gro\u00dfgemacht hatte, und man w\u00fcrde heute noch schneller nach Hamburg kommen, mit dem Transrapid etwa, h\u00e4tte es nicht die Gro\u00dftrappen entlang der Strecke gegeben, die das wohl zu verhindern wussten, doch nicht eigentlich sie, sondern die Menschen, die sich f\u00fcr sie einsetzten. So weit so gut.<\/p>\n<p>Eines Gottes haben die beiden Politiker da nicht bedurft und des Besitzes von Kunst und Wissenschaft konnten sie sich wohl auch nicht r\u00fchmen. So sahen sie etwas absch\u00e4tzig auf diesen verstaubten Gelehrten Fechner herab. H\u00e4tten sie Goethen vor sich gehabt, so h\u00e4tte dieser wohlweislich zu verschweigen verstanden, dass er im Grunde Pantheist war, f\u00fcr ihn also eine Identit\u00e4t zwischen Gott und der Natur best\u00fcnde. Fechner dagegen sah zwar alle m\u00f6glichen Kreise, die ansatzweise \u00fcber Bewusstsein und Vorausschau verf\u00fcgen, aber alle diese Kreise umfasst von einem, den man sich gr\u00f6\u00dfer gar nicht denken kann \u2013 und dieser sei eben Gott.<\/p>\n<p>Doch solche, bis in die Unendlichkeit hinaustragende Gedanken hegten die deutschen Politiker nicht mehr. Bestand doch ihre ganze Philosophie aus dem sog. unsichtbaren H\u00e4ndchen, das ja nun unm\u00f6glich eines der Gliedma\u00dfen des Allm\u00e4chtigen sein konnte, der zwar ebenfalls unsichtbar, aber sich eine Verniedlichung seiner Zornesfaust sicher verbeten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den meisten, hatte Fechner aber sowohl die Monarchia von Dante Alighieri als auch dem erkl\u00e4renden Aufsatz \u201eDie Menschheit als Mittel der Natur\u201c auf der Gedichtladenseite gelesen, auch wenn sich da nicht eines der Gedichte von Friedrich R\u00fcckert, seinem Lieblingsdichter, findet, was wir aber sogleich nachholen wollen:<\/p>\n<p>Auf Erden gehest du und bist der Erden Geist;<br \/>\nDie Erd erkennt dich nicht, die dich mit Bl\u00fcten preist.<br \/>\nAuf Sonnen stehest du und bist der Sonne Geist;<br \/>\nDie Sonn erkennt dich nicht, die dich mit Strahlen preist.<br \/>\nIm Winde wehest du und bist der L\u00fcfte Geist;<br \/>\nDie Luft erkennt dich nicht, die dich mit Atmen preist.<br \/>\nAuf Wassern gehest du und bist des Wassers Geist;<br \/>\nDas Wasser kennt dich nicht, das dich mit Rauschen preist.<br \/>\nIm Herzen stehest du und bist der Liebe Geist;<br \/>\nUnd dich erkennt das Herz, das dich mit Liebe preist.<br \/>\nFriedrich R\u00fcckert (1788 &#8211; 1866)<\/p>\n<p>\u201eFreilich habe ich das Herz am rechten Fleck\u201c, schwadronierte da der eine der Politiker, \u201eaber man h\u00f6rt, Sie s\u00e4hen in der Erde was, das k\u00f6nnte interessieren,\u201c<\/p>\n<p>&#8222;Was anderes tut der Mensch, als sein Moment zur F\u00fclle der Entwicklung der Erde herzugeben, ein im Hiersein kurzes, kleines, und die Erde geht gro\u00df und ewig durch den Himmel&#8220;, so Fechner. \u201eSo ewig ja nun auch wieder nicht, noch f\u00fcnf Milliarden Jahre werden es wohl sein.\u201c<\/p>\n<p>Immerhin, brachte da Fechner zum Ausdruck, Ewigkeiten k\u00f6nne man sich ja doch nicht denken. Er sah sich in dem B\u00fcro um, um ein Werkzeug zu entdecken, aber au\u00dfer einem leise vor sich hinf\u00e4chelnden Computer und ab und an eine St\u00f6rung durch beflissene Referenten, deutete hier nichts auf eine Werkstatt hin. Er versuchte es trotzdem:<\/p>\n<p>&#8222;In der Tat, wenn wir Werkzeuge machen, um in die Natur au\u00dfer uns zweckm\u00e4\u00dfig einzugreifen, d\u00fcrfen wir uns andererseits selbst als Werkzeuge ansehen, welche die gottbeseelte Natur gemacht hat, in sich zweckm\u00e4\u00dfig einzugreifen. &#8230; Wir sind innere Werkzeuge derselben, die sie mit Bewusstsein braucht; sie braucht sie eben mittels unseres Bewusstseins.