{"id":3368,"date":"2020-07-24T06:57:11","date_gmt":"2020-07-24T04:57:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3368"},"modified":"2024-09-29T15:22:42","modified_gmt":"2024-09-29T13:22:42","slug":"lapis-philophosphorum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3368","title":{"rendered":"Lapis Philophosphorum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lapis Philophosphorum<\/strong><\/p>\n<p>Eine der Anweisungen von Brian hatte auch darin bestanden, dass m\u00f6glichst wenig Abwasser zu produzieren sei. Wenn wir das dann \u00fcbliche Plumsklo h\u00e4tten bauen wollen, dann w\u00e4re in dem Bereich des Gartens ein metertiefes Loch zu buddeln (Spaten waren zur Gen\u00fcge vorhanden, w\u00e4hrend alles andere Werkzeug weggeschlossen oder tabu war). Wie nun sollte die sch\u00f6pferische Anwendung dieser Ma\u00dfgabe erfolgen? Noch gar nicht in Kackstimmung lief ich den ganzen Zaun ab, der zwar alt war, aber ohne eine L\u00fccke. F\u00fcr einen 67J\u00e4hrigen als un\u00fcberwindlich anzusehen, aber es gab eine einzige, nur durch eine lose Kette gesicherte &#8222;Fluchtt\u00fcr&#8220;, die dann allerdings, kurz erprobt, sofort in zwei Teile zerfiel, sodass sie, wollte man entkommen, ein deutliches Zeichen hinterlassen h\u00e4tte. M. Hatte als Werkzeug eine kleine Zange und einen kleinen Hammer mit, und ich hatte ahnungsvoll unserem Gep\u00e4ck ein einigerma\u00dfen brauchbares Beil hinzugef\u00fcgt, das ja bei Rempels als Universalwerkzeug gilt. Die T\u00fcr durfte ja in keinem St\u00fcck neu aussehen, sondern musste verwittert und gebrechlich im Aussehen bleiben, sonst w\u00e4re sie auch zu verr\u00e4terisch gewesen. Es ging also um eine Restauration, und da es au\u00dfer einer Sch\u00fcssel rostiger und krummer N\u00e4gel keine Verbindungselemente gab, mussten diese aus der l\u00e4dierten T\u00fcr gewonnen werden. Ein Brett war auch zu ersetzen und fand sich auf einem Speicher, dessen Betreten ebenfalls untersagt war, aber er musste dazu auch nicht betreten werden, sondern man konnte es von unten herausziehen. Diese Restauration dauerte einen ganzen Tag in herrlichstem Sonnenschein, der mir einen t\u00fcchtigen Sonnenbrand eintrug. Nun konnte man das Grundst\u00fcck auf kurzem Wege verlassen, w\u00e4re dahinter nicht so ziemlich undurchdringliches Gestr\u00fcpp und Brennnesseln gewesen. Aber M. verfiel pl\u00f6tzlich in Tatendrang und bahnte zwei Wege, einen zu den Rehen, wo uns der Rehbock manchmal wie ein Hund bellend geweckt hatte, und einen zur Au\u00dfentoilette, die nun nicht metertief hat sein m\u00fcssen, sondern lediglich einen Spatenstich. Den roten Spaten aus dem Sammelsurium hatten wir immer im Kompost bereitgestellt, aber au\u00dfer mir nutzte die Au\u00dfentoilette keiner. Etwas weiter fand sich auch ein Kartoffelacker, sodass man durch diese T\u00fcr auch an autarkiesichernde Kartoffeln kam, von denen einige wie kleine Fr\u00fchkartoffeln aussahen und andere v\u00f6llig erdig waren. Das war noch in der Zeit meiner Aggressionen und unserer daraus resultierenden Streitereien, denn ich wurde ger\u00fcgt, dass ich diese Nachtschattengew\u00e4chse zum Abendbrot roh kostete und den beiden M.s ein Nachtun untersagt. Nicht alles an den Streits war auf das gedopte Wasser zur\u00fcckzuf\u00fchren, es war auch die Rolle eines