{"id":3899,"date":"2022-05-18T17:49:57","date_gmt":"2022-05-18T15:49:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3899"},"modified":"2023-12-08T22:59:05","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:05","slug":"nach-innen-geht-der","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3899","title":{"rendered":"Nach innen geht der\u2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.<\/strong><\/p>\n<p>Kaum einer kennt ihn noch, den Friedrich von Hardenberg, der in seinen Annalen den geheimnisvollen Namen Novalis fand \u2013 das neue Land- und diesen annahm. Ich hatte ihn immer in Wei\u00dfenfels verortet, und er musste vor wenigen Tagen erst seinen 250. Geburtstag feiern, dass ich von seinem wirklichen Geburtsort Oberwiederstedt erfuhr, der nun allerdings an Wochenenden nur mittels beachtlicher Wanderungen erreichbar ist, die entweder von Hettstedt oder Sandersleben im S\u00fcdharz erfolgen k\u00f6nnen. So f\u00fchrte uns der Hinweg \u00fcber die Lutherstadt Eisleben, in der Luther noch heute f\u00fcr alles verantwortlich ist, von der Autowerkstatt bis zur Energieversorgung, und in dem Zug waren, wie fast \u00fcberall in den Regionalbahnen, Ausl\u00e4nder, wohl ukrainische M\u00fctter mit Kindern, die sich aber in reinstem Russisch unterhalten, die Kinder Maoam kauend Handy spielen und die Redeschw\u00e4lle der M\u00fctter kein Ende finden. Sogar ein kleiner Hund, sehr brav, war mitgeflohen und sie alle hatten keinen Blick f\u00fcr das maienhafte Mansfeld, wo noch heute die Halden vom Abbau des Kupferschiefers k\u00fcnden, ein Bergbau, der schon seit den Zeiten von Albrecht dem B\u00e4ren betrieben wurde, also seit dem 12. Jahrhundert, wie ich dann am Ziel von zwei Hettstedterinnen erfuhr, die sich auch von ihrem DDR Neubaugebiet aus, wie wir, nach Oberwiederstedt auf den Weg gemacht hatten.<\/p>\n<p>Das Schloss der Hardenbergs liegt ziemlich versteckt, ist nicht totsaniert, sondern die h\u00f6lzernen Fenstereinfassungen scheinen wirklich noch die Zeichen der Jahrhunderte zu tragen. F\u00fcr das Schloss war das Ende der DDR gerade noch rechtzeitig gekommen, denn es hatte zum Abriss gestanden, wurde von einer Gruppe Jugendlicher gerettet, die dann allerdings \u00fcberfl\u00fcssig geworden waren, als man es zur Forschungsst\u00e4tte f\u00fcr Fr\u00fchromantik umfunktionierte. Dem Schloss gegen\u00fcber liegt gleich ein altehrw\u00fcrdiger Park, der sich zur Wipper hinzieht, einem Fl\u00fcsschen, das nach Sandersleben f\u00fchrt. <\/p>\n<p>Das Museum ist sch\u00f6n gestaltet, man kann das Zimmer sehen, das dem von Novalis bis zu seinem 13. Lebensjahr bewohnten nachempfunden ist. Da findet man auch die Locke der Sophie K\u00fchn, seiner kindlichen Verlobten, die schon f\u00fcnfzehnj\u00e4hrig verstorben war und der er mit nur 28 Jahren nachfolgte.<\/p>\n<p>Die Fr\u00fchromantiker waren ja noch nicht dem Kitsch verfallen, in den dann die Romantik auslief, vielleicht war deren Fortsetzung auch der Jugendstil, der ja die Kunstgeschichte befruchtet hat. Alles ist relativ und man kann nichts endg\u00fcltiges schaffen. Daher hielten die Fr\u00fchromantiker es auch f\u00fcr ausreichend, Fragmente zu hinterlassen, aber der Anspruch war dennoch sehr umfassend. Diesen Weg nach Innen hatten ja schon vorher die Pietisten beschritten, jetzt besannen sie sich noch auf das Mittelalter. Aus fahrenden Rittern wurden Wandersburschen, die Wunderliches erlebten, und das Ganze wurde dann eben nicht ganz fertig und blieb Fragment. Alles ein bisschen abgehoben und nicht genug verdichtet, um zu dramatischer Dichtkunst zu werden, in der die Fr\u00fchromantik dann nur wenige Spuren hinterlassen hat. Daf\u00fcr aber in der bildenden Kunst, der Malerei und in der Musik, wo sie am l\u00e4ngsten fortlebte.<\/p>\n<p>Bricht man hier einfach ab, so ist man schon fast ein Fr\u00fchromantiker, denn es handelt sich dann auch um ein Fragment \u2013 und so wollen wir es auch halten.<\/p>\n<p><em>Christian Rempel, im Waltersdorfe, den 17. Mai anno 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft. 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