{"id":4008,"date":"2022-09-04T18:39:45","date_gmt":"2022-09-04T16:39:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=4008"},"modified":"2023-12-08T22:59:05","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:05","slug":"oh-koenig-johann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4008","title":{"rendered":"Oh K\u00f6nig Johann"},"content":{"rendered":"<p><strong>Oh K\u00f6nig Johann<\/strong><\/p>\n<p>Fast auf den Tag ist er 150 Jahre tot. Sein Anwesen in Jahnishausen ein Ort der Erinnerungen an die Segnungen einer Monarchie, dabei hatten die Monarchen es schwer und hielten es f\u00fcr unter ihrer W\u00fcrde, den Kontakt zum Volk zu halten. Mit Blick auf die polnische Krone waren sie katholisch, wo doch ganz Sachsen eher der Reformation zuneigte und so f\u00fchrten sie ihre Prozessionen, abgeschieden von der \u00d6ffentlichkeit in der Hofkirche durch, statt durch die Stra\u00dfen Dresdens zu ziehen. Trotzdem kommt in Sachsen Sehnsucht nach der Monarchie auf, und an einem der Tage, den die UnDichter aus aller Herren L\u00e4nder in Jahnishausen weilten, wurde gerade wieder des weisen K\u00f6nigs Johann im Schlosspark gedacht. Das Programm brachte es auf etwa eine Stunde und konnte ohne gro\u00dfen Verlust vorzeitig abgebrochen werden.<\/p>\n<p>Zweieinhalb Stunden hatte dagegen die Vereinsdemokratie gebraucht und wurde von den beiden G\u00e4sten, die ich mitgebracht hatte, als etwas \u00e4tzend empfunden. Dass der eine das und der andere jenes m\u00f6chte, liegt in der Natur unserer individualisierten Gesellschaft, in der man sich nur schlecht damit abfinden kann, wenn etwas nicht genau nach eigenem Gusto ist, und Gestaltung soll dann hei\u00dfen, dass in Streitfragen die H\u00e4nde zur Abstimmung gehoben werden.<\/p>\n<p>Der Vorsitzende f\u00fcrchtet sich vor dem Label Vereinsstalin zu sein, der doch pflegte, pfeiferauchend vor seinem parlierenden Parlament auf und abzuschreiten, doch wenn er die Pfeife mal aus dem Mund nahm, verstummte der aktuelle Redner und mit ihm der ganze Saal, denn es war immer etwas Wesentliches zu erwarten. Es ist aus der Mode gekommen, Pers\u00f6nlichkeiten zu verehren, und irgendwie sind die Pers\u00f6nlichkeiten auch nicht mehr danach. Warum sollten wir nicht wieder daran denken, Duodezf\u00fcrsten zu k\u00fcren, denen man bis zu einer Revolte erst mal freie Hand l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Dass nun keiner mehr danach strebt oder es sich nicht eingesteht, ein solcher Duodezf\u00fcrst, also ein Herrscher \u00fcber ein begrenztes Zwergenreich oder nur eine Sache zu sein, darin liegt ein gro\u00dfer Verlust an Effizienz und letztlich gehen da auch die Farben verloren. Es gibt wohl kaum Beispiele, dass je Kunstwerke oder auch nur ordentliche Arbeit aus einer Situation hervorgegangen w\u00e4ren, wo man dem Sch\u00f6pfer nicht freie Hand lie\u00df. Freilich war Michelangelo vom Papst geknechtet, aber der wird ihm die Sixtinische Kapelle nicht vorgenmalt haben, sondern so recht und schlecht damit zufrieden gewesen sein, was alle Welt noch heute bewundert.<\/p>\n<p>Wir haben leider durch die Wirrungen der Demokratie verabs\u00e4umt, solche Personen heranzubilden, doch wenn man Stalin da ruhig mal einbeziehen m\u00f6chte, so hatte er eben ein nat\u00fcrliches und durch Klassenkampf gest\u00e4hltes Talent dazu, das sogar noch f\u00fcnf Jahre nach seinem Tod weiterwirkte. Wie das andere Autokraten, vor denen wir noch mehr Angst haben, geschafft haben, m\u00f6chte ich gern der selbst\u00e4ndigen \u00dcberlegung des Lesers \u00fcberlassen.<br \/>\nDas alles hat jedenfalls in dramatisch kurzen Zeiten zu beachtlichen Effekten gef\u00fchrt, wenn man an das Leninzitat denkt: Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elekrifizierung, aus der unsere Herrschenden wegen ein bisschen sch\u00e4dlicher Nebeneffekte am liebsten aussteigen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die UnDichter m\u00fcssen erst mal nicht f\u00fcrchten, dass bei ihnen das Licht ausgeht oder dass sie die Ration Spagetti beim Vereinsmahl nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen, aber sie k\u00f6nnte man vielleicht f\u00fcr ein Spiel gewinnen. Sagte doch Schiller schon. Es ist der Mensch, so er spielt. Wir k\u00f6nnten also mal Monarchie spielen und Lars zu unserem Duodezf\u00fcrsten k\u00fcren, dessen Willk\u00fcr und Geschmack man sich unterwirft und ihm Anerkennung f\u00fcr seine ehrliche Besorgnis um das Gedeihen des Vereins zollt. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man im Geheimen auch seine Witze dar\u00fcber rei\u00dfen und vielleicht manches anonyme Flugblatt verfassen. Er m\u00fcsste ebenso spielerisch die Furcht vor dem Label Vereinsstalin ablegen, was doch eine der geringsten seiner \u00dcbungen darstellen d\u00fcrfte. Wie schnell w\u00e4re alles entschieden und an seinem Hofe w\u00fcrden die wahren Kunstwerke gelobt und die schlechten verworfen, wozu man sich ja durchaus mit seinen Untertanen beraten k\u00f6nnte. Drei oder vier Gewas, wie schnell w\u00e4re das dann entschieden, wie k\u00f6nnte man sich in seiner Gunst sonnen, wenn einem mal etwas gelungen ist. Wie k\u00f6nnte man subversive Gedanken hegen und Freundschaften unter den Untertanen kn\u00fcpfen. Was w\u00e4re das f\u00fcr ein Leben am Hofe EITELKUNST. Nach zweiunddrei\u00dfig Jahren Schlittern durch alle Untiefen der Vereinsdemokratie, und man hat ja auch als Monarch ein bisschen R\u00fccksichten zu nehmen, haben wir uns und Lars dieses Spiel ehrlich verdient und w\u00fcrden nat\u00fcrlich nach au\u00dfen, durch j\u00e4hrliche Wahlen, die schon aus Notarkostengr\u00fcnden immer gleich ausgehen werden, unser M\u00e4ntelchen umbehalten.<\/p>\n<p>Wenn euch das gefallen k\u00f6nnte, so beginnen wir am besten damit, ihn mit seine HOheit anzusprechen, auf dass er die weiteren Rollen verteile.<\/p>\n<p><em>C.R. zu Zeuthen als Jahnishausenreminiszenz, den 27.8.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh K\u00f6nig Johann Fast auf den Tag ist er 150 Jahre tot. Sein Anwesen in Jahnishausen ein Ort der Erinnerungen an die Segnungen einer Monarchie, dabei hatten die Monarchen es schwer und hielten es f\u00fcr unter ihrer W\u00fcrde, den Kontakt&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/4008\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,12],"tags":[],"class_list":["post-4008","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4008"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4008\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4012,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4008\/revisions\/4012"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}