{"id":3733,"date":"2021-04-26T10:04:33","date_gmt":"2021-04-26T08:04:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3733"},"modified":"2023-12-08T22:59:06","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:06","slug":"3733","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3733","title":{"rendered":"Spiel des Lebens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Spiel des Lebens<\/strong><\/p>\n<p>Schon seit Monaten lagen d\u00e4nische Schiffe dicht am Ufer des Meeres des Marmeladenk\u00f6nigs vor Anker. Dort br\u00fctet ein Schwan drei Eier aus und keiner der Besucher des Gestades st\u00f6rt ihn dabei. Diese Stelle ist unweit derer, wo der Fluss Marmelade ins Meer m\u00fcndet, der fr\u00fcher profan Flutgraben genannt wurde. Wie der Name aber sagt, eignet sich der Fluss zur Herstellung von Marmelade, wozu, wo derzeit noch Laubenpieper ihre sch\u00f6nen G\u00e4rten pflegen, nun leider eine gro\u00dfe Werkhalle errichtet werden muss. Das Streitross des Marmeladenk\u00f6nigs sieht aus wie ein gew\u00f6hnlicher Stadtroller, aber auf ihm durchquert der K\u00f6nig zuweilen sein Reich, das bis nach Zeesen sich erstreckt.<\/p>\n<p>Aufgrund der Bedrohung durch die D\u00e4nen, die wohl die Erfindungen von Leonardo Da Vinci geklaut hatten und \u00fcber unter Deck versteckte Kampfmaschinen verf\u00fcgten, wie sp\u00e4ter bekannt wurde, musste sich der Marmeladenk\u00f6nig in seine f\u00fcnfst\u00f6ckige Burg zur\u00fcckziehen, die durch bis zu 47 Panzern in Reih und Glied gesch\u00fctzt wurde, mal etwas weniger, mal etwas mehr. Er lebt dort mit seiner Tochter, der Prinzessin Neunmalklug und geringstem Personal bestehend aus einem Haussklaven, der nat\u00fcrlich keinen Namen hat und einem K\u00fcchenjungen, der ebenfalls anonym bleiben wollte. Besonders die Prinzessin Neunmalklug macht dem Marmeladenk\u00f6nig das Leben schwer, die ihn neben seinen Kriegssorgen einigerma\u00dfen herumkommandiert. Auch seinen Hofmechanikus, der ihm gerade in Kriegszeiten sehr wichtig gewesen w\u00e4re, muss er entbehren, denn dieser ist auf Studienreise bei K\u00f6nigin Mutter von der Notte und dem Prinzgemahl Manfred von Antenne.<\/p>\n<p>Nun begab es sich, dass der avisierte Besuch der K\u00f6nigin Mutter und ihres Prinzgemahls in der Burg des Marmeladenk\u00f6nigs beinahe ausgeblieben w\u00e4re. Nur der Mechanikus kam nach langem Fu\u00dfmarsch aus K\u00f6nigs Wusterhausen v\u00f6llig ersch\u00f6pft an. Der Marmeladenk\u00f6nig wollte aber unbedingt wieder mal an seinem Meer nach dem Rechten sehen, die Schiffe der D\u00e4nen z\u00e4hlen und deren Namen notieren, was eine ganze Stunde dauerte und er den K\u00fcchenjungen und Hofmechanikus mitnahm. In der Zwischenzeit kamen dann K\u00f6nigin Mutter und der Prinzgemahl doch noch und brachten Geschenke mit und nahmen auch welche in Empfang. Dann folgte ein Spaziergang an der Marmelade und der Fabrikbau wurde noch einmal gr\u00fcndlichst erwogen. Diese Pl\u00e4ne konnten aber auch gerade der Grund f\u00fcr die D\u00e4nische Pr\u00e4senz sein, die bekanntlich auch sehr gern Marmelade gratis zu sich nehmen. Nur der Sklave hatte noch etwas im Hinterkopf, aber auf seine Meinung wurde selbstredend kein Wert gelegt, sodass er seine Ansichten gar nicht erst \u00e4u\u00dferte. F\u00fcr die notwendigen Planierarbeiten ward eine kleine Atombombe in Betracht gezogen und auch sogleich bestellt (14 Tage Lieferzeit), aber alles sollte ganz anders kommen.