{"id":3212,"date":"2020-01-19T22:13:40","date_gmt":"2020-01-19T20:13:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3212"},"modified":"2023-12-08T22:59:45","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:45","slug":"kolumne-nummer-01-2020-pygmalion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3212","title":{"rendered":"Kolumne Nummer 01\/2020 \u201ePygmalion\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pygmalion<\/strong><\/p>\n<p>Das ist weder ein Gew\u00fcrz noch hat es etwas mit Pigmenten zu tun, allerdings mit letzterem schon ein bisschen, denn der K\u00f6nig Pygmalion aus der griechischen Sagenwelt war aus einem hier nicht zu nennenden Grunde grunds\u00e4tzlich unzufrieden mit den Frauen. Als er dann zur Zerstreuung ein bisschen Bildhauern wollte, was kam da heraus? Wieder eine Frau, die so sch\u00f6n war, dass es sein hei\u00dfester Wunsch war, dass sie zum Leben erweckt werde, was unter Beihilfe von Aphrodite dann auch geschah. Dann war nach den alten Sagen die Welt f\u00fcr ihn in Ordnung und sie gebar ihm sogar zwei wundersch\u00f6ne T\u00f6chter.<\/p>\n<p>Dieser Stoff besch\u00e4ftigte die K\u00fcnstler \u00fcber Jahrhunderte, heute nicht mehr, weil sein Ideal zu erschaffen, nicht mehr auf der Tagesordnung steht. H\u00f6chstens noch My fair Lady kennt man noch, wo der K\u00f6nig zum Linguisten wird und die Geschaffene, Galatea, zu einem einfachen Blumenm\u00e4dchen. Da tut der gewesene K\u00f6nig und nun nur noch Linguist sein Werk an einer durchaus schon lebendigen Person, eben diesem Blumenm\u00e4dchen und m\u00f6chte ihren Slang in eine gehobene Sprache verwandeln, was auf den ersten Blick auch zu gelingen scheint (es gr\u00fcnt so gr\u00fcn, wenn Spaniens Bl\u00fcten bl\u00fchen), aber dann in einer Entt\u00e4uschung endet, als sie bei einer Gelegenheit spontan wieder in ihre gewohnte Ausdrucksweise zur\u00fcckf\u00e4llt.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt hat sich das Faszinosum, sich eine Frau nach seinem Bilde zu erschaffen, die dann, lebendig geworden, auch noch alle Tr\u00e4ume erf\u00fcllt, schon in den letzten drei Jahrhunderten ins Negative gewandelt. Da wurde die Marmorfrau schon mal wieder zur Staue erstarrt zur\u00fcckgew\u00fcnscht und wurde auch mal zu einer Betonplastik. Da wurde also die alte Lebensregel: Es kommt immer anders, als man denkt, mal \u00fcbersehen. W\u00e4re es nicht auch ein bisschen linear um das Leben bestellt, wenn sich unsere W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume eins zu eins realisieren lie\u00dfen?<\/p>\n<p>Die weibliche Intuition ist so wach, dass sie mit einer solchen Idealisierung gut umzugehen wei\u00df. Wie man sich noch anbetungsw\u00fcrdiger macht, wenn erst der Strich durch die m\u00e4nnlichen Rechnungen gezogen ist. Diesen M\u00e4nnern, die ihrer Traumfrau zu begegnen gedenken oder sie gar formen wollen, sei geraten es mal mit ehrlicher Arbeit zu versuchen, sich zum Beispiel mit der Technik zu besch\u00e4ftigen, wo man das Gehirnschmalz und Geschick eindeutig am Erfolg messen kann, und wenn etwas nicht geht, man sich an den Hersteller wenden kann und reklamieren, was bei den g\u00f6ttlichen Gesch\u00f6pfen eigentlich nur im Gebet m\u00f6glich w\u00e4re. Und wer wollte Gott schon zumuten, einem die passende und ideale Frau zurechtzuschneidern. Das wird sich dann doch keiner trauen.<\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n muss es dagegen sein, ein Ideal auf sich projiziert zu wissen und dem doch in kaum einer Weise entsprechen zu m\u00fcssen. Wie kann man da neidisch werden.<\/p>\n<p><em>Christian Rempel in Zeuthen, den 19.1.2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pygmalion Das ist weder ein Gew\u00fcrz noch hat es etwas mit Pigmenten zu tun, allerdings mit letzterem schon ein bisschen, denn der K\u00f6nig Pygmalion aus der griechischen Sagenwelt war aus einem hier nicht zu nennenden Grunde grunds\u00e4tzlich unzufrieden mit den&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3212\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-3212","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3212"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3212\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3213,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3212\/revisions\/3213"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}