{"id":314,"date":"2011-08-30T10:13:37","date_gmt":"2011-08-30T08:13:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=314"},"modified":"2023-12-08T23:01:05","modified_gmt":"2023-12-08T21:01:05","slug":"kolumne-kw35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/314","title":{"rendered":"Kolumne KW35"},"content":{"rendered":"<p>Die goldene Br\u00fccke<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man erwartet von einem Gedichtladen Er\u00adfolgs\u00adgeschichten. Die Leute stehen Schlange und st\u00e4ndig klingelt das Telefon. Man m\u00f6ch\u00adte das vielleicht lesen, aber der Auftraggeber m\u00f6chte man nicht unbedingt sein, denn das kostet ja was. Und schlie\u00dflich kann das doch jeder \u2013 das bisschen Dichten..<br \/>\nGerade war ein Gedicht f\u00fcr eine Goldene Hoch\u00adzeit gratis entstanden. Das war eine Fa\u00admilie mit vielen Kindern und lustigen Anek\u00addoten, die nur noch in Reimform gebracht werden mussten. Was nicht bekannt war, dachte man sich aus und traf den Nagel auf Anhieb auf den Kopf.<br \/>\nGleich darauf kam ein Mann in den Laden, der schon w\u00e4hrend unseres Urlaubs versucht hatte, Kontakt aufzunehmen. Es ging wieder um eine goldene Hochzeit, doch der Nach\u00adwuchs war sp\u00e4rlicher und hatte offenbar viel weniger erlebt. Es zeigten sich L\u00fccken \u00fcber L\u00fccken.<br \/>\nDann folgte noch ein Gespr\u00e4ch und noch eins, jedes Mal blieb etwas offen, aber er wollte es entweder durch seine achtj\u00e4hrige Tochter vortragen oder mit ihr zusammen. Was lag da n\u00e4her als einen Dialog zwischen Tochter und Vater zu schreiben. Das ereig\u00adnisarme Leben der Jubilare wurde unver\u00adsehens durch ihre Wohnorte angereichert, denn bei dem einen hatte Otto Lilienthal Flugversuche gemacht und der andere hatte in den Napoleonischen Kriegen eine Rolle gespielt. Beide Orte hier ganz nahe bei Berolina.<!--more--><br \/>\nDas Bild einer naiven Tochter, die den allwis\u00adsenden Vater befragt, kam gar nicht erst auf, sondern diese kleine Person wusste selbst einiges und sprach in richtigen Alexandri\u00adnern, was eine ziemlich lange Versform ist und gar nicht zu kindlich, w\u00e4hrend der Vater in Knittelversen sprach.<br \/>\nAllein, als das fertige Werk vorgetragen war, erschien es dem Auftraggeber zu historisch belastet, es war eben das, was man ein feierliches Moment nennen w\u00fcrde. Er nahm es mit, dann etwas Funkstille. Wir boten an, es mit der Tochter eigens zu \u00fcben, denn das schien schon erforderlich, aber eine famili\u00e4re Macht, die nie den Weg in den Gedichtladen fand, wollte es nicht.<br \/>\nSchlie\u00dflich kam er mit der Adaption, die selbst verfertigt war und die war leichter, weniger kunstbeladen und weniger gefeilt. Wo des Dichters Sinn einige Klippen um\u00adschifft hatte, standen wohl auch einige h\u00e4rtere Worte f\u00fcr unsere fr\u00fcheren gesell\u00adschaftlichen Verh\u00e4ltnisse.<br \/>\nDennoch h\u00e4ndigte er mir 20 \u20ac aus f\u00fcr meine Bem\u00fchungen und fand das angemessen. Auf dem Markt h\u00e4tte das Gedicht leicht die zehn\u00adfache Summe erzielt, aber der Kunde-K\u00f6nig hatte entschieden. Dennoch eine goldene Br\u00fccke, \u00fcber die der Dichter ging. Das Origi\u00adnal verblieb seltsamerweise beim Auftragge\u00adber und wird viel\u00adleicht eines Tages in einem Familienal\u00adma\u00adnach aufgefunden. Dann wird man sehen, welches wohl dem Anlass geeig\u00adneter erschienen w\u00e4re.<br \/>\nHier ein Auszug:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tochter:<br \/>\nDoch Wietstock, dieses kleine Dorf, das werden sie vergessen haben,<br \/>\nder Hof, die Ernte und viel Arbeit, es liegt so still am Nuthegraben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vater:<br \/>\nVor langer Zeit hat`s angefangen,<br \/>\nals Napoleon die Welt berannte.<br \/>\nSie wollten nach Berlin gelangen,<br \/>\nund man schon dieses Wietstock kannte.<br \/>\nDie haben sich im Dorf verschanzt<br \/>\nund wie Du Dir da denken kannst<br \/>\nstanden damals Preu\u00dfen Wache,<br \/>\nwar ziemlich haarig diese Sache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Urteilen Sie selbst, soll der Dichter eine sol\u00adche Passage dem Vergessen anheim fallen lassen, nur weil sie nicht privat genug ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Waltersdorfe 29.8.2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die goldene Br\u00fccke &nbsp; Man erwartet von einem Gedichtladen Er\u00adfolgs\u00adgeschichten. 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