{"id":4139,"date":"2023-05-07T13:00:32","date_gmt":"2023-05-07T11:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4139"},"modified":"2023-12-08T22:59:04","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:04","slug":"kinder-fuer-amerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4139","title":{"rendered":"Kinder f\u00fcr Amerika"},"content":{"rendered":"<p><em>SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH &#038; Co. KG Ericusspitze 1, 20457 Hamburg<\/em><\/p>\n<p><strong>Kinder f\u00fcr Amerika \u2013 ein Fragment<\/strong><\/p>\n<p><em>Kabale und Liebe<\/em><\/p>\n<p>Erstens: Einen bedr\u00fcckenden Film sahen wir letztens: Kinder f\u00fcr Amerika, in dem Schiller seinem Leid um den Menschenhandel Ausdruck gab, das er, wie viele andere F\u00fchlende in seinem Fall unter Carl Eugen erlitt. Davon findet sich wenig in Kabale und Liebe und f\u00fcr die meisten d\u00fcrfte das der Tod zweier sich schlicht und kaum nachvollziehbar Liebender sein. Die gesellschaftliche Dimension haben erst die genialen Defa Filmemacher erschlossen und den bedr\u00fcckenden Aspekten der DDR hinzugesellt.<\/p>\n<p><em>Mister Beam<\/em><\/p>\n<p>Zweitens kam uns dieser Tage zu Ohren, dass Mr. Beam (Anton Zeilinger), nicht Mr. Bean, einen Nobelpreis teilen musste, den er ganz allein verdient h\u00e4tte, und man dieses Komitee ein bisschen r\u00fcgen muss, dass sie ihm zwei Unbekannte zugesellte. Nur er hat n\u00e4mlich die philosophische Dimension erschlossen, die die Physiker, die dar\u00fcber in Stockholm entschieden, schlicht \u00fcbersehen hatten. Dazu bei Interesse vielleicht<br \/>\nmal sp\u00e4tere Einlassungen Dass dies einem Experimentator gegeben ward, spricht doch wieder f\u00fcr Dante, der das Primat der praktischen Vernunft postulierte, wie wir doch auch alles Praktische wieder mehr sch\u00e4tzen lernen sollten.<\/p>\n<p><em>Die Weisheit der Natur<\/em><\/p>\n<p>Drittens sei, wieder Anton folgend, verraten, dass die Natur eine Eigenschaft hat, die wir m\u00fchsam nachzuahmen uns anstellen und einige dar\u00fcber glatt die Nerven verlieren, sich ankleben, in der Hoffnung, verschont zu bleiben, als seien sie selbst das wichtigste, sch\u00fctzenswerteste, was wir haben. Die Natur kettet sich nicht an, tut brav ihren Dienst und ist hoffentlich noch weit davon entfernt, die Nerven zu verlieren. Was ist nun diese Eigenschaft, die wir nur schwach nachzuahmen im Stande sind? Es ist dies die Eigenschaft, alle M\u00f6glichkeiten in Betracht zu ziehen und sich dementsprechend zuentscheiden.<\/p>\n<p>Das klingt recht banal, wenn man nicht weiter dar\u00fcber nachdenkt, aber ist es nicht so, dass heute viele Menschen, man nenne sie Umweltsch\u00fctzer, F\u00fchlende oder Verschw\u00f6rungstheoretiker, insofern n\u00fctzlich sind, dass sie uns ein paar mehr M\u00f6glichkeiten aufzeigen, was alles sein k\u00f6nnte, als sich mancher, der nur m\u00e4\u00dfig interessiert ist, denkt. Nur mit dem, nicht die Nerven dabei zu verlieren und sich klar zu entscheiden, wie es die verschr\u00e4nkten Teilchen mit der von Einstein als spooky interaction gebrandmarkten Verst\u00e4ndigung tun, hapert es noch. Einstein sah seine These in die Br\u00fcche gehen, dass die Lichtgeschwindigkeit das h\u00f6chste ist. Wie er wohl auch annahm, dass sein Gott das h\u00f6chste ist.<\/p>\n<p><em>Die Weisheit von Herrn Dosch<\/em><\/p>\n<p>Da machen sich die meisten nicht die M\u00fche dar\u00fcber nachzudenken und offenbar die von uns bestallten und recht gut bezahlten Physiker auch nicht. Jedenfalls erh\u00f6rt ein Herr Dosch keinen kleinen Experimentalphysiker, der doch eigentlich auch nur ein Techniker ist, weil er doch so viel zu tun hat. Die Nobelpreise erkl\u00e4rt er so sch\u00f6n und beinahe lebendig und muss sich dabei der D\u00fcmmlichkeit der Medien auszusetzen, die ihn hoffentlich f\u00fcrstlich f\u00fcr sein Wissen entlohnten.<\/p>\n<p>Alles wissen kann man nat\u00fcrlich nicht, denn die Wahrheiten liegen vor uns wie ein Bl\u00fctenteppich, wo man sich wohl entscheiden muss, ob man etwas davon pfl\u00fcckt oder den uns von der Natur gemachten Anblick lieber f\u00fcr andere bewahrt.