{"id":3614,"date":"2021-01-05T10:23:54","date_gmt":"2021-01-05T08:23:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3614"},"modified":"2023-12-08T22:59:06","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:06","slug":"raunaechte-v","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3614","title":{"rendered":"Raun\u00e4chte V"},"content":{"rendered":"<p><strong>Raun\u00e4chte V<\/strong><\/p>\n<p>Bevor ich diesen Traum darlege, muss ich mir noch einmal Gedanken machen um die Leserschaft. Es ist ja alles, was wir in einen mit dem Internet, das sowohl Segen als auch Fluch ist, verbundenen Computer eintippen, irgendjemandem zug\u00e4nglich. Warum sollte man es dann nicht gleich \u00f6ffentlich halten, dass sich jeder f\u00fchlen kann, wie ein WikiLeaks Gr\u00fcnder Julian Assange und nicht mal f\u00fcrchten muss, in Feindesland ausgeliefert zu werden. Das zweite, was ich vorausschicken m\u00f6chte, ist, dass die guten Menschen im eigenen Leben einen scheinbar weniger besch\u00e4ftigen, sie gehen h\u00f6chstens mal als Mahner durch die Tr\u00e4ume, denn \u201eist man einem Menschen verbunden, wie sollte man ihn nicht stets zum guten ermahnen\u201c, so schrieb ich einst in das Poesiealbum meiner \u00e4ltesten Tochter, als diese gerade mal 11 Jahre alt war. Ist man aber selber gerade gut in seinem Traum, so bleiben die Guten eben \u00fcberhaupt au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Nach Abzug der von vornherein guten, habe ich gerade mal noch drei Geschwister, w\u00e4hrend die vollst\u00e4ndige Anzahl eben die Masse ist. Diese drei f\u00fchrten mit mir ein kleines Kammerst\u00fcck auf, das im Wesentlichen in der K\u00fcche unseres Vaterhauses spielte. Von diesen drei problematischeren Geschwistern waren zun\u00e4chst nur zwei anwesend, zwei Br\u00fcder, und taten so, als h\u00e4tten sie etwas zu tun, wobei \u00fcber allem doch der Gedanke schwebte, dass sie mir gram sind, weil ich sie mit meinen Verr\u00fccktheiten \u00fcber Geb\u00fchr besch\u00e4ftigt hatte, dies aber nun mal ein Totenhaus war, in dem es eben au\u00dfer dem Schl\u00f6ssereinbau nicht mehr viel zu tun gegeben hatte. Dass ich mich dort \u00fcberhaupt mal wieder aufhalten durfte, hatte ich nur der Tatsache zu verdanken, dass diese Rumpferbengemeinschaft selbst anwesend war, sonst hatten sie es mir untersagt. Als ich damals auf mein vermeintliches Recht gepocht hatte, dass ich doch Miteigent\u00fcmer sei, hatte meine Schwester s\u00fcffisant bemerkt, ob ich denn einen Erbschein h\u00e4tte, denn die Rumpferbengemeinschaft hielt viel auf das formale Recht. Nun hatte ich einen, und ich versuchte auch das Bedauern durchklingen zu lassen, dass ich meine Geschwister vielleicht mit meiner Art von Trauer, die wohl gemeinhin als verr\u00fcckt eingestuft wird, \u00fcber Geb\u00fchr besch\u00e4ftigt hatte. Der \u00c4lteste bedachte sich und es hatte den Anschein, als wolle er mir dies verzeihen, der andere wartete ab, wie das Kr\u00e4ftemessen ausgehe. \u201eWas willst Du denn \u00fcberhaupt in diesem Totenhaus?\u201c, kam es da. Da war ich ein bisschen platt, denn diese Frage hatte mir auch mein Rechtsanwalt auch schon mal gestellt.<\/p>\n<p>Bevor ich diese Frage beantwortete, ging ich noch mal in die untere Etage, um rauszukommen, um eine zu rauchen. Da fegte an mir meine Schwester vorbei in einer Melange aus schlechtem Gewissen und \u00fcbersteigertem Selbstbewusstsein und gr\u00fc\u00dfte nat\u00fcrlich auch nur mit einem fast unh\u00f6rbaren Knurren (ich kann nichts daf\u00fcr, mir tr\u00e4umte es nur so und oft genug war es auch schon \u00e4hnlich gewesen).<\/p>\n<p>Dann wir vier in der K\u00fcche. Meine Schwester \u00f6ffnete, als w\u00e4re sie der Frage meines Bruders gewahr gewesen, den Schrank unter der Sp\u00fcle, wo sich der M\u00fcll t\u00fcrmte: \u201eDas vielleicht wegr\u00e4umen?\u201c Da kam mir die Eingebung: \u201eNein, ich will Andacht halten, dem Ort und den Gegenst\u00e4nden, die mein Vater gebraucht hatte, gedenken. Gebt mir doch bitte einen Schl\u00fcssel.\u201c Das zweite Schloss sei sowieso unbenutzt, das sei immer offen, aber einen Schl\u00fcssel g\u00e4ben sie mir nicht, sagten da die hartherzigen Geschwister. Nun war es an mir zu gehen. Ich kam an dem T\u00fcrrahmen vorbei, der zum Wohnzimmer f\u00fchrte und an dem ich schon vor Monaten einen dezenten Aufkleber \u201eGeschwistertreffen\u201c angebracht hatte. Der war entfernt und daf\u00fcr waren verschiedene Zettel befestigt, die weniger dezent waren und auf nichts Wesentliches verwiesen.<\/p>\n<p>Vielleicht hatten sie ja dieses Haus f\u00fcr sich in Besitz genommen und waren dabei, es nach ihrem Gusto umzugestalten. Sonst war allerdings alles noch so wie es war. Da dachte ich mir, dass scheinbar alle das Recht haben, Andacht zu halten und dem Ort und den Gegenst\u00e4nden, die meinen Vater umgeben hatten zu gedenken. Die Geschwister, die wegen ihres guten Herzens nicht zugegen waren, taten das sicher auf ihre Weise, und ihnen will ich diesen kleinen Aufsatz widmen.<\/p>\n<p><em>C.R. 5.1.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raun\u00e4chte V Bevor ich diesen Traum darlege, muss ich mir noch einmal Gedanken machen um die Leserschaft. 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