{"id":340,"date":"2011-09-11T09:16:40","date_gmt":"2011-09-11T07:16:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=340"},"modified":"2023-12-08T23:01:05","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:05","slug":"kolumne-kw37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/340","title":{"rendered":"Kolumne KW37"},"content":{"rendered":"<p>Utopisches<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eKeine Weltkarte ist eines Blickes wert, die das Land Utopia nicht enth\u00e4lt\u201c, fasste der geistreiche Oscar Wilde zusammen. Als nun in der Schule wieder einmal eine Weltkarte ausgerollt wurde, sah mein Sohn demgem\u00e4\u00df nicht hin und entdeckte wenig sp\u00e4ter dieses Land auf dem Schreibtisch seines Vaters, als er gerade mal wieder eine stolze Zwei vor\u00adweisen wollte.<br \/>\nNachdem im Gedichtladen ein umstrittenes Gedicht entstanden war zu diesem Thema, machten sich detektivische Recherchen not\u00adwendig, um wie viel besser es unsere Vor\u00adden\u00adker schon gemacht haben. Was lag da n\u00e4her, als Ernst Blochs Werk \u201eFreiheit und Ordnung, Abriss der Sozialutopien\u201c zur Hand zu nehmen und bald festzustellen, dass die\u00adses schmale Werk noch schmaler geratene Anregungen enth\u00e4lt.<br \/>\nDas Bild der Utopien stellt sich ungef\u00e4hr so dar, dass schon die Griechen welche entwar\u00adfen und man bald von der Gelahrtheit zu er\u00adfun\u00addenen Reiseberichten \u00fcberging, in denen man vorgab ein solches Land nicht nur auf der Landkarte, sondern wirklich gesehen zu haben.<br \/>\nEin Brite und ein Italiener versuchten sich an der Thematik im Mittelalter, bis dann in der Zeit der Aufkl\u00e4rung und der franz\u00f6sischen Revolution die Franzosen die Sache fest in die Hand nahmen.<!--more--><br \/>\nWeiterhin steht fest, dass Marx der Sache ein Ende machte, indem er endlich dachte, wie ein entt\u00e4uschter, zu Verstand gekommener Mensch und den letzten Hemmschuh, einen Mann von \u201eutopischem D\u00fcnkel\u201c dem Prole\u00adta\u00adri\u00adat aus dem Weg r\u00e4umte. Das verstand er wohl unter der \u201eWiederherstellung des Men\u00adschen\u201c, der wir in der Tat einige Jahrzehnte teilhaftig wurden und noch heute davon zehren.<br \/>\nDieser Hemmschuh hatte den Namen Wilhelm Weitling, ein Magdeburger Schneider, der es zu einiger Gelehrsamkeit gebracht hatte und dem Rosa Luxemburg sogar Genialit\u00e4t bescheinigte.<br \/>\nDieser letzte Mohikaner der Utopie ging nach seinem Pariser Exil in die USA und versuchte dort praktisch zu erproben, wie seine Ideen funktionieren und, wen wundert`s, sie funk\u00adtionierten nicht.<br \/>\nIn seinem Utopia gab es weder mehr Geld, noch privaten Besitz und er rechnet auch mit den Halbheiten ab, die es sp\u00e4terhin zwar auf ein paar Jahrzehnte des rechten und schlech\u00adten Funktionierens gebracht haben, aber letzt\u00adlich nun auch bei den Akten liegen.<br \/>\nImmerhin ist seine Sprache so, dass sie einem Deutschen an poetischer Kraft alle Ehre macht und er war von einem wahren Christentum, an dem sich auch zu jener Zeit ein Kirkegaard totgearbeitet hatte, beseelt.<br \/>\nMan soll keine Fehlersuche betreiben, so hatte man es uns im Sozialismus immer wieder nehegelegt, aber das war ja eine der Lektionen, die wir nicht zu lernen vermoch\u00adten.<br \/>\nDie Abkehr vom Christentum steht aber un\u00adter Generalverdacht, der entscheidende Feh\u00adler des Sozialismus gewesen zu sein.<br \/>\nSo sind wir jetzt leider noch nicht weiter, als es Weitling dann war:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEin Neuer Messias wird kommen,<br \/>\ndie Lehren des ersten zu verwirklichen,<br \/>\nden morschen Bau des Alten zu zertr\u00fcmmern,<br \/>\ndie Tr\u00e4nenquellen ins Meer der Vergessen\u00adheit leiten<br \/>\nund die Erde in ein Paradies verwandeln.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wo sind die Maler, die uns ein Bild davon geben, wo der G\u00e4rtner, der uns Eden schauen und durchschreiten l\u00e4sst, wo der Schriftsteller, der ein paradiesisches Buch sch\u00fcfe, wo der Clown, der uns in solcher Welt lachen machte? Alles, was uns hier Utopia sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Waltersdorfe 7.9.2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Utopisches &nbsp; \u201eKeine Weltkarte ist eines Blickes wert, die das Land Utopia nicht enth\u00e4lt\u201c, fasste der geistreiche Oscar Wilde zusammen. Als nun in der Schule wieder einmal eine Weltkarte ausgerollt wurde, sah mein Sohn demgem\u00e4\u00df nicht hin und entdeckte wenig&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/340\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-340","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=340"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4474,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340\/revisions\/4474"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=340"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=340"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=340"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}