{"id":415,"date":"2011-11-13T19:19:23","date_gmt":"2011-11-13T17:19:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=415"},"modified":"2023-12-08T23:01:05","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:05","slug":"kolumne-kw46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/415","title":{"rendered":"Kolumne KW46"},"content":{"rendered":"<p>Sponsoren, Sponsoren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch bin aus Waltersdorf, k\u00f6nnten Sie sich vorstellen das Fest der Stille zu unterst\u00fct\u00adzen?\u201c Was dann folgt, ist, dass man von oben bis unten gemustert wird. Wieder einer, der betteln kommt.<\/p>\n<p>Eine Methode der diversen L\u00e4den, die es in Waltersdorf gibt, ist, dass man so tut, als k\u00e4men t\u00e4glich solche Bettler daher und man h\u00e4tte schon des Guten zu viel getan, indem man immer und immer wieder gab, aber der Reigen kein Ende nimmt. An k\u00fchler Freund\u00adlich\u00adkeit l\u00e4sst man es nicht fehlen, aber gibt nichts.<\/p>\n<p>Eine andere Methode, wie sie bei Media\u00admarkt und etwas sympathischer bei der Metro praktiziert wird, dass man doch ein gro\u00dfes Unternehmen sei und da gibt es so was wie eine Firmenpolitik. Diese schreibt nun leider etwas vor, und man gibt eben nichts.<!--more--><\/p>\n<p>Die dritte Methode solche Schmei\u00dffliegen los zu werden, besteht darin, dass man erst mal taxiert, ob der Bittsteller oder noch besser die Bittstellerin auch attraktiv ist. Als Mann hat man da eigentlich nur die Option, recht dem\u00fctig und dennoch unterhaltsam zu sein. Es folgen dann, je nach Attraktivit\u00e4t, ein paar Ratschl\u00e4ge, wie man so etwas richtig macht. Es werden M\u00e4rchen vom Tischlein Deck Dich aufgebl\u00e4ttert, wo Leute, wenn es um Kinder geht, nur so die Tausend Euro Scheine (gibt es die \u00fcberhaupt?) aus ihren Taschen fallen lassen. Die zugesagte Hilfe wird als ganze Klei\u00adnigkeit dargestellt, die doch eigentlich gar nicht der Rede wert sei. Der Bittsteller geht im Gef\u00fchl seiner Inferiorit\u00e4t, aber auch im Bewusstsein, dass ihm eben definitiv geholfen worden ist. Er wartet auf eine \u00dcberweisung oder auf eine materielle Zu\u00adwen\u00addung, aber es passiert nichts. Man hat sich von gewieften Gesch\u00e4ftsleuten auf den Arm nehmen lassen und man bekommt nichts.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnauer Stra\u00dfe im Waltersdorfer Ge\u00adwerbe\u00adgebiet ist ein Limes. N\u00f6rlich davon sind riesige Parkpl\u00e4tze und die meisten Einkaufs\u00adzentren. Namen wie H\u00f6ffner, Mediamarkt, Toys are us, Netto und Pfennigpfeiffer, die einen guten Umsatz haben, aber trotzdem alle nichts f\u00fcr Waltersdorf \u00fcbrig haben und pfeifen eben auf die ehemalige Heimat\u00adgemeinde. Das tollste Haus, Teppich Kibek, sagt wenigstens ver\u00adbind\u00adliche schriftliche Auskunft zu, aber bei Mediamarkt be\u00adschleicht einen in der Haus\u00adleitung das Gef\u00fchl unter Maffiosi geraten zu sein, die doch auch Geilheit zu ihrem Wahl\u00adspruch gemacht ha\u00adben. Ich jedenfalls werde dort nichts mehr kaufen nach diesem Blick hinter die Kulissen.<\/p>\n<p>S\u00fcdlich dieses Limes, im Lilienthalpark darben die Firmen. Es ist Samstag Vormittag g\u00e4h\u00adnend leer und die wirtschaftlichen Verluste lassen sich erahnen. Trotzdem wird man als Bittsteller irgendwie hektisch abgefertigt, wenn man nicht gerade einen Termin nach der Methode drei hat.<\/p>\n<p>Eine l\u00f6bliche Ausnahme ist die Familie Mette, denen das Autohaus Kossert geh\u00f6rt. Nach\u00addem wir uns schriftlich dargestellt hatten, ge\u00adhe ich noch mal hin, und ratz fatz haben wir eine Spende, die Stunden sp\u00e4ter auf dem Ei\u00adtel Kunst Vereinskonto ist.<\/p>\n<p>Am meisten Erfolg hatten wir noch direkt im Dorf, wo zwar auch kaum Einheimische handeln und werkeln, fast alle sind Berliner, aber man kennt vielleicht noch den Gedicht\u00adladen in der Schulzendorfer Stra\u00dfe, wo wir herkommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B: \u201eM\u00f6chten Sie nicht Sponsor werden,<br \/>\nzum guten Zweck zum Fest der Stille?\u201c<\/p>\n<p>S: \u201eViel Gutes tat ich schon auf Erden,<br \/>\nSie fortzuschicken ist mein Wille.\u201c<\/p>\n<p>B: \u201eDann sei f\u00fcr diese Antwort dank,<br \/>\ndass Sie mich wenigstens erh\u00f6rten.\u201c<\/p>\n<p>S: \u201eSie spielten sicher nur va banque,<br \/>\ndie Wahrheit ist, dass Sie mich st\u00f6rten.\u201c<\/p>\n<p>B: \u201eVielleicht ein wenig Sie bedichten?\u201c<br \/>\nS: \u201eDarauf kann ich ganz gut verzichten.\u201c<\/p>\n<p>B: \u201eEin Spottgedicht so als moqueur.\u201c<br \/>\nS: \u201eSie wollen spotten, so als wer?\u201c<\/p>\n<p>B: \u201eMehr Heine so als Goethe, mein ich.\u201c<br \/>\nS: \u201eNun gut, ich glaub, wir sind uns einig.\u201c<\/p>\n<p>B: \u201eSie wollen unsre Kontonummer?\u201c<br \/>\nS: \u201eWenn`s sein muss, ja, Sie Neumaldummer.\u201c<\/p>\n<p>Im Waltersdorfe 13.11.2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sponsoren, Sponsoren! &nbsp; \u201eIch bin aus Waltersdorf, k\u00f6nnten Sie sich vorstellen das Fest der Stille zu unterst\u00fct\u00adzen?\u201c Was dann folgt, ist, dass man von oben bis unten gemustert wird. 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