{"id":368,"date":"2011-10-09T16:47:25","date_gmt":"2011-10-09T14:47:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=368"},"modified":"2023-12-08T23:01:05","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:05","slug":"fast-im-urlaub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/368","title":{"rendered":"Fast im Urlaub"},"content":{"rendered":"<p>Der sechzigste Geburtstag meines zweit\u00e4ltesten Bruders war der Anlass, mal eine gr\u00f6\u00dfere Reise zu unternehmen (600 km bis in den Odenwald). Noch bevor wir unser Quartier bezogen, schauten wir dort erst mal vorbei und hatten nat\u00fcrlich Gedichtliches im Gep\u00e4ck. Es handelte sich um einen Vortrag, der auf die Tatsache Bezug nahm, dass dieses Jubil\u00e4um in einem Primzahljahr begangen wird und mein Bruder auch in einem solchen Jahr geboren ist. Von dem ganzen Rempelclan trifft es nur auf vier Personen zu, in einem Primzahljahr geboren zu sein, die mit einer H\u00e4ufigkeit von ca. 11% auftreten. Au\u00dferdem waren wir nat\u00fcrlich ein Gedicht schuldig.<br \/>\nAn diesem Abend wurde gegrillt und geschwatzt und irgendwann mussten wir dann auch in unser Quartier, das in Vielbrunn, direkt am Limes lag und uns mit einer wunderh\u00fcbschen Einrichtung nebst umfangreicher Literatur \u00fcber den Odenwald und geistliche Dinge empfing. Da hatten wir nun zwar die Urauff\u00fchrung von einer Adaption auf Bolle verpasst, aber kamen rechtzeitig ins Bett.<!--more--><br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag nahmen wir die dortigen W\u00e4lder in Augenschein, w\u00e4hrend das Programm eigentlich einen Kletterwald geplant hatte, den wir aber auslie\u00dfen. Nachmittags ging es dann zum Feiern nach Michelstadt, das sich gerade in seliger Weinbrunnenfeststimmung befand, so dass kaum ein Durchkommen war. Der Jubilar hatte eine Stadtf\u00fchrung organisiert, deren H\u00f6hepunkt im Ziehen der Ratsglocke im Ratssaal des 1484 erbauten Rathauses bestand.<br \/>\nDann ging es ans Essen und in den unvermeidlichen Pausen gab ich meinen Primzahlenvortrag zum Besten, der das Pr\u00e4dikat \u201egut erkl\u00e4rt\u201c erhielt. Die zweite Einlage kam von Andrea. Dabei ging es um die verschiedenen Arten Papier, die uns so im Leben begleiten. Dann entwickelte sich das Gespr\u00e4ch in Richtung Aktienkurse und den Wert solcher Spekulationen. Es wundert nicht, dass man dies bald leid wurde, weil dort jeder eine andere Wahrheit zu bieten hat. Das Gedicht, was ich noch in petto hatte, war ja ein bisschen skandal\u00f6s \u2013 eben kein solches Lob- und Preisgedicht, wie man es gern h\u00f6rt, was sich aber einfach nicht ergeben hatte. Es war f\u00fcr meine Frau geschrieben und von ihr verworfen worden, aber pl\u00f6tzlich ert\u00f6nte der Ruf nach einem Gedicht.<br \/>\nVorher war schon diskutiert worden, dass derartige Beitr\u00e4ge von mir sogar gef\u00fcrchtet sind. So hatte sich mein \u00e4ltester Bruder schon allerlei Sorgen gemacht, als er voriges Jahr sechzig wurde. Ich habe es noch einer kleinen Zensur unterworfen und las dann die gek\u00fcrzte Fassung vor. Es war nicht gerade ein Erfolg zu nennen, denn am Schluss entstand ein Moment, wo sich irgendeiner aus der Runde entschlie\u00dfen musste, der erste zu sein, der doch Beifall spendet. Dann machte das Original noch einmal die Runde, um die verworfenen Stellen auch noch mal nachzulesen. Mein Vater erl\u00e4uterte seinen Schwippschw\u00e4gern, dass Christian einen Gedichtladen inneh\u00e4tte. Das war Erkl\u00e4rung, nicht unbedingt Stolz. Fast jeder las die Originalfassung und gab sie kommentarlos weiter.<br \/>\nSo ein Gedicht macht einsam. So ein Gedicht macht stumm.<br \/>\nAber es hie\u00dfe ein Gedicht zu sehr zu w\u00fcrdigen, wenn man etwa b\u00f6se dar\u00fcber w\u00e4re, also bewahrte man Contenance, wie meine Mutter zu sagen pflegte. Als wir uns dann alle noch einmal wie Bolle \u201eam\u00fcsierten\u201c, war das Ganze dann ausgestanden. Der n\u00e4chste Jubilar bin ja ich, und da werde ich schon etwas zu h\u00f6ren bekommen.<br \/>\n9.10.2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der sechzigste Geburtstag meines zweit\u00e4ltesten Bruders war der Anlass, mal eine gr\u00f6\u00dfere Reise zu unternehmen (600 km bis in den Odenwald). Noch bevor wir unser Quartier bezogen, schauten wir dort erst mal vorbei und hatten nat\u00fcrlich Gedichtliches im Gep\u00e4ck. 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