{"id":3107,"date":"2019-04-19T12:54:21","date_gmt":"2019-04-19T10:54:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/?p=3107"},"modified":"2023-12-08T22:59:46","modified_gmt":"2023-12-08T20:59:46","slug":"kolumne-kw-15-2019-marcel-proust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gedichtladen.de\/blog\/archive\/3107","title":{"rendered":"Kolumne KW 15 2019 &#8222;Marcel Proust&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Marcel Proust<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Von jedem gro\u00dfen Schriftsteller kann man etwas lernen, so auch von Marcel Proust, der das Leben eines Dandy gef\u00fchrt haben soll und die letzten Jahre seines Lebens in einem schalldichten Raum schreibend verbrachte. In \u201eEine Liebe Swanns\u201c besch\u00e4ftigt er sich mit einem reichen B\u00fcrgerlichen, der nach einigen kunstgeschichtlichen Studien ein m\u00fc\u00dfiges Leben in Paris f\u00fchrt, sich dabei in eine Dame zweifelhaften Rufs, den er allerdings nicht wahrhaben will, verliebt und dann wohl mehr oder minder alle H\u00f6llenqualen der Eifersucht durchlebt, an dem sich seine Liebe abarbeitet, die nicht auf echte Gegenliebe, sondern eher weibliches Geschick der Odette de Gr\u00e9cy trifft, er aber auch nicht vollkommen daran zerbricht, wie auch sie sicher einen anderen G\u00f6nner gefunden haben wird, sondern sich diese Liebe in der Gedankenarbeit aufl\u00f6st, in die uns Proust st\u00fcrzt.<\/p>\n<p>\nEr scheint mir ein Logiker der Gef\u00fchle und braucht einigen Raum, um diese durchaus logischen Schlussfolgerungen zu ziehen, die man wohl auch ersch\u00f6pfend nennen k\u00f6nnte. Die Psychologie ist ja ein unendliches Ding, und man wundert sich, dass er nicht noch mehr davon dartut. Eigentlich sind es nur wenige S\u00e4tze und Begebenheiten, von denen das Buch lebt. Nat\u00fcrlich ist es das m\u00fc\u00dfige Salonleben in Paris um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, das er thematisiert und es kann einen nicht recht ergreifen, zumal er es bei Odette bei ihren geh\u00fcteten Geheimnissen bel\u00e4sst und einem nicht mehr Aufschluss gibt \u00fcber ihre Befindlichkeiten als der geh\u00f6rnte Liebhaber selbst herausfindet. Mit diesem wiederum kann man auch kein rechtes Mitgef\u00fchl entwickeln, weil er ja ein M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger ist und sich nie ernsthaft an die von ihm geplante Vermeerstudie macht, sondern ihr offenbar jahrelang hinterherspioniert. Immerhin findet man sich selbst als Mann wieder, der ja mit der Untreue und Unberechenbarkeit der Frauen auch genug zu tun hatte. Besonders ber\u00fchrte mich, wie Swann diese Dinge streckenweise von sich fernzuhalten versucht. Das ist wohl auch heute die ideale Herangehensweise, die mir gerade in der jetzigen Lebensphase sehr nahe ist.<\/p>\n<p>\nImmerhin lernt man, und insofern mutet der Roman sehr modern an, Befindlichkeiten und wie und warum sie sich st\u00e4ndig \u00e4ndern, ein bisschen zu verstehen. Darin ist Proust bestimmt ein Meister, der auch ein hohes kulturelles Niveau besitzt, wenn er zum Beispiel Musikst\u00fccke in Prosa beschreibt. Also insgesamt nicht gerade ein Verlust, das mal wieder zu lesen.<\/p>\n<p>\n<em>Christian Rempel in Zeuthen, den 16.4.2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marcel Proust&nbsp; Von jedem gro\u00dfen Schriftsteller kann man etwas lernen, so auch von Marcel Proust, der das Leben eines Dandy gef\u00fchrt haben soll und die letzten Jahre seines Lebens in einem schalldichten Raum schreibend verbrachte. 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