{"id":3848,"date":"2022-01-07T18:42:09","date_gmt":"2022-01-07T16:42:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3848"},"modified":"2023-12-08T22:59:05","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:05","slug":"aus-den-fugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3848","title":{"rendered":"Aus den Fugen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus den Fugen<\/strong><\/p>\n<p>Wie oft sah man die Welt schon so,<br \/>\nglaubte ihr Ende vorherzuahnen. Das<br \/>\nalles, um die Angst vor dem<br \/>\nUnw\u00e4gbaren gegen eine zwar<br \/>\nunangenehme, aber immerhin<br \/>\nvermeintliche Gewissheit zu tauschen,<br \/>\ndie leichter zu ertragen ist. Sie, die<br \/>\nWelt, tut uns nicht den Gefallen,<br \/>\nunterzugehen, sie kommt auch ganz<br \/>\ngut ohne uns zurecht, aber sie will auch<br \/>\nirgendwie nicht mehr f\u00fcr uns und<br \/>\nunseren Egoismus, den wir als<br \/>\nGl\u00fccksanspruch tarnen, da sein. Die<br \/>\nWelt leidet unter uns, und wer wollte,<br \/>\nk\u00f6nnte ihr ein Denken unterstellen, ein<br \/>\nF\u00fchlen allemal. Hat man nicht die<br \/>\nVorstellungskraft f\u00fcr eine solche Welt,<br \/>\nk\u00f6nnte man sie auch in Gott<br \/>\npersonifizieren, dem diese Sch\u00f6pfung<br \/>\ngeh\u00f6rt, er sie der Menschheit<br \/>\n\u00fcberlassen hat, dass sie etwas daraus<br \/>\nmache, und nun ein bisschen<br \/>\ndesillusioniert ist.<br \/>\nZumindest h\u00e4tte ER eben nicht den<br \/>\nFokus auf die Menschheit, wie wir<br \/>\nselbst so nach und nach erkennen,<br \/>\nsondern ER liebt seine anderen<br \/>\nSch\u00f6pfungen, die uns immer geringer<br \/>\nerschienen sind, vielleicht inzwischen<br \/>\nmehr, weil sie eben auch weniger<br \/>\nProbleme verursachen. Der Tiger frisst<br \/>\ndas K\u00e4lbchen und l\u00e4sst es damit<br \/>\nbewenden. Der Mensch isst<br \/>\ninzwischen das Fleisch mit schlechtem<br \/>\nGewissen. Der Mensch macht um alles<br \/>\nviel Gewese. Jetzt wird er reihenweise<br \/>\nkrank und die einen wollen das nicht<br \/>\nglauben, die anderen sagen, damit<br \/>\nm\u00fcsse man leben, auch wenn viele<br \/>\nsterben und die dritten haben das<br \/>\nSelbstvertrauen verloren und f\u00fcrchten<br \/>\nsich nur noch.<br \/>\nDoch wie kann man all das Gesagte<br \/>\nwieder fortwischen, um nicht zu den<br \/>\nKl\u00fcglingen zu z\u00e4hlen, die ja nicht alle<br \/>\nwerden? Darf man da noch zur Welt<br \/>\nsprechen und damit die anderen<br \/>\nMenschen meinen?<br \/>\nMit der wirklichen Welt unterh\u00e4lt man<br \/>\nsich mit Schweigen, und das sei nicht<br \/>\ndas b\u00f6se Schweigen, mit dem wir<br \/>\nandere Menschen traktieren, sondern<br \/>\nvoller Gedanken um das Undenkbare.<br \/>\nEin St\u00fcck Borke in der Hand halten<br \/>\nund sich fragen, was dieses<br \/>\n\u00dcberbleibsel hatte werden wollen,<br \/>\nwelche Gestalt ihm geben. Das ist die<br \/>\nHaltung des K\u00fcnstlers und angeblich<br \/>\nspr\u00e4che dieses St\u00fcck Borke zu ihm.<br \/>\nDoch der K\u00fcnstler schreitet zur Tat<br \/>\nund schafft etwas aus dem<br \/>\nBorkenst\u00fcck, der M\u00f6nch legt es zur\u00fcck<br \/>\nan seinen Platz und l\u00e4sst es selber<br \/>\nwerden, der Forscher w\u00fcrde es am<br \/>\nehesten karbonisieren.<br \/>\nDas ist alles erprobt und f\u00fcr nur<br \/>\nbedingt richtig befunden, und wenn<br \/>\nwir nicht gestorben sind, machen wir<br \/>\ndas in Jahrmillionen noch so, was sage<br \/>\nich, in Milliarden von Jahren, wobei<br \/>\nnach f\u00fcnfen uns wohl ein Ende gesetzt<br \/>\nist. Wollte man dieses Jahr einordnen,<br \/>\nso k\u00f6nnen es die meisten wohl nur als<br \/>\ngerade so \u00fcberstanden ansehen.<br \/>\nWollen wir nicht mal wieder etwas<br \/>\nversuchen?<\/p>\n<p><em>Christian Rempel, im Waltersdorfe<br \/>\nanno 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus den Fugen Wie oft sah man die Welt schon so, glaubte ihr Ende vorherzuahnen. Das alles, um die Angst vor dem Unw\u00e4gbaren gegen eine zwar unangenehme, aber immerhin vermeintliche Gewissheit zu tauschen, die leichter zu ertragen ist. 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