{"id":3982,"date":"2022-08-07T09:00:05","date_gmt":"2022-08-07T07:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3982"},"modified":"2023-12-08T22:59:05","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:05","slug":"was-die-prinzessin-bewegte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3982","title":{"rendered":"Was die Prinzessin bewegte\u2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was die Prinzessin bewegte \u2026<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 als sie allein in ihrem Schlosse ohne T\u00fcr noch Tor mit den schillernden Farbb\u00e4chen ringsum vom armen, alten K\u00f6nig verlassen worden war. Sie glaubte keine Sekunde daran, dass er ihren \u00e4ltesten Sohn Christian je in der weiten Welt finden k\u00f6nne, ja sie zweifelte sogar daran, dass er etwas daransetzen w\u00fcrde. Ihre beiden verbliebenen S\u00f6hne waren ihr da ein Trost, und wenn diese auch etwas ungehobelt erschienen, als sie des armen, alten K\u00f6nigs ansichtig geworden waren, so hatten sie doch beide ein gutes Herz, das freilich nur der leiblichen Mutter galt, denn es wurde viel gehalten auf das Blut in dieser kleinen Familie. Sie erz\u00e4hlte ihnen von der Einladung, die sie erhalten hatte, und sie reagierten sehr unterschiedlich. Max w\u00e4re gern mal in die Welt hinausgezogen, aber unter der Voraussetzung, dass ihnen keine Polizei begegnete, denn diese f\u00fcrchtete er mehr, als dass ihn die Abenteuerlust hinaustrieb. Murkel war der Meinung, dass sie in ihren Bergen doch alles h\u00e4tten, was sie brauchten, und schlie\u00dflich sei Bergsteigen doch der beste Sport. Murkel war ein bisschen dicklich \u2013 ein Erbteil seines Vaters, den er darum nicht so recht mochte. Aber er hatte eine Vorliebe f\u00fcr M\u00e4rchen und Geschichten. Woher diese Gabe kam, konnte man gar nicht sagen, denn die Prinzessin lie\u00df nur die notwendigsten Nachrichten an sich heran und meinte, auf mehr k\u00f6nne sie sich nicht konzentrieren. Murkel hing trotzdem an seiner Mutter, mehr als Max, denn er h\u00f6rte auch sehr gern Musik mit ihr und hielt sich, wie sie, die eine etwas unsichere Stimme, aber in der h\u00f6chsten Lage hatte, auch f\u00fcr einen guten S\u00e4nger, der es in der einen oder anderen Weise noch zu etwas bringen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Also einer daf\u00fcr und einer dagegen, sich mal auf so eine Reise ins Nachbarland zu begeben. Aber was dachte die Prinzessin selbst? Verdammt \u2013 sie k\u00f6nne sich nicht konzentrieren, dachte sie, tunkte einen feinen Pinsel in einen besonders glitzernden Bach und tupfte feine Punkte auf einen Stein, der danach aussah, als k\u00f6nne er noch ein Tierbildnis vertragen. Nat\u00fcrlich hatte sie auf dem Wams des armen, alten K\u00f6nigs diesen seltsamen und wundersch\u00f6nen Fisch wahrgenommen. Die Z\u00fcge des K\u00f6nigs wiederzugeben, konnte sie nicht, und nun denkt ihr vielleicht, sie malte stattdessen dessen Wappentier, aber nein, da geriet ihr einer der T\u00fcpfelchen etwas gr\u00f6\u00dfer und sprach zu ihr: \u201eIch bin es, Venus.\u201c \u201eAch, Du bist es, unsere sch\u00f6ne Nachbarin?\u201c \u201eJa, ich kann Dich etwas lehren, n\u00e4mlich Dich zu konzentrieren.\u201c \u201eIch bin doch nie konzentrierter als beim Malen.\u201c \u201eDu konzentrierst Dich aber dabei zu sehr auf Dich und vielleicht auf Deine Jungs.\u201c \u201eBin ich denn nicht auch das wichtigste auf der Welt und meine Jungs. Sieh, ich denke dabei auch an Christian.\u201c \u201eDu bist eben eine Mutter, aber ich \u2026 .\u201c \u201eNun sag schon, was bist denn Du?\u201c \u201eIch bin eine Geliebte. Ich bin auf der Welt, dass man mich anhimmelt.\u201c \u201eUnd das ist, was Du mich lehren wolltest?\u201c \u201eNein, das wei\u00dft Du doch im Grunde selbst. Ich wollte Dich lehren, sich zu konzentrieren.\u201c \u201eIch bin konzentriert und gleichzeitig zerstreut mich das Malen.\u201c \u201eDas ist auch gut so, doch zu welchem Ende.\u201c \u201eDu meinst, ich soll reisen?\u201c \u201eNur, wenn Du jemanden brauchst, der f\u00fcr Dich eintritt.\u201c \u201eIch brauche jemanden, der mich nicht fallen l\u00e4sst.\u201c \u201eDann reise!\u201c<\/p>\n<p>Die Prinzessin wunderte sich, dass sie nicht von selbst darauf gekommen war. Sie legte den Stein zu den fertigen und bald schon hatte sie das Gespr\u00e4ch mit Venus wieder v\u00f6llig vergessen, denn sie konnte sich nicht nur schlecht konzentrieren, sondern hatte auch ein schlechtes Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n<p>\t(s. Seelenwege)<\/p>\n<p><em>C.R. im Waltersdorfe 30.7.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was die Prinzessin bewegte \u2026 \u2026 als sie allein in ihrem Schlosse ohne T\u00fcr noch Tor mit den schillernden Farbb\u00e4chen ringsum vom armen, alten K\u00f6nig verlassen worden war. 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