{"id":3616,"date":"2021-01-10T14:03:31","date_gmt":"2021-01-10T12:03:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3616"},"modified":"2023-12-08T22:59:06","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:06","slug":"die-weltseele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3616","title":{"rendered":"Die Weltseele"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Weltseele<\/strong><\/p>\n<p>Man kann sicher sein, dass der Autor Yuval Noah Harari des Buches Homo Deus alles Wissbare auch wei\u00df und es scheinen ihm Beispiele zu Hauf zuzustr\u00f6men, was in der Geschichte der Erde und insbesondere der Lebewesen alles geschehen ist. Nirgends ist er allerdings so recht zu Hause, es gibt keine Vorzugsauffassung von der Welt, und was die Menschheit betrifft, so neigt er weder einer der verschiedenartigen Religionen zu, noch hat er eine Affinit\u00e4t zu einem der Wirtschaftssysteme oder Gesellschaftsideen, nur dass er eben einen Fortschritt konstatieren kann, der uns ja allen nicht ganz unbekannt ist.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst entwirft er ein sehr positives Bild von den Errungenschaften der Menschheit, die Seuchen besiegt h\u00e4tte und inzwischen auch versteht, den Krieg so im Zaum zu halten, dass dessen Opfer wohl nur noch ein Viertel der Opfer von gew\u00f6hnlichen Verbrechen betragen und in der Summe \u201enur\u201c etwa 600 000 Menschen j\u00e4hrlich auf gewaltsame Weise ums Leben kommen. Er wagt am Anfang die These, dass in Anbetracht all der bisher gel\u00f6sten Probleme und Errungenschaften der Mensch nun daran gehen k\u00f6nnte, gottgleich und unsterblich zu werden, aber fortgerissen durch den Strom der eigenen Beispiele scheint er am Schluss des Buches zu ziemlich anders gelagerten Konsequenzen zu kommen.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, welche Rolle er den Tieren zumisst, und dass wir eben nicht \u00fcberzeugt davon sein k\u00f6nnen, dass sie uns wirklich unterlegen sind und wir sie unserem mechanischen Weltbild eingliedern k\u00f6nnen. Er fordert uns, wieder anhand eines Beispiels auf, sich vorzustellen, wie sich das Leben einer Fledermaus wohl anf\u00fchlen w\u00fcrde und ob Nutztiere nicht doch unter der manchmal unmenschlichen Haltung leiden k\u00f6nnten. Das k\u00f6nnen sicher viele Menschen unterschreiben, die mehr oder weniger nutzlose Haustiere umhegen und daraus manchmal den Sinn ihres Lebens beziehen.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt ist die Sinngebung eines seiner zentralen Themen, und man kann die Bez\u00fcge auf die J\u00e4ger und Sammler schon gar nicht mehr lesen wollen, wie auch nicht mehr die Sinngebung durch G\u00f6tterwelten, die er auch schon als \u00fcberwunden konstatiert, was dann schlie\u00dflich in den Humanismus oder Liberalismus m\u00fcndete, bei denen das Individuum selbst aufgefordert ist, sich den Sinn zu konstruieren und allweil so zu handeln, dass es sich f\u00fcr einen \u201egut anf\u00fchlt\u201c.<\/p>\n<p>Doch nicht nur am Sinn arbeitet er sich ab, sondern auch den Begriffen der Geisteswissenschaft wie Seele, Geist und Bewusstsein, von denen er sagt, dass sie so wenig nachweisbar w\u00e4ren, dass sich kein ernstzunehmender Wissenschaftler leisten k\u00f6nnte, sie \u00fcberhaupt ins Feld zu f\u00fchren. Das ist denen \u00fcberlassen, die aufs Geratewohl losfabulieren k\u00f6nnen, was ja eben die Geisteswissenschaftler sind, zu denen Harari wohl auch zu rechnen ist, aber er ist auch da nicht zu Hause. Sein Lieb\u00e4ugeln mit den Naturwissenschaften, die zwar nur Mechanismen entdeckten, und wenn sie mal an eine Grenze gesto\u00dfen sind, den absoluten Zufall ins Feld f\u00fchren, f\u00fchrt ihn dann letztendlich auch auf diese Schiene, wobei er \u00fcbersieht, dass sich gerade hinter dem Zufall der Quantenphysik eben die gesuchten Begriffe, wie Geist und Seele verbergen k\u00f6nnten, wie es ein Ernst Haeckel oder Friedrich Wilhelm Joseph Schelling ausgesprochen hatten, die allesamt fehlen in seinem breiten Strom der Beispiele.