m\u00e4nnlichen Gegenparts in der Familie, den man als erwachsen erkennen musste, was meine Verlobte nach langem Singledasein nicht mehr verkraftete. Jedenfalls ging in den Streitereien eine z\u00fcnftige Einweihung des historiengerechten Bauwerks unter und wurde br\u00fcsk abgelehnt, weil es sich doch nur um eine typische Grille m\u00e4nnlichen Tatendrangs gehandelt hatte. Das wurde alles erst besser mit der im ersten Aufsatz beschriebenen Wasseraktion mit Hilfe der Bundeslade. Es muss noch gesagt werden, dass sich einige frisch aufgeworfener langgezogener W\u00e4lle auf dem Gel\u00e4nde des Wunder- und Schulgartens befanden, deren n\u00e4here Untersuchung ebenfalls verboten war. Auf einem befand sich eine einzelne K\u00fcrbispflanze, die bereits bl\u00fchte. Auch von der Fluchtt\u00fcr zog sich ein solcher Wall hinaus ins Gel\u00e4nde, war schon von Trauerweiden bestanden und war immer zu \u00fcberwinden, wenn man sich zu meinem Privatklo begeben wollte, das ich unter einer Weidengruppe eingerichtet hatte. Der Umgang mit F\u00e4kalien war mir ja schon bei meinem letzten Klinikaufenthalt 2012 aufgefallen (s. Klarheit &#038; Wahn). Noch fr\u00fcher hatte ich deren Analyse in Betracht gezogen, um festzustellen, ob sich der Verursacher an eine bestimmte Di\u00e4t gehalten hatte, um die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten Menschengruppe zu beweisen. Die W\u00e4lle h\u00e4tten gut und gerne Waffenlager sein k\u00f6nnen, wie am Lutherdenkmal in der Stadt bezeichnet: Ein feste Burg ist unser Gott\/ Ein gute Wehr und WAFFEN &#8211; gesponsort vom \u00f6rtlichen Rotary Club Prenzlau.<\/p>\n<p>Als ich eines Tages wieder eines der passenden L\u00f6cher ausheben wollte zum Behufe der Notdurft, stie\u00df ich auf etwas Metallisches. War das der Lauf einer Kalaschnikow oder eines Gesch\u00fctzes? Nat\u00fcrlich nicht &#8211; es war der schwarzerdefarbige Lapis Philophosphorum, und er sprach zu mir. Graviere mich und lege mich in eine Schlange der Hoffnung. Wenn diese 12 Meter lang wird, werde ich anfangen zu phosphoreszieren und meine Gravur wird sichtbar werden. Der Stein war an der Unterseite abgeflacht, nicht viel gr\u00f6\u00dfer als eine gestreckte Hand, und zu den magischen Begebenheiten geh\u00f6rte, dass sich eine scharfe Nadel in der Siebensterne K\u00fcche gefunden hatte, sodass ich neben dem Spatenabdruck noch weitere geheimnisvolle Zeichen einritzen konnte. Diese Zeichen verschwanden, als der Stein fixiert wurde und w\u00fcrden sich ja auch erst wieder zeigen, wenn die Phosphoreszenz eines Tages einsetzen w\u00fcrde, der Stein von innen zu leuchten beg\u00e4nne &#8211; eben in einer der Corona Hoffnungsschlangen. Dort postierte ich ihn in Zeuthen an der letzten Stelle einer etwa 2 Meter langen Schlange, und jetzt ist er durch Geisterhand schon auf die dritte Position vorger\u00fcckt, was etwa meiner Stellung in der Familie entspricht. Aber jetzt ist erst mal Nachschlaf angesetzt &#8211; im Vorgef\u00fchl des Nachsommers von Adalbert Stifter.<\/p>\n<p><em>Christian Rempel in Zeuthen an 5 Monaten vor Weihnachten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lapis Philophosphorum Eine der Anweisungen von Brian hatte auch darin bestanden, dass m\u00f6glichst wenig Abwasser zu produzieren sei. 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