{"id":3638,"date":"2021-03-07T14:14:19","date_gmt":"2021-03-07T12:14:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3638"},"modified":"2023-12-08T22:59:06","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:06","slug":"carsten-henn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3638","title":{"rendered":"Carsten Henn"},"content":{"rendered":"<p><strong>Carsten Henn<\/strong><\/p>\n<p>Eines meiner Geburtstagsgeschenke war das Buch \u201eDer Buchspazierer\u201c. Dieses im Pendo Verlag erschienene Buch kann einen schon bewegen. Ein alter Mann, ein Pension\u00e4r, der irgendwie aus der Zeit gefallen ist und ein ambitionierter Buchh\u00e4ndler war, tr\u00e4gt jeden Abend drei bis vier B\u00fccher f\u00fcr die Buchhandlung aus, die nicht seine ist, und kommt dabei immer \u00fcber den M\u00fcnsterplatz. Seine Stammkunden sind nat\u00fcrlich auch aus der Zeit gefallen, denn sie lesen eben, was doch heute nicht mehr die bevorzugte Besch\u00e4ftigung ist. Diese sind auch so verschieden, wie man sie sich nur vorstellen kann. Vom Reichen \u00fcber einen Analphabeten bis zur Nonne, und wieder ist es so, dass fast alle allein leben, wie in Mariana Lekys \u201eWas man von hier aus sehen kann\u201c. <\/p>\n<p>Ist das vielleicht der Zug der Zeit, dass jeder f\u00fcr sich ist? Beiden gelingt auch, bei aller Gesellschaftskritik ein Happy End, wobei sich die B\u00fccher in dieser Hinsicht unterscheiden. Denn im Buchspazierer bleibt es im kleinen Zirkel der Stadt, w\u00e4hrend die Heldin bei Leky in die weite Welt hinauszieht. <\/p>\n<p>Es ist nicht der einzige Punkt, dass die meisten Leute eben f\u00fcr sich sind, ob in der Stadt beim Buchspazierer oder auf dem Dorf Mariana Lekys. In beiden scheint die tiefe Verschiedenheit der Leute auf und es gibt eine Sehnsucht nach Gemeinschaft, wobei eben im Stadtbuch dies im Leben geschieht und beim Dorfbuch anl\u00e4sslich von Beerdigungen. Was bei letzterem aber nur wie pers\u00f6nliche Marotten erscheint, ist beim Buchspazierer von gesellschaftlicher Relevanz. Henn greift auch mehr gesellschaftliche Probleme auf, wie die Angst um die eigene Gesundheit, wenn er eine Szene, man stelle sich vor, in einer Zigarrenmanufaktur spielen l\u00e4sst. Auch der Aspekt der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit als seelenloses Gesch\u00e4ft, und wenn es sich dabei auch nur um eine Buchhandlung handelt, oder eben der Datenschutz, der jegliche pers\u00f6nlich versuchte Kontaktaufnahme ins Feld des Kriminellen r\u00fcckt, oder auch das heutige Gesundheitssystem, in der menschliche W\u00e4rme auch keinen Platz mehr hat.<\/p>\n<p>Beide erfinden extreme Pers\u00f6nlichkeiten, wie man sie in der Realit\u00e4t wahrscheinlich nirgends mehr findet, und insofern sind beide Werke utopisch oder eben zumindest akribisch konstruiert. Die Erfolge, die beide B\u00fccher auch bei mir hatten, besagen wohl, dass die Sehnsucht nach derart Traumfabriken gro\u00df ist. <\/p>\n<p>Wer auch noch zu der Spezies der Lesenden geh\u00f6rt, hat sicher an beiden B\u00fcchern seine Freude, wobei der Buchspazierer noch den Vorzug hat, dass er eben ohne die magische Komponente auskommt, also noch mehr aus dem Leben geschrieben ist. Da kommen empfindsamen Seelen schon mal die Tr\u00e4nen..<\/p>\n<p><em>C.R. 6.3.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carsten Henn Eines meiner Geburtstagsgeschenke war das Buch \u201eDer Buchspazierer\u201c. Dieses im Pendo Verlag erschienene Buch kann einen schon bewegen. 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