{"id":365,"date":"2011-10-09T16:44:59","date_gmt":"2011-10-09T14:44:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=365"},"modified":"2023-12-08T23:01:05","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:05","slug":"kolumne-kw41","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/365","title":{"rendered":"Kolumne KW41"},"content":{"rendered":"<p>Reise in monarchisches Gebiet<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem deutschen St\u00e4dtchen namens Amor\u00adbach sollen wir 2 Euro entrichten, um eine Kirche zu besichtigen. Der Mann an der Kasse erkl\u00e4rt, dass die Kirche schlie\u00dflich pri\u00advat sei. \u201eHatten Sie denn hier keine Revolu\u00adtionen, die die Grafen hinweggefegt haben?\u201c \u201eNein, Revolutionen gab es hier nicht.\u201c<br \/>\nDer Landstrich, der bei den Revolutionen ver\u00adgessen wurde, hei\u00dft Odenwald und bildet die S\u00fcdspitze Hessens. Das ist heute eine ty\u00adpi\u00adsche Schlafgegend, umgeben von Ballungs\u00adge\u00adbieten wie die Industrie am Neckar und Rhein und rechts schon angrenzend an Bay\u00adern. Viele nehmen t\u00e4glich zwei Stunden Au\u00adto\u00adfahrt auf sich, um zur Arbeit und zur\u00fcck zu gelangen.<br \/>\nDie R\u00f6mer hatten dort einen Teil ihres Limes errichtet und Franz I. von Erbach, ein Zeitge\u00adnosse Goethes, hatte neben anderen Samm\u00adleraktivit\u00e4ten auch Teile desselben ausgraben lassen und gilt nun als ein Limes-Pionier. Dass er das ganze Schloss mit Hirschgewei\u00adhen bepflastert hat, ist etwas gew\u00f6hnungs\u00adbe\u00add\u00fcrftig, aber dass er seinen Untertanen das Elfenbeinschnitzen beibrachte, f\u00fchrte zu einer nicht zu vernachl\u00e4ssigenden Einnahme\u00adquelle und einer Kultur, die heute noch be\u00adsteht, selbst wenn die Wende auch ein un\u00adg\u00fcn\u00adstiges Datum f\u00fcr deren Rohstoffe war, denn seit 1989 darf man Elfenbein nicht mehr einf\u00fchren.<!--more--><br \/>\nHeute \u00fcben sich die Schnitzer an der Stein\u00adnuss, die etwa 5 cm gro\u00df ist. Aber auch in diesem Kunstzweig scheint es so, dass die arbeitssparenden Formen heute dominieren und man nicht mehr an die Leistungen der Vor\u00adkriegsschnitzer mehr herankommt, die noch Rosen fertigen konnten, die so zart wa\u00adren, dass sie f\u00f6rmlich ein wenig aufbl\u00fchten, wenn man sie mit Wasser bespr\u00fcht hat.<br \/>\nDie Odenw\u00e4lder bedauern ein bisschen, dass man da noch keine Autobahn durchgebaut hat, aber gerade das macht diese Gegend eben so naturbelassen. Man m\u00f6chte ihnen zurufen, dass sie doch lieber weiterhin Serpentinen fahren sollen, aber als Alterna\u00adtive zum Auto gibt es eben nur die Eisen\u00adbahn, deren Pioniere auch dort immerhin eine Strecke gebaut haben, die heute privat betrieben wird, ansonsten wohl schon einge\u00adstellt w\u00e4re.<br \/>\nIns G\u00e4stebuch der s\u00fc\u00dfen Ferienwohnung schrieben wir folgende Verse:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Odenwald<br \/>\nIm S\u00fcden der Neckar, im Norden der Main,<br \/>\ndahinter der Spessart, im Westen der Rhein;<br \/>\nkann das denn was andres, als der Odenwald sein?<br \/>\nWasser gibt`s reichlich, eine Autobahn nicht,<br \/>\nwillst Du hier verreisen, ist so einfach das nicht,<br \/>\nDu kurvst eine Stunde durch dichtes Dickicht.<br \/>\nDie R\u00f6mer, verzweifelt, haben hier halt gemacht,<br \/>\ndie Bayern und Franken es nicht weiter gebracht.<br \/>\nSelbst die Revolutionen, die ganz Europa geseh`n,<br \/>\nkonnten hier sich nicht lohnen, kann man hier nicht versteh`n.<br \/>\nSo hat man noch Grafen, eine Eisenbahn reicht,<br \/>\nhaben gut hier geschlafen, keine Gegend wohl gleicht<br \/>\ndem wilden, verschonten, von Natur nicht gesch\u00f6nten<br \/>\nOdenwald, wo wir wohnten, uns ein wenig verw\u00f6hnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die W\u00e4lder im Odenwald sind, nicht nur wegen der Berge, undurchdringlich, sondern auch weil man die S\u00e4ge nur benutzt, um das Zeug herunterzuhauen und dort liegenzulas\u00adsen, wo es gerade hinf\u00e4llt, ganz so, wie es bei uns seit der Wende nun auch praktiziert wird.<br \/>\nNun haben wir unser Brandenburg mit dem weiten Himmel und seinen Seen wieder und genie\u00dfen es doppelt.<br \/>\nIm Waltersdorfe 8.10.2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reise in monarchisches Gebiet &nbsp; In einem deutschen St\u00e4dtchen namens Amor\u00adbach sollen wir 2 Euro entrichten, um eine Kirche zu besichtigen. 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