<\/p>\n<p>Und wie wir den Horizont gewahren, an dem man sich erfreuen kann, aber nie erreichen, weil sich immer wieder ein neuer offenbart, weshalb uns Gott eine Kugel zu Wohnstatt gab, auf dass wir diese einfache Wahrheit lernen.<\/p>\n<p><em>Abenteuer<\/em><\/p>\n<p>Freilich ist durch diese aufkl\u00e4rerische Leistung unsere Welt um k\u00fcnstlerisch und geistige Vorstellungen \u00e4rmer geworden, denn um wieviel besser sieht es sich an, wenn eine Scheibe von vier Elefanten getragen ist, wir uns aufmachen k\u00f6nnen zum Ende der Welt, dort herunterfallen ins Ungewisse oder von Seeschlangen gefressen werden, an denen wir unsere Phantasie und unseren Mut trainieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Fast k\u00f6nnte man auf die abstraktere Vorstellung der H\u00f6lle verzichten, wenn es noch derartige Abenteuer zu bestehen g\u00e4lte, wie vielleicht noch zu Zeiten der deutschen Duodezf\u00fcrsten gew\u00e4hnt, und man konzedieren muss, dass die Mehrheit der Kinder f\u00fcr Amerika \u2013 um endlich mal auf das Thema zu kommen \u2013 auch einen Gutteil Abenteuerlust hatte und h\u00e4tte man in dieser tragischen Gruppierung mehrheitlich entschieden, man eben mal die Dr\u00fcckeberger erschie\u00dft.<\/p>\n<p><em>Es der Natur gleichtun<\/em><\/p>\n<p>Wir haben nun zwei Voraussetzungen bei der Hand: Wir wollen es der Natur nachtun und mit unserem Spatzenverstand die M\u00f6glichkeiten einbeziehen, die uns einfallen, was den Datenschutz bei Jugend forscht (\u2013 wir fordern Jugend) betrifft. Wir wollen uns auch, wie es die Natur tut, uns nach Lage der Dinge entscheiden. Und wir wollen drittens nicht die Nerven verlieren, es damit zum dritten der Natur gleichtun und M\u00f6glichkeiten ausschlie\u00dfen, die keine sind, sondern wo wir uns inkompetenter Weise etwas zusammengesponnen haben \u2013 eben wie Verschw\u00f6rungstheoretiker, zur Abwechslung mal im abf\u00e4lligen Sinne.<\/p>\n<p><em>Die Diamanten des Himmels<\/em><\/p>\n<p>Wenn man also eine Einladung zu einer Alumni- (das sind so etwas wie gewesene Freunde, die mal in Studien oder gemeinsamer T\u00e4tigkeit eng zusammen waren) Veranstaltung bekommt, in dem Glauben, dass unser kleiner Bruder BRD (Der Titel des gro\u00dfen Bruders war leider schon vergeben) uns liebte und als Deutsche ansah, die mal schon immer auf dem Weg in eine Gesellschaft ohne Staat und ohne Stasi gewesen waren, aber gewissen Illusionen \u00fcber die Entwicklung einer Gesellschaft und deren Individuen aufgesessen waren, wenn man also den arbeitenden und forschenden Ossi ein ganz klein wenig lieben w\u00fcrde und vielleicht sogar von diesem Abenteurer etwas lernen wollte, gerade weil doch seltsamer Weise das westliche Bildungssystem irgendwie krankt, obwohl es im Deutschen Bundestag von Lehrern wimmelt, die aber wahrscheinlich noch nie etwas von Margot Honecker geh\u00f6rt haben und wohl auch ein bisschen das Denken vernachl\u00e4ssigten, und man in der gegenw\u00e4rtigen Geldgesellschaft immer nur einen Einfall hat: In irgendetwas Geld zu pumpen, und sich einen Effekt zu versprechen, wenn man zentnerweise Whiteboards und Computer einkauft, ohne auch nur im geringsten an die damit verbundenen Gefahren zu denken, die im Volksmund unter Elektrosmog subsummiert werden, den ich aber nur f\u00fcr eine Metapher einer wirklich bedrohlichen M\u00f6glichkeit halte: n\u00e4mlich das Wertvollste, was wir als Menschen besitzen, meistens selbst in der uns bekannten Natur gesch\u00fctzt wird, n\u00e4mlich die \u201eDiamanten des Himmels\u201c, die wir zu schleifen haben, und das nicht nur in einem zackigen Sportunterricht, dass wir diese in Gefahr bringen, wider Willen zu gl\u00e4sernen Personen zu werden.