{"id":3716,"date":"2021-04-12T09:07:19","date_gmt":"2021-04-12T07:07:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3716"},"modified":"2023-12-08T22:59:06","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:06","slug":"todsuenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3716","title":{"rendered":"Tods\u00fcnden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tods\u00fcnden<\/strong><\/p>\n<p>Es ist wie wei\u00df wie lange her, dass uns die katholische Kirche ein Verzeichnis der sieben Tods\u00fcnden schenkte, das noch heute bedenkenswert ist. Zwar f\u00fcrchten wir nicht mehr die Qualen der Unterwelt, auch wenn sich diese als in der Tat sehr hei\u00df herausgestellt hat, auch ergehen wir uns heute in weniger Bedenken, was die eigene moralische Integrit\u00e4t anbelangt, aber eine Auffrischung dieser Ideen scheint allemal angezeigt.<\/p>\n<p>Nicht mal mehr aufz\u00e4hlen k\u00f6nnten wir sie und so etwas wie Wollust geh\u00f6rt doch heute schon wieder zu den legitimierten Eigenheiten. Und w\u00fcrde man heute Superbia, den Xochmut, \u00fcberhaupt noch dazuz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>Wir haben es uns zum Hobby gemacht, ein bisschen Prussisch zu sprechen, und da das Russische kein h kennt, ersetzen wir es durch das russische x. Dabei richten wir die Aufmerksamkeit besonders auf Worte, die im Deutschen mit einem H anfangen und dann eben im Prussischen mit einem X.<\/p>\n<p>Dennoch wissen wir mit Xochmut (erste Tods\u00fcnde) weniger anzufangen, ist es doch etwas, das man zwar an einem vermuten kann, er oder sie allerdings nie einr\u00e4umen w\u00fcrde und wir so allein stehen mit unserem Tods\u00fcndenverdacht. Meistens \u00e4u\u00dfert sich das heute nur in Ignoranz, die wir aber wegen des fehlenden anf\u00fchrenden X nicht werten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Besser trifft es da schon der Begriff der Xoffahrt, den man fast schon wieder zu der unendlichen Zahl der heutigen Tugenden z\u00e4hlen kann, denn das bedeutet ja nicht weniger, als Treue zur Herrschaft, zum Staat usw. <\/p>\n<p>Genauso wenig w\u00fcrde man die Tods\u00fcnde der Xumorlosigkeit gern auf sich beziehen, wobei damit nicht das ausbleibende Anschauen witziger Videos verstanden sein wissen will oder das unterlassene Mitlachen bei den Komikern im Fernsehen, sondern ob einen in durchaus kritischen Situationen der Xumor nicht verl\u00e4sst. Auch kann ja Xumor sowohl verletzend wie geistlos sein, auch kann es \u00fcber eine innere Xoxlxeit hinwegzut\u00e4uschen versuchen. Dieser Vorschlag ist \u00fcbrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern fiel einer gesch\u00e4tzten Sozialarbeiterin auf Anhieb ein.<\/p>\n<p>Nun denke man selbst \u00fcber weitere Vorschl\u00e4ge wie Xabsucht (vorhanden) oder Xerzlosigkeit (weidlich verbreitet) nach.<\/p>\n<p>Es gibt also mindestens eine Quarternit\u00e4t dieser verfehmenswerten Begriffe mit X, die man xeute in den Katalog aufnexmen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Ich hoffe, das Ganze ist nicht allzu schwer zu lesen und man sehe mir den Wink mit der moralischen Keule nach. Jesus geht ja dieser Tage um, um dann in den Himmel zu fahren, wie allj\u00e4hrlich. Ihm alles Gute auf seinen Wegen.<\/p>\n<p><em>C.R. 11.4.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tods\u00fcnden Es ist wie wei\u00df wie lange her, dass uns die katholische Kirche ein Verzeichnis der sieben Tods\u00fcnden schenkte, das noch heute bedenkenswert ist. 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