{"id":3985,"date":"2022-08-14T10:44:24","date_gmt":"2022-08-14T08:44:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3985"},"modified":"2023-12-08T22:59:05","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:05","slug":"dann-packen-wirs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3985","title":{"rendered":"Dann packen wir\u2019s,"},"content":{"rendered":"<p>Dann packen wir\u2019s,<br \/>\nsagte Murkel als die Entscheidung zur Reise gefallen war. Freilich war schon ein Jahr seit der kurzen  Begegnung vergangen, aber die Prinzessin reizte auch, das Nachbarland mal zu sehen, dem sie so einen Absatz ihrer einzigartigen bemalten Steine verdankte. So klein dieses 152 Quadratwerst Reich auch war, so hatte es doch alles, was man sich vorstellen konnte: Im Norden das Meer, eine Ost- und eine Westgrenze und im S\u00fcden eben die Berge, die sie aus eigener Anschauung kannten.<br \/>\nJeder packte ein, was er f\u00fcr richtig hielt, Max mehrere Schraubenschl\u00fcssel und einen Kreuz- und einen Minusschraubenzieher und Murkel ein Buch, um sich auch zerstreuen zu k\u00f6nnen. An Nahrungsmitteln nahmen sie Ziegenk\u00e4se mit, Tomatenmark und Nudeln, wovon man sich ja allenorts w\u00fcrde ern\u00e4hren k\u00f6nnen und vor allem der Frau Mutter gut mundete. Die Prinzessin wollte ihren Picknickkoffer mitnehmen und sah ihn durch. Die Plastikbecher erschienen ihr zu unpers\u00f6nlich und sie wollte daf\u00fcr lieber Teegl\u00e4ser mitnehmen. Max hatte ein Segelboot als Motiv, obwohl es auch ein Lamborgini h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, auf den man aber wegen der h\u00e4sslichen Abgase verzichtet hatte. Murkel hatte einen Delphin drauf, denn er war ja auch eine Wasserratte. Die Prinzessin hatte ein Motiv, das im fernen China als Symbol der Herrschaft gilt und hatte all diese Tassen auch selber gestaltet. Als sie den Koffer gerade wieder schlie\u00dfen wollte, sagte der sorgf\u00e4ltige Max, dass da noch ein Teeglas fehle. \u201eF\u00fcr den armen, alten K\u00f6nig etwa?\u201c, fragte ihn die Prinzessin Neunmalklug. \u201eNein, den kennen wir doch gar nicht, ich meine das hier\u201c, und er hielt ihr ein Teeglas hin, das ganz hinten gestanden hatte und seit sechs Jahren schon nicht mehr benutzt worden war. \u201eOh ja, nat\u00fcrlich. Ich bin auch so etwas von vergesslich in letzter Zeit. Es k\u00f6nnte ja sein, dass es gebraucht wird.\u201c \u201eWas bedeuten diese Kugeln und der eine mit dem Ring drumrum?\u201c, fragte Murkel, der dieses Glas vielleicht zum ersten Mal in seinem bewussten Leben sah. \u201eDas sind Wandelsterne, Murkel\u201c, erwiderte die Prinzessin, \u201ealle anderen Sterne haben nur den Tages- und den Jahreslauf und behalten ihre Positionen, aber die Wandelsterne sind immer mal woanders zu sehen.\u201c \u201eSo wie die Sonne, die t\u00e4glich \u00fcber den Himmel zieht?\u201c \u201eNein, die Sonne ist ein richtiger Stern und wenn es noch andere Wesen in unserer Milchstra\u00dfe gibt, so k\u00f6nnen sie nur sie wahrnehmen und sie w\u00e4re f\u00fcr sie einer von hundert Milliarden Sternen, wie wir sie von uns aus sehen. Unsere Erde k\u00f6nnten sie schwerlich entdecken. Und daf\u00fcr hat sich Christian sehr interessiert, als er in euerm Alter war.\u201c \u201eUnd jetzt ist er ein Seefahrer\u201c, bemerkte Murkel. \u201eEin Seefahrer kann mit den Sternen und einer Uhr bestimmen, wo er sich auf dem weiten Meer befindet\u201c, mischte sich Max nun ein, aber alle drei wussten nicht weiter und genau zu sagen, wie man das wohl macht. \u201eDann wird er sich sicher auch wieder nach Hause finden\u201c, sagte Murkel und strich seiner Mama eine Str\u00e4hne aus dem Gesicht.<br \/>\n\u201eWo hat denn der arme, alte K\u00f6nig \u00fcberhaupt sein Schloss?\u201c, fragte Max noch mal sicherheitshalber. \u201eMan sagt, es ist auf einer Insel, Karsibor im Wolziger See.\u201c Da platze Murkel heraus: \u201eKarsibor, das h\u00f6rt sich an wie ein Zauberspruch, wie Excalibur oder wie der Drache Kalifur. Vielleicht ist es sogar verwunschen und wir m\u00fcssen erst einen Zauber brechen.\u201c Die Prinzessin Neunmalklug wurde nachdenklich. Nach dem, was ihr der arme, alte K\u00f6nig in ihrem kurzen Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt hatte, konnte das gut m\u00f6glich sein. Hatte er doch zwar eine gute Idee gehabt, dem Land einen Verkehr nur in Kunstwerken zu bescheren, aber was sein pers\u00f6nliches Gl\u00fcck anbetraf, so hielt sich das doch sehr in Grenzen. Und pl\u00f6tzlich fiel ihr auch wieder das Gespr\u00e4ch mit dem Wandelstern Venus ein, das schon geraume Zeit zur\u00fccklag und sie ja schon wieder v\u00f6llig vergessen hatte und sie packte auch noch den Stein mit den T\u00fcpfelchen ein, auch wenn die Kinder maulten, dass sie noch mehr zu schleppen h\u00e4tten, denn die Prinzessin selbst nahm nur ein winziges T\u00e4schchen mit. Alles andere trugen die beiden S\u00f6hne \u00fcber die sieben Berge hin\u00fcber in das pr\u00e4tenti\u00f6se Land, das ihnen bisher nur gute Handelsgesch\u00e4fte beschert hatte, aber in dem sie nun ihr Gl\u00fcck zu finden hofften.<\/p>\n<p>(s. Seelenwege und Was die Prinzessin bewegte \u2026)<\/p>\n<p><em>C.R. auf Karsibor 10.8.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dann packen wir\u2019s, sagte Murkel als die Entscheidung zur Reise gefallen war. 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