{"id":3307,"date":"2020-07-21T21:43:30","date_gmt":"2020-07-21T19:43:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3307"},"modified":"2023-12-08T22:59:07","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:07","slug":"ihr-lieben-coolen-kleinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3307","title":{"rendered":"Ihr lieben coolen Kleinen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ihr lieben coolen Kleinen,<\/strong><\/p>\n<p>ich will ein M\u00e4rchen von Josef erz\u00e4hlen, den seine Geschwister ja in den Brunnen geworfen hatten, er aber irgendwie herauskam und viel Gutes tat. Aktuell lie\u00df er sich jeden Tag vom Lied \u00abThe lion sleeps tonight\u00bb wecken, und in der Tat waren seine N\u00e4chte ruhig und still, nur gest\u00f6rt von seinem eigenen Schnarchen, was mal da war und manchmal ausblieb. Nun d\u00e4mmerte es, Neowise stand hoch am Himmel und gr\u00fc\u00dfte die Kundigen mit seinem Schweif. Ihm ging das Lied durch den Kopf \u00abEvening Rise\u00bb und er spannte seine Pferdchen Paul und Paula ins Geschirr. Paul hinkte auf dem rechten Fu\u00df und Paula auf dem linken, aber zusammen gaben sie ein passables Gespann ab, da sie sich auch so liebten, wie sich Pferde nur lieben k\u00f6nnen. Seltsamerweise hatte Josefs Knecht den Streitwagen bereitgestellt, einen Lamborgini mit einer russischen Katjuscha darauf. Zum Leuchten hatte Josef sein Laserschwert mit, denn es sollte in eine finstere Gegend gehen.<\/p>\n<p>Die Fahrt ging sehr gem\u00e4chlich vonstatten, in den Zeuthener Winkel, der an Schulzendorf grenzt. Alles sehr mystisch und schlecht beleuchtet. Er war nicht ganz sicher, ob der L\u00f6we auch diese Nacht schlafen w\u00fcrde, aber er hatte eben den Heartbeat der MUtter Natur noch im Ohr und war wohlgemut. Eigentlich wusste er nicht so genau, wo er seinen Streitwagen hinlenken sollte, beleuchtete die Namensschilder mit seinem Laserschwert und die Klingeln, fand sie aber s\u00e4mtlich zerschlagen oder gar nicht vorhanden. Da kreuzte seinen Weg eine Jungfrau und er fragte sie, wo denn die Mondprinzessin zu finden sei. Tats\u00e4chlich konnte sie ihm den Weg weisen und die Mondprinzessin lag im Schatten ihres Hauses und nahm gerade ein Mondbad. Jetzt sah er auch, dass sogar ein Banner in der Windstille auf dem Giebel des Hauses flatterte. Das galt der wohlbekannten Chorgemeinschaft, die es \u00fcbernommen hat, die Mondprinzessin gegen alle Widrigkeiten zu sch\u00fctzen. Josef parkte also seinen verr\u00e4terischen Streitwagen etwas abseits und labte sich am Anblick und den wundersamen Worten der Mondprinzessin. Da er unter Alzheimerverdacht steht, wie der Schreiber dieser Zeilen auch, kann unm\u00f6glich alles wiedergegeben werden, was sie mit ihrer Engelsstimme sprach.<\/p>\n<p>Josef fasste sich ein Herz, da ihn doch diese kleinen coolen V\u00f6gelchen gebeten hatten, eine Bitte vorzubringen. So klein, wie sie sind, h\u00e4tten sie doch gar zu gern einen Schatz und k\u00e4mmten schon alle \u00a7\u00a7 durch, wie man dazu kommen k\u00f6nnte, denn sie waren auch der Meinung, dass sie diesen schon einmal der Mondprinzessin als Huldigung hatten zukommen lassen, aber da nicht alle in deren Gnade standen, kam es zu einer Stockung der Wohltaten.<\/p>\n<p>Josef h\u00e4tte nun barsch sein Laserschwert ziehen k\u00f6nnen, alles einfordern und notfalls seinen Streitwagen in Anwendung bringen. Da wurde er gewahr, dass die Mondprinzessin ein Schatzk\u00e4stchen neben sich auf dem Boden hatte. Sie stand nicht an, es Josef vorzuweisen und klappte es sogar auf. Darin, das k\u00f6nnen der Autor und Josef bezeugen, befand sich NICHTS. \u00abDas ist nicht mein Reichtum\u00bb, sagte die Mondprinzessin, \u00abmein Reichtum sind die Stimmen der Nacht, und, nebenbei, dies Wunderholz vor meiner T\u00fcr, das niemand beachtet.\u00bb Das k\u00f6nnte ich gut gebrauchen f\u00fcr meinen Ofen, meinte da Josef. \u00abNimm Dir so viel davon, wie Du tragen kannst, und bring es zum Kaufmann, dann wird Dir Dein Schatz werden.\u00bb Josef nahm alles Wunderholz in der Lade und trug es zu seinem Streitwagen, wobei er das eine oder andere Scheit verlor. Die Mondprinzessin pers\u00f6nlich b\u00fcckte sich und trug es ihm hinterher. Paul und Paula zogen in ihrem humpelnden Gang an und es ging \u00fcber ein weites Feld, das einmal eine G\u00e4rtnerplantage gewesen ist. Finster wie es war, war Josef mit der wertvollen Last nicht ganz wohl. Da h\u00f6rte er Stimmen hinter sich, die murmelten: \u00abI will follow him &#8230;\u00bb. Josef erkannte auch dieses Lied, wandte sich um und sah eine Prozession fast echt aussehender Nonnen, die allesamt hinter ihm herstiefelten, also keine Verfolger waren, wie er erst bef\u00fcrchtet hatte, sondern eben Follower.<\/p>\n<p>Der Rest ist schnell erz\u00e4hlt. Auf dem Markt traf Josef nur den Kaufmann Knausrig an, der ihm 500 Talente f\u00fcr das wundersame Klangholz bot, und da es schon sp\u00e4t war, war Josef nicht nach Handeln. Er z\u00fcckte sein Handy und sandte der Schatzmeisterin der kleinen coolen V\u00f6gelchen eine Nachricht, dass nun immerhin so etwas wie ein Schatz zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde, wenn auch nicht alle 865 Talente. Sie war es wohl auch, die Josef ein bisschen in Besorgnis gest\u00fcrzt hatte, doch was soll einem mit einem Streitwagen, mit Katjuscha best\u00fcckt und einem Laserschwert schon passieren?<\/p>\n<p>Seid dankbar und zwitschert zur Freude der Menschheit. Dank auch der Mondprinzessin, die jetzt wohl erst mal wieder f\u00fcr neues Holz zu sorgen hat.<\/p>\n<p><em>Euer Christian  in Zeuthen, den 21.7.2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihr lieben coolen Kleinen, ich will ein M\u00e4rchen von Josef erz\u00e4hlen, den seine Geschwister ja in den Brunnen geworfen hatten, er aber irgendwie herauskam und viel Gutes tat. 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