<\/p>\n<p>Dieses Lieb\u00e4ugeln mit den exakten Wissenschaften, ohne deren Implikationen voll ausloten zu k\u00f6nnen, f\u00fchrt ihn dann auch in eine mechanische Zukunftsaussicht, die Harari nur als M\u00f6glichkeit und nicht als Vorhersage gewertet wissen will, dass n\u00e4mlich die Maschinen, die er zu Algorithmen abstrahiert, seinen Homo Deus hinter sich lassen werden und es sehr in Frage steht, ob diese ihn \u00fcberhaupt zu jenem g\u00f6ttlichen Wesen werden lassen, ihn ausl\u00f6schen oder er ein Dasein fristen wird, wie unsere heutigen Nutztiere.<\/p>\n<p>Verd\u00e4chtig ist auch, dass er sich bei aller Lieb\u00e4ugelei mit allem, was es auf der Welt schon gegeben hatte und was aus seiner Sicht denkbar ist, f\u00fcr eines dann doch fast entscheidet und das wieder mal ein \u2013ismus ist, n\u00e4mlich den Dataismus, bei dem doch der alles \u00fcber den Haufen werfende Dadaismus anklingt. Den Dataismus wird man nicht weiter erkl\u00e4ren m\u00fcssen, jeder der Schlagworte wie Big Data und KI kennt, wird sich darunter etwas vorstellen k\u00f6nnen. Uns als Marxisten stehen allerdings die \u2013ismen bis zum Hals und wir haben gefunden, im kurzen Aufbl\u00fchen der Fr\u00fchromantik Schellings Weltseele, bei der man nicht viel lernt, aber der Titel eben schon f\u00fcr sich spricht, das blo\u00dfe Wort eben, und im kurzen Aufbl\u00fchen des Monismus Haeckels Kristallseelen, die viel zu wenig W\u00fcrdigung erfahren haben und von den Geisteswissenschaftlern, den Vielwissern, ebenso \u00fcbersehen wurden.<\/p>\n<p>So bin ich wieder mal durch dieses Buch auf meine Lieblingsidee gebracht, dass das, was Naturwissenschaftler als den absoluten Zufall erkannt zu haben scheinen, n\u00e4mlich wie sich Quantenobjekte uns konkret darstellen, eben die Grundlage sein k\u00f6nnte, im ganz kleinen, wie sich Geist, Bewusstsein und Seele erkl\u00e4ren, auch wenn wir per se nichts dar\u00fcber erfahren k\u00f6nnen, dass das, was man schlechthin Animismus nennt oder auch Pantheismus, den auszusprechen sich die wenigsten gewagt haben, aber dem die gr\u00f6\u00dften Geister letztlich zuneigten, der eigentliche Schl\u00fcssel zu rechten Weltsicht ist.<\/p>\n<p>Ein bisschen ist Harari auch auf diesem Weg, indem er im Nichterkannten eben nicht dr\u00f6ge Voraussetzungen unterstellt, sondern den Reichtum, auch wenn wir diesen nicht erkennen k\u00f6nnen, zum Beispiel in den Tieren ahnt und einr\u00e4umt. Dabei ist Information ein schwaches Bild f\u00fcr das Universum, was sich hinter solchen Erscheinungen, wie sagen wir Gravitation verbirgt. Neueste Hypothesen, wie von Rudolph Germer gehen davon aus, dass dieses sehr grundlegende Ph\u00e4nomen aus einer geheimnisvollen Interaktion aller Masseteilchen des Universums hervorgeht und es st\u00fcnde uns gut an, das nicht nur f\u00fcr blo\u00dfe Information zu halten, sondern eine lebendige Verbindung, deren Anerkennung uns zwar, da sie unerkennbar und nicht nutzbar ist, auch nichts als eine Vermutung einbringt, aber dahinter k\u00f6nnte der Plan stehen, vielleicht sogar ein g\u00f6ttlicher, den wir schon verloren glaubten und uns einsam f\u00fchlen m\u00fcssen im Universum, dessen Sinn wir nicht finden konnten.<\/p>\n<p><em>C.R. 10.1.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Weltseele Man kann sicher sein, dass der Autor Yuval Noah Harari des Buches Homo Deus alles Wissbare auch wei\u00df und es scheinen ihm Beispiele zu Hauf zuzustr\u00f6men, was in der Geschichte der Erde und insbesondere der Lebewesen alles geschehen&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3616\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,12],"tags":[],"class_list":["post-3616","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3616"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3616\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3621,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3616\/revisions\/3621"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}