<\/p>\n<p>Bei der R\u00fcckkehr der Herrschaften in die Burg hatte sich n\u00e4mlich noch ein Besucher eingefunden, Prinz William, der sehr weitgereist war und einiges \u00fcber die Bewaffnung der D\u00e4nen offenbaren konnte. Es stellte sich auch heraus, dass der Hofmechanikus vermutlich ein d\u00e4nischer Spion sein konnte, woraufhin ihm Stubenarrest erteilt wurde. Der Sklave erlitt erst einen Streifschuss von ihm, was die Prinzessin Neunmalklug nicht weiter r\u00fchrte, die mit ihrer gerade geschenkt bekommenen Alexa besch\u00e4ftigt war, mit der dann das ganze Spiel in Streit zu geraten drohte.<\/p>\n<p>Alexa konnte die fragw\u00fcrdige Identit\u00e4t des Prinz William auch nicht kl\u00e4ren, obwohl er doch angegeben hatte, ein Sohn der Prinzessin Diana zu sein, sondern kannte nur Prinz Harry. Nun hatte dieser namenlose Sklave aber zur Zeit neun Monate vor Williams Geburt im Geheimen bei Diana geweilt, n\u00e4mlich im Kensington Palace und die um dessen fragw\u00fcrdige Abstammung unwissende Alexa hatte den zweiten Prinzen einfach unterschlagen. So trafen sich in dem Spiel nach langer Trennung auch noch Vater und Sohn.<\/p>\n<p>Der Marmeladenk\u00f6nig hatte inzwischen von seinen Plattmachungsideen Abstand genommen und den festen Entschluss gefasst, es mal selber mit dem Marmeladekochen zu versuchen. Die Herrschaften waren aber inzwischen hungrig geworden, sodass Sklave und K\u00fcchenjunge erst mal alle H\u00e4nde voll zu tun hatten, etwas in den Backofen zu kriegen, wobei dann sogar die kaprizi\u00f6se Prinzessin Neunmalklug mitwirkte. Fast gleichzeitig wurden Marmelade und zwei Quiches fertig, und da es Ausgangsbeschr\u00e4nkungen gibt, dr\u00e4ngten K\u00f6nigin Mutter und vor allem der Prinzgemahl von Antenne zur Eile. Das Mahl war gelungen und alle langten t\u00fcchtig zu, da stellte sich heraus, dass der K\u00fcchenjunge kein anderer war als Julius C\u00e4sar und es wurde auch sofort ein \u201eAve Caesar\u201c geschmettert. Der Sklave, der das ganze Spiel seine Kapuze aufbehalten hatte, wohl um seine Demut zu zeigen, strich diese pl\u00f6tzlich zur\u00fcck und entbl\u00f6\u00dfte auf seiner Stirn einen lebensechten Schmetterling, den er dort das ganze Spiel verborgen hatte, und outete sich als K\u00f6nig Christian von D\u00e4nemark und dass er mit seiner Flotte eigens angereist war und sich in den Sklavendienst begeben hatte, um die Prinzessin zu freien, die sein Ansinnen auch gleich mit einem feuchten Kuss rechtfertigte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wurde dann auch noch mal Alexa befragt, ob denn dieser Christian wirklich der K\u00f6nig von D\u00e4nemark sei und sie pr\u00e4zisierte, dass es sich dabei um Christian 2 handelt, denn die Prinzessin hatte in sehr jungen Jahren schon mal einen Christian gehabt, der dann wohl der erste gewesen war. Dann wurde noch gesungen und getanzt bis in die Nacht, und wenn die beiden da nicht gestorben sind, leben sie noch heut.<\/p>\n<p><em>C.R. 25.4.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spiel des Lebens Schon seit Monaten lagen d\u00e4nische Schiffe dicht am Ufer des Meeres des Marmeladenk\u00f6nigs vor Anker. Dort br\u00fctet ein Schwan drei Eier aus und keiner der Besucher des Gestades st\u00f6rt ihn dabei. 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