{"id":3596,"date":"2020-12-26T08:08:28","date_gmt":"2020-12-26T06:08:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3596"},"modified":"2023-12-08T22:59:06","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:06","slug":"raunaechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3596","title":{"rendered":"Raun\u00e4chte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Raun\u00e4chte<\/strong><\/p>\n<p>Silke war es, die mich auf die Bedeutung der gegenw\u00e4rtigen N\u00e4chte hingewiesen hat, und es gab gleich in der Heiligen Nacht den Knaller. Nicht jeder tr\u00e4umt ja, und oft kann man sich dann auch gar nicht mehr an die einigerma\u00dfen absurden Eingebungen erinnern. Bei mir sind es manchmal halb durchwachte N\u00e4chte, in denen man von Gedanken umgetrieben wird, die einen auch des Nachts nicht loslassen wollen, aber das sind nicht die entspannten und sinngeladenen Tr\u00e4ume, das sind wohl eher Obsessionen. Nur ganz selten gibt es einen Traum, der einem n\u00e4chtliche Erholung bringt und dann trotzdem so reich deutbar ist, dass es einem Wahrsager alle Ehre machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Silke und ich hatten ja den Weihnachtsfrieden eingel\u00e4utet, indem wir noch mal der guten Seiten unserer Geschwister gedachten, die doch so leicht versch\u00fctt gehen k\u00f6nnen, wenn sich die Ansammlung von immerhin sechs hinreichend Kindgebliebenen in Konferenzen und Protokollen ergehen. Aber wie selbst die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg die Waffen zu Weihnachten schweigen lie\u00df, um nach gehabtem Absingen von Stiller Nacht, Heiliger Nacht, dann nach den Feiertagen davon unbeschadet wieder dreinzuschlagen, so kann man Weihnachten mal so an sich heranlassen, dass es Spuren \u00fcber die Feiertage hinaus hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wir hatten also ihrer gedacht und d\u00e4mmerten nach diesem selbstgemachten Eindruck und den \u00fcblichen Feierlichkeiten in die erste Raunacht. Uns war klar, dass wir, da wir es f\u00fcr uns behalten hatten, bei schlicht denkenden Gem\u00fctern die M\u00f6glichkeit einer Zahn um Zahn Ideologie mit einem gewichtigen Argument versehen hatte. Wenn sie uns nichts w\u00fcnschen, machen wir das erst recht nicht. Wir hatten aber etwas gew\u00fcnscht, was wiederum in all dem Schweigen auch die Interpretation erlaubt, dass sie es uns gleichtaten und ebenfalls der Heimlichkeit in der Weihnachtszeit ihren Tribut zollten. Nichts ist schwerer zu interpretieren als Schweigen, und trotzdem muss man es immer wieder versuchen, denn wach ist noch die Erinnerung an sogar rauschende Familientreffen zu Weihnachten, zu denen immer unser Vater jahrelang eingeladen hat, selbst wenn er, wie voriges Jahr, gar nicht daran teilnahm.<\/p>\n<p>Dieser Rautraum handelte nun nicht gleich von allen f\u00fcnf Geschwistern, sondern nur von einer, die hier sicher nicht genannt sein m\u00f6chte. Sie war, nicht ganz der Wahrheit entsprechend, aber auch aus einem tieferen Sinn richtig, alleinlebend, und sogar Mieterin in meinem Haus, immer ein bisschen auf Distanz, einerseits wegen ihrer durchaus selbstbestimmten Pers\u00f6nlichkeit und andererseits wohl auch aus einem gewissen Unbehagen, die Vergangenheit betreffend, heraus. Dennoch waren wir an einem Tag uns nahe, und mir fiel das Wort ein, das wir fr\u00fcher in den besten Momenten verwandt haben: Knullibulli \u2013 und fl\u00fcsterte es.<\/p>\n<p><em>Christian Rempel, Zeuthen, 26.12.2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raun\u00e4chte Silke war es, die mich auf die Bedeutung der gegenw\u00e4rtigen N\u00e4chte hingewiesen hat, und es gab gleich in der Heiligen Nacht den Knaller. 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