<\/p>\n<p><em>Fein s\u00e4uberlich digitalisiert<\/em><\/p>\n<p>Da werden sich s\u00fcndhaft teure Server in den Keller gestellt, die von gut bestallten IT Mitarbeitern m\u00fchsam beherrscht werden, jede Nacht den roots error ausspucken und das keinem zu denken gibt (dabei meldet sich da die Natur). Da schadet der Kreidestaub den ach so geliebten Computern und man macht jede Regung des Lehrers oder Sch\u00fclers zur Datenware, indem man sie auf ein Whiteboard projiziert, dessen gesamte Informationsmenge zug\u00e4nglich ist.<br \/>\nDa wird eine ganze Mannschaft an Datensch\u00fctzern in Landesanstalten aufgeboten, da wird Whats App verboten, dass der b\u00f6se Ami nichts von unserem Lehrbetrieb mitkriegt, von dem er sowieso nichts lernen kann, denn was f\u00fcr die DDR galt: Wer von uns lernt, wird um Jahre zur\u00fcckgeworfen, gilt sicher auch f\u00fcr unser ach so teures, ach so modernes Bildungssystem, das nach Geld schreit und immer mehr Geld hineinflie\u00dft, und nichts besser wird.<br \/>\nDer Datenfluss l\u00e4sst sich nicht eind\u00e4mmen, wir sollten endlich schwimmen lernen, so wie ich hier einfach mal als gl\u00e4serne Person, die in den einst klaren Wassern kaum wahrzunehmen ist, in der Welt schwimme und noch nicht mal Wasser schluckte, oder wenn doch, dann mit gro\u00dfem Genuss.<br \/>\nIn den Jugend forscht Dateien sind nun all unsere Talente verzeichnet, was sie in zartestem Alter vollbracht und geforscht haben. Diese Daten werden nicht gerade sorgf\u00e4ltig verwaltet, sodass man als gar nicht anerkannter Alumnus dann schon mal pauschal angeschrieben wird, und wenn man auf so eine Einladung eingeht, das auch wieder in der Datenmasse erscheint.<\/p>\n<p><em>Die M\u00e4chte der T\u00e4uschung<\/em><\/p>\n<p>Eine bekannte Schamanin ist der Meinung, es g\u00e4be keinen Plan. \u00dcberhaupt sei es falsch von b\u00f6sen Absichten auszugehen. Es war schon immer so, dass, wenn man sich ein Feindbild aufbaut, man damit bestraft wird, dass man diesem Feind immer \u00e4hnlicher wird. Sie spricht eher von den M\u00e4chten der T\u00e4uschung deren man sich wohl erwehren kann.<br \/>\nDie M\u00e4chte der T\u00e4uschung, in deren Verhinderung wir so viel Geld investieren und mit diesem, unserem Geld gleichsam auch f\u00fcttern, haben doch schon l\u00e4ngst die Herzen unserer Diamanten erobert. Notfalls unter der Schulbank, deren offizielles Leben kaum noch den Sch\u00fcler angeht, lassen sie die M\u00e4nnchen h\u00fcpfen, erobern sich einen score &#8230;<\/p>\n<p><em>Noch ein paar Erl\u00e4uterungen:<\/em><\/p>\n<p> 1. spooky interaction nannte Einstein, dass offenbar zwei verschr\u00e4nkte Photonen (Lichtteilchen), die sich sogar an unterschiedlichen Enden des Universums befinden k\u00f6nnen, untereinander die Information instantan austauschen k\u00f6nnen, dass dem einen Teilchen etwas passiert ist. Dementsprechend verh\u00e4lt sich dann das andere. Das passiert instantan, d.h. nicht mit Lichtgeschwindigkeit, die sonst bei der Nachrichten\u00fcbertragung das H\u00f6chste ist, sondern im gleichen Moment. Das fand Einstein spukhaft und konnte nicht daran glauben.<\/p>\n<p> 2. Im Parlament, also unserer Quasselbude, sitzen wohl nicht \u00fcberwiegend Lehrer, sondern Rechtsanw\u00e4lte. Die Lehrer h\u00e4tten von Margot Honecker durchaus geh\u00f6rt, sie gilt den Wessis als grausige Ministerin, die aber wohl ein gut funktionierendes Bildungssystem zustande brachte.<\/p>\n<p> 3. Die Verschw\u00f6rungstheoretiker versuchen es der Natur gleichzutun, die offenbar \u00fcber eine h\u00f6here Intelligenz als wir verf\u00fcgt. Sie versuchen, wie diese, auch alle M\u00f6glichkeiten in Betracht zu ziehen und sind insofern zu loben. Allerdings bleiben sie gegen\u00fcber der Natur zur\u00fcck, indem sie auch M\u00f6glichkeiten einbeziehen, die keine sind, diese nicht ausreichend auf Wahrheit und Plausibilit\u00e4t pr\u00fcfen.<\/p>\n<p> 4. Scheint es nicht auf Anhieb verst\u00e4ndlich, was diese Diamanten des Himmels sind, die wir zu schleifen haben. Diese Diamanten des Himmels sind unsere Kinder, nicht nur die leiblichen, sondern auch die uns anderweitig anvertrauten.<\/p>\n<p><em>Christian Rempel, Zeuthen, den 5.11.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH &#038; Co. 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