{"id":3362,"date":"2020-07-23T14:22:02","date_gmt":"2020-07-23T12:22:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3362"},"modified":"2023-12-08T22:59:07","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:07","slug":"ein-bitterboeser-brief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3362","title":{"rendered":"Ein \u00abbitterb\u00f6ser\u00bb Brief?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein \u00abbitterb\u00f6ser\u00bb Brief?<\/strong><\/p>\n<p>so langsam erkenne ich den \u00c4ltesten des Rempelclans wieder, denn meine Ablehnung eines Mietvertrages war wohl etwas voreilig, wie mir \u00fcberhaupt immer die Dinge ein wenig zu schnell von der Hand gehen und dann manchmal Tatsachen entstehen, mit denen au\u00dfer mir kaum jemand etwas anfangen kann. Auf dem Balkonausbau h\u00f6re ich die exotischen  V\u00f6gel schreien und die Pferde schnaufen noch in ihrem Sommerquartier und sind noch nicht auf der Weide, ein Blick, den unser Vater immer so liebte und den ich gern f\u00fcr uns erhalten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Gestern war hier sagenhafte Stille und nach den Bewegungen, die ich im Urlaub kennenlernte war das fast schon eine Grabesstille. Ich habe noch keinen von Vadders Vertr\u00e4gen in Augenschein genommen und w\u00e4re ich die Tage nach seinem Tod hier gewesen, h\u00e4tte ich wahrscheinlich einen Eimer Kirschen gepfl\u00fcckt oder h\u00e4tte mich einfach nur rauchend abgesondert. Ein Sch\u00e4lchen Kirschen h\u00e4tte seinen Altar, den Silke am Donnerstag mit Steffi aufgebaut hatte, ein wenig erg\u00e4nzt.  Hinter vielen der Querelen, die wir in den vergangenen zwei Wochen hatten, vermute ich einfach unterschiedliche Priorit\u00e4tensetzungen. Dringende Fragen wurden immer wieder vertagt und stattdessen zuerst einmal einigen Dutzend Euros  nachgegangen, was wir alle  eigentlich nicht n\u00f6tig haben. <\/p>\n<p>Du hast jetzt so sch\u00f6ne Bilder angeboten von unserem Vater und ich habe auch mein Votum abgegeben. Er war ja einer von den ganz Gro\u00dfen, ein beredter Schweiger aus gutem Grund, und weil er  so vieles nicht mehr sagen konnte, was mir bekannt ist, sagt es vielleicht das verschwommene Bild 1, zumal der erste Gedanke sich oft als der beste erweist.<\/p>\n<p>Du wirst heute 70 und vorgestern hatte ich ein ebenso erstaunliches wie besorgniserregendes Gespr\u00e4ch, mit einem, der fast auf den Tag vier Jahre \u00e4lter ist, sehr viel \u00fcber mein Umfeld aus fr\u00fcheren Zeiten wei\u00df und nach einer kurzen Begegnung mit Dore\u00e9n, wo wir uns nicht mal vorgestellt hatten, nicht nur ihren Namen wei\u00df, sondern auch ihre Wohnadresse und uns dort pers\u00f6nlich aufsuchte, weil wir angeblich verabredet gewesen waren. Ich suchte ihn am gleichen Abend auf. Er war scheinbar sehr offen, nur seinen Informationsstand bez. Dore\u00e9ns konnte er nicht erkl\u00e4ren, sondern \u00fcberging diesen Punkt. Es gehen hier um und im Haus so viele Wunderdinge vor, dass ich euch gern um mich gehabt h\u00e4tte, wozu ich ja auch eingeladen hatte. Keiner ist gekommen und ich allein bin nun in den Besitz einer weiteren Wahrheit gekommen, die mir nur der Tod nehmen kann. Das hatte ich ja schon in meinen Kolumnen beschrieben, dass er \u00fcber erhebliche Mittel verf\u00fcgte, dem Vernehmen nach, aber daraus kann nat\u00fcrlich jeder machen, was er will. Unser Vater hat mir gegen\u00fcber angedeutet, dass diese Mittel auf seinen sehnlichsten Wunsch verwendet werden sollten, n\u00e4mlich einer stillen, gr\u00fcndlichen und wohl\u00fcberlegten unblutigen Revolution, die so lange andauern k\u00f6nnte, dass nicht mal Dein und mein Leben zusammen ausreichen w\u00fcrden, um deren gl\u00fcckliche Vollendung zu erleben. Zun\u00e4chst muss man sich wohl der moralischen Werte bewusst werden, die einer \u00dcberarbeitung bed\u00fcrfen, denn diese Revolution f\u00e4ngt zun\u00e4chst bei jedem selber an. Man muss sich also \u00fcberlegen, ob man gedankenlos, unzuverl\u00e4ssig oder unordentlich ist, wenn diese Unordnung nicht dazu dient, sich eine Privatsph\u00e4re zu wahren. Auch auf Xabgier und Xerzlosigkeit muss man sich zun\u00e4chst selbst abklopfen. Kann man bez. alldessen eine positive Bilanz ziehen, wobei man durchaus auch andere fragen kann, wie einem dies gelungen ist, so beginnt zun\u00e4chst etwas wie eine Wiederbelebung in einem zu keimen. Man wird eins mit den Dingen, liebt auch sein Auto wieder ganz anders, \u00fcberlegt sich, ob man eine M\u00fccke erschl\u00e4gt oder nur wegwedelt, dass sie sich eines besseren besinnen kann, und wird, wieder einmal zu Fu\u00df gehend, vieler Dinge gewahr, die man sonst \u00fcbersehen h\u00e4tte. Ja, es sei auch gesagt, dass man auch die Gefahren dann nicht \u00fcbersehen kann, die dieser gr\u00fcndlichsten und humanistischsten Revolution von verschiedenen Seiten drohen, die nicht weniger mit einem im Schilde f\u00fchren, als einen krank zu machen, f\u00fcr verr\u00fcckt zu erkl\u00e4ren, einen erleuchteten Geist, den man vielleicht hat, mittels CT und anderer zerst\u00f6rerischer Ma\u00dfnahmen zunichte werden zu lassen, obwohl diese Revolution im Grunde das Gl\u00fcck aller verhei\u00dft, selbst der Egoisten und Geldscheffler.<\/p>\n<p><em>Dein Christian  in Zeuthen, den 19.\/20.7.2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein \u00abbitterb\u00f6ser\u00bb Brief? so langsam erkenne ich den \u00c4ltesten des Rempelclans wieder, denn meine Ablehnung eines Mietvertrages war wohl etwas voreilig, wie mir \u00fcberhaupt immer die Dinge ein wenig zu schnell von der Hand gehen und dann manchmal Tatsachen entstehen,&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3362\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,12],"tags":[],"class_list":["post-3362","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3362"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3363,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3362\/revisions\/3363"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}