{"id":3750,"date":"2021-06-12T06:50:00","date_gmt":"2021-06-12T04:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3750"},"modified":"2023-12-08T22:59:06","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:06","slug":"nichts-hoeren-nichts-sehen-nichts-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3750","title":{"rendered":"Nichts h\u00f6ren, nichts sehen, nichts sprechen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nichts h\u00f6ren, nichts sehen, nichts sprechen<\/strong><\/p>\n<p>Wer kennt sie nicht, die drei Affen, von denen einer nichts h\u00f6rt, der zweite nichts sieht und der dritte sich den Mund zuh\u00e4lt. Dabei \u00e4ffen eben Affen gern ihren Gegen\u00fcber nach, also muss es auch Menschen geben, die sie das gelehrt haben. Jedenfalls breitet sich ein gro\u00dfes Schweigen aus auf der Erde und man m\u00f6chte das f\u00fcr unnat\u00fcrlich halten. Aber gibt es denn wenigstens Erfreuliches zu sehen oder zu h\u00f6ren?<\/p>\n<p>Man muss sich zwingen, noch B\u00fccher zu lesen und m\u00fcsste sich zwingen, etwas aus diesen Zeilen noch lesen zu wollen, aber selbst die besten Freunde sind dies m\u00fcde geworden.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte es sein, dass wir alle nicht mehr erwachsen geworden sind? Robert Blys Buch \u00fcber das zum Manne werden, wobei er immer vorsichtig einr\u00e4umen muss, dass das gar nicht gegen die Frauen geht, die in den letzten Jahrzehnten so viel erreicht haben, dass sich mancher schon sch\u00e4mt, \u00fcberhaupt noch ein Mann sein zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im Eisenhans von Robert Bly nach dem gleichnamigen M\u00e4rchen der Gebr\u00fcder Grimm geht er der Frage nach, warum das zum Manne werden nicht mehr geklappt hat in unserer Generation, die sich, was mich betrifft, mit 50 gerade mal von der Kindheit verabschiedet hat. Nicht einmal in die Asche sind wir gegangen, was er in \u00e4lteren Zeiten so verortet, dass es die Pubertierenden sogar einige Jahre taten und dies ihnen auch gew\u00e4hrt wurde. Bis dann ein alter Mann kommt, und sagt, es sei Krieg. Da w\u00fcrden sie mit einem Mal aufstehen und mitgehen.<\/p>\n<p>Bly macht es gerade an uns fest, den fremden alten M\u00e4nnern, dass sie ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht w\u00fcrden. Er vermisst eine Art Initiation, die nur durch die alten fremden M\u00e4nner, die die adoleszenten Jungen fr\u00fcher wegf\u00fchrten von ihren M\u00fcttern und sie einer Prozedur unterwarfen, die einem heute noch ein bisschen Angst machen kann. Eine besondere Rolle spiele dabei der \u201ewilde Mann\u201c, ein behaartes und unausstehliches Wesen, das v\u00f6llig aus der Zivilisation herausf\u00e4llt, das man meinte ertr\u00e4nken zu m\u00fcssen oder, je nach dem, rituell verbrennen, wobei klar ist, dass man auch das dem falsch verstandenen Christentum zu verdanken hatte, das uns so viel an Urspr\u00fcnglichkeit zu nehmen versuchte.<\/p>\n<p>Wenn also die alten M\u00e4nner schuld sind, so m\u00fcssen wir uns diesen Schuh selbst anziehen, denn sich dazu zu rechnen, kann man mit den Jahren nicht mehr verleugnen. Betrachtet man die alten M\u00e4nner von heute, so fristen sie ein Dasein in Altersresidenzen, wo sie es sich wohl sein lassen und h\u00f6chstens noch ab und an besucht werden. Sie fallen eher zur Last, als dass man der Meinung w\u00e4re, dass sie noch zu etwas gut sind. Wie wenig weise M\u00e4nner haben wir noch, daf\u00fcr aber genug Grobiane.<\/p>\n<p><em>C.R. 11.6.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts h\u00f6ren, nichts sehen, nichts sprechen Wer kennt sie nicht, die drei Affen, von denen einer nichts h\u00f6rt, der zweite nichts sieht und der dritte sich den Mund zuh\u00e4lt. 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