{"id":4165,"date":"2022-12-27T22:14:24","date_gmt":"2022-12-27T20:14:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4165"},"modified":"2023-12-08T22:59:05","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:05","slug":"die-ewige-suche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4165","title":{"rendered":"Die ewige Suche"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die ewige Suche<\/strong><\/p>\n<p>Gibt es ein Patentrezept f\u00fcr das Gl\u00fcck? Einer, der das Zeug zum Guru hat, obwohl er sicher keiner sein m\u00f6chte und doch hunderte in seinen Bann zieht, Daniele Ganser, hat immerhin die Gabe, die Sachen auf den Punkt zu bringen. Dachte man doch fr\u00fcher, dass es materielle Dinge sein k\u00f6nnten, die das Gl\u00fcck nach sich ziehen, wie eben ausreichend zu essen zu haben, oder wenn alle materiell gleichgestellt w\u00e4ren, es kein oben und kein unten mehr g\u00e4be, so erwies sich das alles bei n\u00e4herem Hinsehen als Irrtum.<\/p>\n<p>Auch die ganz individuelle Schiene, dass man mit sich selbst doch wohl am meisten verbandelt w\u00e4re und ein gesunder Egoismus eben dieses Patentrezept sein k\u00f6nnte, ist offenbar ein Holzweg.<\/p>\n<p>Am ehesten w\u00fcrde man wie Paracelsus sagen k\u00f6nnen, alles sei Gift und es k\u00e4me auf die richtige Zusammenstellung und Dosierung an. Sicher zu sein scheint auch, dass es ohne Insichgehen nicht geht, ganz wie Novalis sagt: Der wundersame Weg f\u00fchrt nach Innen. Da kommt es dann allerdings darauf an, wie viele andere man da noch findet, welchen Anteil in einem Mutter Theresa ausmacht oder was man auf diesem Wege, zum Beispiel indem man Musik h\u00f6rt, f\u00fcr Schl\u00fcsse zieht. Der Begriff der Demut als wichtigstes Element, ist mir erstmalig sehr von einem theoretischen Physiker nahegelegt worden, von dem man am wenigsten die damit verbundene Dummheitshypothese verbinden konnte. Denn was l\u00e4sst sich nicht alles mit dem\u00fctigen Menschen veranstalten?: Arbeitstiere, Stimmvieh, Halm im Winde, und was wir nicht alles f\u00fcr Bilder entlehnen aus der Natur, die wir doch f\u00fcr minderbemittelt zu halten gewohnt sind.<\/p>\n<p>Besonders zum Ungl\u00fcck neigen die K\u00fcnstlerseelen, die ja nicht nur Vorreiter in den Ideen sind, sondern auch besonderen seelischen Leiden zug\u00e4nglich sind. Hat man mit solch einer Seele zum Beispiel als Monarch zu tun, wie in Goethes Torquato Tasso, hilft es wenig, dass ihm ein warmes Bett, gutes Essen und sogar eine geradezu abergl\u00e4ubische Verehrung zuteil werden. Er wird sein Talent so bedroht sehen von den leisesten Zweifeln, ob dies denn wirklich das Ma\u00df aller Dinge ist, er wird das Lob geradezu einfordern und es dabei noch als ehrlichen Herzens gegeben ansehen, er wird wohlwollende Achtung mit Liebe verwechseln, im Grunde an sich selbst verzweifeln und dann wie ein Vulkan auf alle losgehen, denen er sein \u00fcberspanntes Leiden nur zuschreiben kann.<\/p>\n<p>So lange es also K\u00fcnstlerseelen gibt, wird es auch noch die Eitelkeit und inneres Zusammenbrechen geben, es also nichts \u00fcbrigbleibt, als diese gleich mal vom Patentrezept auszunehmen.<\/p>\n<p>Wessen gegen\u00fcber soll man nun dem\u00fctig sein ohne als Dummerjan zu gelten? Die Antwort ist simpel und auf den ersten Blick nichtssagend: Wir sollen dem\u00fctig sein gegen\u00fcber der Natur, die uns hervorgebracht hat als Mittel zu ihrer Erhaltung und Vervollkommnung. Wie weitreichend dies ist, soll an einigen Beispielen erhellen:<\/p>\n<p>Natur begegnet uns im allt\u00e4glichen Leben, wenn wir ein Essen zubereiten, das wir dann genie\u00dfen und in seine Bestandteile verdauen, oder die Axt an einen Baum legen wollen, wenn er einem Fundament f\u00fcr ein weiteres Haus im Wege ist. Da haben wir jeweils die Notwendigkeit zu bedenken und dabei werden wir gewahr, ob das so in Ordnung war.<\/p>\n<p>Natur begegnet uns auch in der Arbeit, wenn wir ausnahmsweise nicht nur mit Produkten handeln, sondern wir erw\u00e4gen m\u00fcssen, wie viel von dem nat\u00fcrlichen Material \u00fcberhaupt zur Verf\u00fcgung steht und in wessen H\u00e4nden es sich befindet. Natur ist also auch Rohstoff, f\u00fcr dessen Erlangung man dankbar sein kann.<\/p>\n<p>Natur begegnet uns heute zunehmend auch in seiner kleinsten Form, den Lichtteilchen und Elektronen, die wir in den Dienst stellen, um Nachrichten zu generieren, zu \u00fcbertragen und zu speichern. Da lautet die Frage an die Natur, ob diese Informationen es wert sind, dass wir sie mittels der Mikrowelt generieren, \u00fcbertragen und speichern, und was wir damit anrichten. Diese Welt ist so desolat, dass es nur wenige sind, denen man dankbar sein kann.<\/p>\n<p>Natur sind nat\u00fcrlich auch unsere Mitmenschen, die nun erst hier ins Spiel kommen, soweit wir nicht auch schon diesen verpflichtet sind, um die vorgenannten Ziele zu erreichen. Nicht jedem Obdachlosen in der Welt kann man weiterhelfen, indem man seinen Mantel mit ihm teilt oder ihn zu einem Bad bei sich einl\u00e4dt. Allein das ist wieder eine ganze Welt, mit der sich die Religionen und Moralvorstellungen besch\u00e4ftigen und f\u00fcr den man keinen ernstgemeinten Dank erwarten kann, wie man sich doch \u00fcberhaupt vor Erwartungen h\u00fcten sollte. Die Natur der Mitmenschen zu verstehen, ist eine sehr wichtige Aufgabe, aber reiht sich hier eben ein.<\/p>\n<p>Als f\u00fcnftes sind wir selber nat\u00fcrlich auch Natur, geh\u00f6ren erfreulicherweise dazu und sind selbst ein Universum, in dem f\u00fcr Ordnung und Wohlergehen zu sorgen ist. Das wird heute manchmal \u00fcberbetont, denn man selbst ist nicht das Ma\u00df aller Dinge. Wollen wir doch im Herzen nicht alle Kapitalisten innerer Reicht\u00fcmer werden. Wenn einem danach ist, und man verstanden hat, das bis zur plausibler Weise als Universum verstandenen Welt, man es mit Natur zu tun hat und diese Natur auch manchmal Revolution\u00e4res von einem verlangen k\u00f6nnte, kann man zu einer anderen Perspektive kommen.<\/p>\n<p>Halten Sie sich jedenfalls auf dem Laufenden, was uns die Natur zu sagen hat.<\/p>\n<p><em>Christian Rempel zu Zeuthen 27.12.22<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ewige Suche Gibt es ein Patentrezept f\u00fcr das Gl\u00fcck? 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