&#8220;<\/p>\n<p>Stirnrunzeln: \u201ezweckm\u00e4\u00dfig eingreifen?\u201c, Bewahren und Verhindern, das sei doch eigentlich alles, was die Natur von uns fordert, von uns Gr\u00fcnen jedenfalls.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich auch  gottbeseelt, aber sich diesen gr\u00f6\u00dften aller Kreise zu denken, \u00fcbersteigt ja ohnehin das Menschenm\u00f6gliche. Aber immerhin seien wir in diesem Werkstattbilde eben Werkzeuge, wie man sich in einem allgemeineren als Mittel der Natur verstehen kann, wie wir j\u00fcngst zu erw\u00e4gen wagten.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist in jedem Fall sonderbar zu glauben, dass weniger Bewusstsein dazu geh\u00f6rte, ein bewusstes, als ein unbewusstes Werkzeug zu schaffen. Vielmehr muss das Bewusstsein des innerlich gemachten Werkzeugs selbst f\u00fcr das Bewusstsein des innerlich Machenden beweisen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Natur also als Macher, und wie schwach sei doch die Makers Szene in Deutschland, runzeln die auch nicht gerade als Macher gl\u00e4nzenden Politiker wieder die Stirne.<\/p>\n<p>&#8222;Wir sind im Zusammenhange der ganzen Werkstatt der Natur zweckm\u00e4\u00dfig erfunden und eingerichtet worden, und dienen nun jeder besonderen Zwecken darin.&#8220;<\/p>\n<p>Dass sie besonderen Zwecken dienen, fanden die beiden Politiker f\u00fcr sich sehr einleuchtend, wollten das aber den Genetic Engineers nicht zugestehen. Auch nicht den Physikern, die ihnen nun nach Jahrzehnten die ebenfalls nicht ganz saubere Kernfusion zu F\u00fc\u00dfen legen wollen. Das Gef\u00fchl des Gegeneinander statt eines Miteinander im Interesse der Natur und meinetwegen der Mutter Erde \u00fcberwiegt irgendwie. Dabei k\u00f6nnte der Gedanke nahe liegen, dass das Wohl der Menschheit und der Natur in gewisser \u00dcbereinstimmung stehen. Solange allerdings nur, wenn man diesen ganzen Unsinn von einer bewussten Natur und einer bewussten Mutter Erde glauben wolle, wie sich dieses Werkzeug oder Mittel Mensch als tauglich erweist. F\u00fcr die Natur als Mittel in sich einzugreifen, sich nicht nur zu erhalten, sondern einem Ziele zuzustreben.<\/p>\n<p>Fechner r\u00e4umt da gewisse Periodizit\u00e4ten ein, er denkt ja an fast alles. Alles gel\u00e4nge eben mal besser und mal schlechter. Selbst f\u00fcr das Nichtmachbare hat er einen Trost:<\/p>\n<p>&#8222;Viel Hindernisse der Natur, die wir nicht zu \u00fcberwinden wissen, sollen auch nicht \u00fcberwunden werden, weil sie h\u00f6heren Zwecken dienen.&#8220;<\/p>\n<p>Dann brauchen wir uns also nur noch den Kopf zu zerbrechen, was die h\u00f6heren Zwecke sein sollten. Vielleicht Albert Schweitzers Ehrfurcht vor dem Leben.<\/p>\n<p>Das alles seien doch recht angestaubte Begriffe, das mit dem Dienen und nun noch Ehrfurcht, Gottesfurcht gar. Am besten, man setzt ihn wieder in den ICE, diesen Gustav Theodor Fechner, denn so genau wollte man es nun auch wieder nicht wissen.<\/p>\n<p>Und nun wurschtelt man weiter \u2026<\/p>\n<p><em>C.R. 16.4.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einbestellt Als nun Herrn Habeck oder Herrn Scholz nichts weiter einfiel, als auf ihre Worth\u00fclsen, die da sind \u201eNachhaltigkeit\u201c und neuerlichenfalls \u201eVernetzung\u201c zu starren, besann sich einer darauf diesen Herrn Goethe aus Weimar kommen zu lassen, was diesem allerdings eine&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4219\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-4219","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4219"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4219\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4220,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4219\/revisions\/4220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}